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Ein Pflegeheim trotzt der Personalkrise

18.07.2022 • 22:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Pflegeheim trotzt der Personalkrise
Das Antoniushaus in Feldkirch. NEUE ARCHIV

Im Antoniushaus in Feldkirch mussten bisher keine Betten geschlossen werden.


Während in einigen Vorarlberger Pflegeheimen wegen des eklatanten Personalmangels nicht mehr alle Betten belegt werden können, darf sich das Antoniushaus in Feldkirch seit vielen Jahren über eine 100-prozentige Auslastung und gleichzeitig wenig Fluktuation bei den Mitarbeitenden freuen. Gründe für das positive Ergebnis in durchaus schwierigen Zeiten nannten die Verantwortlichen im Rahmen eines Pressegesprächs, bei dem unter anderem der Jahresbericht 2021 vorgestellt wurde.

Das Haus der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz ist das größte Alten- Wohn- und Pflegeheim im Raum Feldkirch. Es verfügt über 66 Betten, vier davon sind offiziell für die maximal 90 Tage dauernde Übergangspflege gewidmet. Besonders im letzteren Bereich hat der Bedarf deutlich zugenommen, weshalb im Antoniushaus derzeit sieben der 62 Langzeitpflegebetten für die Übergangspflege genützt werden. „Pflegebedürftige Krankenhauspatienten werden immer früher entlassen,“ nennt Pflegedienstleiterin Gabriele Fellner einen der Gründe für die Zunahme in diesem Bereich.

Antoniushaus: Geschäftsführer Thomas Vranies, Pflegedienstleiterin Gabriele Fellner uGeschäftsführer Thomas Vranies (l.), Pflegedienstleiterin Gabriele Fellner und Beiratsvorsitzender Clemens Schmölz. <span class="copyright">NEUE</span>
Antoniushaus: Geschäftsführer Thomas Vranies, Pflegedienstleiterin Gabriele Fellner uGeschäftsführer Thomas Vranies (l.), Pflegedienstleiterin Gabriele Fellner und Beiratsvorsitzender Clemens Schmölz. NEUE

Druck auf Heime steigt

Dass der Druck auf die Heime steigt, weil aufgrund des Personalmangels mehr als 100 Betten in Vorarlberg nicht belegt werden können, bestätigt auch Antoniushaus-Geschäftsführer Thomas Vranies. Er stellt auch fest, dass die Übergangspflege von einzelnen Angehörigen dazu missbraucht wird, um ein Dauerpflegeplatz zu bekommen. „Es ist schon vorgekommen, dass währenddessen ganze Wohnungen aufgelassen wurden“, sagt Vranies. Und Fellner erzählt von einem Fall, der ihr in ihrer 30-jährigen Laufbahn noch nie untergekommen sei. „Ein Angehöriger meinte, dass wir gerne im Garten ein Zelt aufstellen können, seine Mutter nehme er ganz sicher nicht wieder mit nach Hause.“

„Wie in einem Hotel“. Zugenommen hat somit auch die Fluktuation der Bewohner. Fellner zählte allein im ersten Halbjahr 2022 mehr als 40 Neuaufnahmen. „Das mit den Ein- und Austritten ist derzeit schon sehr extrem. Teilweise fühlt sich´s an wie in einem Hotel.“ Viele Bewohnerwechsel bedeuten letztlich auch mehr Arbeit für das Personal. „Da sind immer sehr viele Abklärungen zu treffen, was für die Mitarbeiter teilwiese eine enorme Herausforderung darstellt“, so Fellner. Zudem stellt die Pflegedienstleiterin eine zunehmende Schwere der Pflegefälle fest.

Pflegepersonal ist schwer zu finden. Im Antoniushaus setzt man deshalb unter anderem auf die Pflegelehre. <span class="copyright">APA</span>
Pflegepersonal ist schwer zu finden. Im Antoniushaus setzt man deshalb unter anderem auf die Pflegelehre. APA

Fokus auf Ausbildung

Beiratsvorsitzender Notar Clemens Schmölz sprach der gesamten Belegschaft des Hauses großen Dank aus. Denn 2021 sei aufgrund der Corona-Pandemie sicherlich das arbeitsintensivste und herausforderndste Jahr in der zehnjährigen Geschichte des neuen Antoniushauses gewesen.
Einen Grund, warum die Corona-Herausforderungen und der grassierende Personalnotstand bislang verhältnismäßig gut gemeistert werden konnten, sieht Schmölz darin, dass das Thema Ausbildung im Antoniushaus schon immer großgeschrieben wurde. Gute Erfahrungen machte das Haus etwa mit der Pilotausbildungskombination „Betriebsdienstleistungslehre und Pflegeassistenz“, die vom Sozialdienstleister Aqua Mühle mithilfe des Landes initiiert wurde und seit 2013 angeboten wird. Bisher haben neun Lehrlinge abgeschlossen, fünf weitere befinden sich derzeit in Ausbildung.

Verfechter der Pflegelehre

Bekanntermaßen setzt man sich sich im Antoniushaus – allen voran Beiratsmitglied Günther Lampert – seit vielen Jahren für die Einführung einer Pflegelehre nach Schweizer Vorbild ein. Laut der kürzlich vom Parlament beschlossenen Pflegenovelle soll die Pflegelehre im September 2023 eingeführt werden. „Junge Menschen sind eine Bereicherung für unser Haus und der Blick in die Zukunft führt uns vor Augen, dass es wichtiger denn je ist, Pflegefachkräfte auszubilden“, sagt Geschäftsführer Thomas Vranies.
Die vielfach geäußerte Befürchtung, dass Jugendliche mit dieser Aufgabe überfordert sein könnten, teilt Pflegedienstleiterin Fellner nicht. „Viele junge Menschen, deren Traumberuf eigentlich im pflegerischen Bereich wäre, kehren nicht mehr in diese Branche zurück, weil sie zwischen 15 und 17 Jahren eine andere Berufsausbildung eingeschlagen haben.“ Die Akademisierung des Pflegeberufs sieht sie kritisch: „Wir brauchen Menschen, die am Bett arbeiten.“