Kultur

Verzerrung der Welt von Jordan Wolfson

14.07.2022 • 19:18 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Ausstellung zeigt „das Gute und das Schlechte der Welt“ .<span class="copyright">Rhomberg</span>
Die Ausstellung zeigt „das Gute und das Schlechte der Welt“ .Rhomberg

Das Kunsthaus Bregenz feiert sein 25. Jubiläum. Heute eröffnet die Ausstellung “Jordan Wolfson” mit teils verstörenden Werken.

Die Kunst von Jordan Wolfson ist nicht schön. Es sind keine Werke, in denen man den Blick verliert und sich treiben lässt. Sie sind aufwühlend, auch hässlich und stellen die Welt in einer verzerrten Weise dar, die den meisten Menschen wohl widerstreben wird.

Seine Kunst ist verstörend, und dennoch kann man sich ihr nicht entziehen. „Das ist gut so“, findet der Künstler, und „gut“ sei auch, dass manches schwierig ist anzusehen, denn genau darin liege die Herausforderung auch für die Besucher, „es soll nicht immer einfach sein“. Wolfson möchte, dass seine Werke eine spezielle Erfahrung darstellen und fordernd sind, sodass die Betrachter ihnen in einer gewissen Weise „ausgeliefert“ sind, sagt er.

Künstler Jordan Wolfson erklärt seine Werke nur ungern um die Erfahrung nicht zu ruinieren. <span class="copyright">RHomberg</span>
Künstler Jordan Wolfson erklärt seine Werke nur ungern um die Erfahrung nicht zu ruinieren. RHomberg

Aktive Auseinandersetzung

„Es ist keine Unterhaltung“, wie er erklärt, sondern die Ausstellung soll „Dinge erfahrbar machen, die die Leute normalerweise nicht sehen“. Besucher sollen nicht nur zusehen, sondern von einer passiven Rolle in eine aktive wechseln und sich bewusst mit dem Gesehenen auseinandersetzen. Die Kunst ist eine Konfrontation, setzt „das Gute und das Schlechte der Welt“ in Zusammenhang und zeigt Dinge, die anstößig sind, brutal, ehrlich.
Mit seinen Werken gibt er einen Rahmen vor, seine formierten Perspektiven auf die Welt zu erfahren und den Besuchern „kraftvolle Erfahrungen“ vermitteln. Diese Motivation steckt auch hinter seinem Schaffensdrang. „Er macht es für die Menschen“, wie er betont. Damit diese durch seine Kunstwerke genau so starke Erfahrungen gewinnen, wie er sie selbst in seiner Jugend durch Werke großer Künstler erlebt hat.

Den massiven Erfolg begründet der international anerkannte Künstler mit seinem Talent und seiner harten Arbeit. Selbst sieht er sich als Bildhauer und lebt und arbeitet in Los Angeles. 2009 wurde ihm der Cartier Award der Frieze Foundation verliehen.

Die Ausstellung braucht "eine andere Art der Begegnung". <span class="copyright">RHomberg</span>
Die Ausstellung braucht "eine andere Art der Begegnung". RHomberg

Gewaltdarstellungen

Nicht alles möchte man sehen. Man möchte nicht sehen, wie jemand mit einem Baseball-Schläger zusammengeschlagen und getreten wird, oder wie eine Comicfigur ihren Oberkörper aufschneidet und die Eingeweide herausfallen. Aber auch darum geht es dem Künstler, welcher die Virtual Reality-Arbeit „Real Violence“ als Projekt betrachtet, das eigene Nervensystem in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Nicht alles ist schön, einiges ist befremdlich, und manches auch faszinierend und berührend. Etwa wie die Roboterfrau aus „Female Figure“ tanzt, ihren stechenden Blick auf die Zuschauer fixiert und diese mit ihren schwarzen Augen anstarrt, und wie sie ihre zarten Finger in so einer natürlichen Weise bewegt, dass die ganze Puppe menschlich und echt wirkt. Die grüne Maske eines Pestarztes auf ihrem Gesicht bietet den Kontrast und schreit: Etwas passt hier nicht zusammen.

Nicht erklärungsfreudig

„Die Ausstellung kann nicht im gewöhnlichen Sinn betrachtet werden“, das sei bei den speziellen Werken von Jordan Wolfson nicht möglich. Sie erfordern „eine andere Art von Begegnung“, beschreibt Thomas D. Trummer, Direktor des Kunsthauses Bregenz die Ausstellung bei der gestrigen Pressekonferenz.
Genauere Erklärungen zu den einzelnen Ausstellungsobjekten gestalteten sich schwierig. Der Künstler wollte die Wirkung seiner Arbeiten nicht durch „zu viel Wissen“ zunichtemachen. „Ich will euch nicht sagen, wie ihr denken sollt“, denn das würde die Erfahrung ruinieren, sagt Wolfson und beendet damit frühzeitig die Pressekonferenz.

Ein Einblick in die Ausstellung. <span class="copyright">RHomberg</span>
Ein Einblick in die Ausstellung. RHomberg

Tiefgreifende Fragen

Neben plastischen Arbeiten des Künstlers gibt es auch bewegliche Installationen, wie beispielsweise „Artists Friends Racists“, wo in Hologramm-Ventilatoren die Illusion von Bildern entsteht. Dabei stellt sich der Künstler die Fragen nach der Zuschreibung der eigenen Person: „How could I be racist?“ (Wie könnte ich rassistisch sein?) und „Am i an artist?“ (Bin ich ein Künstler?).
Weiters bricht er in seinen Kunstwerken die Frage auf, was in unserer Gesellschaft erlaubt sei, und was er als Künstler darf. Beispielsweise geht er in der Videoarbeit „Raspberry Poser“ der Frage nach, ob er als Hetero-Mann über seine Angst vor Aids sprechen darf. Daneben setzt sich Wolfson mit seiner sexuellen Identität und mit Gewalt, Rassismus und Antisemitismus auseinander. Inspirieren lässt er sich von Internet-Clips, Comic-Strips, der Gaming-Industrie oder Gesichtserkennungssoftware. In seiner Kunst beschäftig er sich intensiv mit dem eigenen Denken und der Reflexion der Handlungen und die Rolle, die man in der Welt einnimmt.

Mit der heutigen Eröffnung der Ausstellung von Jordan Wolfson feiert das Kunsthaus Bregenz (KUB) das 25-jährige Jubiläum. Neben den Konzerten am Abend von Hearts Hearts und Christl, werden dieses Wochenende mehrere Veranstaltungen geboten, morgen gibt es unter anderem ein Künstlergespräch mit Jordan Wolfson und einen Vortrag von Rudolf Sagmeister. Am Sonntag spielt das Bläserensemble der Wiener Symphoniker vor dem KUB, und der Film „Concrete Dreams – Places. Light. Surfaces.“ feiert Premiere.


Jordan Wolfson: Eröffnung am 15. Juli um 19 Uhr, Eintritt frei von Donnerstag bis Sonntag.