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Missbrauchsfall sorgt für viele Fragen

13.07.2022 • 17:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die fünf Tatverdächtigen Männer wurden am Sonntag beziehungsweise Montag festgenommen. Sie sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.<br><span class="copyright">Hofmeister</span>
Die fünf Tatverdächtigen Männer wurden am Sonntag beziehungsweise Montag festgenommen. Sie sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.
Hofmeister

Wehrlose Frau soll im Februar von fünf Afghanen missbraucht worden sein. Weil der Vorfall erst jetzt bekannt wurde, gibt es auch Kritik an der Polizei.

Ein Missbrauchsfall, der sich im Februar in Bludenz ereignet haben soll, aber erst gestern publik wurde, sorgt derzeit für Aufregung und viele Fragen.
Wie das Onlinemedium „eXXpress“ am Mittwoch als Erstes berichtete, soll eine Vorarlbergerin von fünf Afghanen sexuell missbraucht worden sein. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch, Heinz Rusch, bestätigte gegenüber der NEUE, dass in dem Fall über fünf Tatverdächtige Untersuchungshaft verhängt worden sei. Ebenfalls bestätigte der Sprecher, dass es sich bei den Tatverdächtigen um Afghanen handle. Weitere Details – etwa zum Tatort, Tatzeit­punkt und Alter der Verdächtigen und des Opfers – nannte Rusch nicht. Ermittelt wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person. Die Afghanen sollen am vergangenen Sonntag oder Montag festgenommen worden sein.

Tatort Flüchtlingsquartier

Wehrlos soll das Opfer deshalb gewesen sein, weil es angeblich alkoholisiert gewesen sei, wie der ORF Vorarlberg berichtete. Auch Drogen sollen bei dem Zusammentreffen von mindes­tens acht Personen konsumiert worden sein. Die Frau sei ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo der Verdacht auf sexuellen Missbrauch festgestellt wurde. Wie die NEUE herausfand, ereignete sich der Vorfall in einer ambulant betreuten Caritas-Unterkunft für Asylwerber. Zwei der fünf Tatverdächtigen wohnten in dem Heim.

Dass die Polizei die Öffentlichkeit nicht über den brutalen Übergriff informiert hat, bezeichnet FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi als „aufklärungsbedürftig“. Er glaubt, dass der Fall „den Vorarlbergern offensichtlich verschwiegen hätte werden sollen“. Auch das ÖVP-nahe Boulevardmedium „eXXpress“ stellte einen Vertuschungsvorwurf in den Raum.

Bei der Landespolizeidirektion wies man dies zurück. Der Sachverhalt sei zunächst so unklar gewesen, dass man im Februar nicht mit gesicherten Fakten an die Öffentlichkeit habe gehen können, sagte Polizeisprecher Horst Spitzhofer. In der Zwischenzeit hätten die Ermittlungen von der Polizeiinspektion Bludenz neue Fakten zutage gefördert, die zur Festnahme der Verdächtigen führten. Laut Spitzhofer hat die Landespolizeidirektion erst von dem Fall erfahren, als er medial publik wurde.
Wie aus Polizeikreisen zu vernehmen ist, dürfte es die Bludenzer Beamten verabsäumt haben, die Landespolizeidirektion in Kenntnis zu setzen.

Caritas-Sprecher Claudio Tedeschi: „Wir haben unsere Aufgaben erfüllt.“<span class="copyright">Kees</span>
Caritas-Sprecher Claudio Tedeschi: „Wir haben unsere Aufgaben erfüllt.“Kees

Zwei Verdächtige wohnten im Heim

Wie die Caritas am Mittwoch auf NEUE-Anfrage mitteilte, hat sich der gestern publik gewordene Missbrauchsfall im Februar in einem ambulant betreuten Quartier für Asylwerber in Bludenz zugetragen. In dem Heim gibt es laut Pressesprecher Claudio Tedeschi keine 24-Stunden-Betreuung, sprich, die Bewohner sind über Nacht allein. In dem Quartier wohnen 25 bis 30 Personen.
Laut Tedeschi befinden sich zwei ehemalige Bewohner des Quartiers unter den fünf Tatverdächtigen. Bei den anderen drei in U-Haft genommenen Afghanen habe es sich um hausfremde Personen gehandelt, ebenso beim Opfer. Den Ablauf schilderte der Sprecher so: „Der Hinweis, dass etwas nicht stimmt, kam am Morgen von einem unbeteiligten Heimbewohner. Bei einer Nachschau entdeckte der Betreuer eine Frau, die nicht gut ansprechbar war und auch ein Hämatom aufwies. Daraufhin wurden das Rote Kreuz und auch die Polizei alarmiert.“ Ob es – wie Medien berichteten – auch in der Nacht einen Polizeieinsatz gab, konnte Tedeschi gestern nicht sagen. Klar ist hingegen, dass sich die handelnden Personen über das strikte Alkohol- und Drogenverbot hinweggesetzt haben. Sanktionen gab es bis zur Verhaftung vor wenigen Tagen offenbar keine. Die zwei Tatverdächtigen wohnten bis zuletzt in der Flüchtlingsunterkunft.