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Mehr Förderung für Tagesmütter

19.07.2022 • 19:45 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Zahl der Tagesmütter und betreuten Kinder sank in den letzten fünf Jahren kontinuierlich. <span class="copyright">Gmeiner</span>
Die Zahl der Tagesmütter und betreuten Kinder sank in den letzten fünf Jahren kontinuierlich. Gmeiner

Zahl der betreuten Kinder und Tagesmütter zuletzt stark gesunken. Gemeinden und Land schießen nun fast 20 Prozent mehr zu. Auch eine soziale Staffelung wird eingeführt.

Der Personalmangel in der Elementarpädagogik ist eklatant. Einzelne Kommunen mussten bereits die Reißleine ziehen und das Angebot für nicht berufstätige Eltern einschränken. Finden auch arbeitende Eltern keinen Platz für ihrer Kleinsten, gibt es nur eine Alternative: Ein Elternteil muss zuhause bleiben. Diese Lücke füllen unter anderem sogenannte Tageseltern, die es in Vorarlberg nun schon fast seit 30 Jahren gibt. Genauso alt sind allerdings die Förderrichtlinien des Landes, weshalb die Betreuungsform sowohl für Tagesmütter als auch Eltern zusehends an Attraktivität verloren hat. Besonders in den letzten fünf Jahren ging sowohl die Zahl der betreuten Kinder als auch jene der Tagesmütter kontinuierlich zurück. Bei einer 2021 durchgeführten Elternbefragung mit 112 Teilnehmern zeigten sich knapp 60 Prozent sehr unzufrieden bzw. unzufrieden mit den Betreuungskosten. Zum Vergleich: Für die Halbtagesbetreuung eines zweijährigen Kindes musste man 2021 in einer öffentlichen Einrichtung etwa 170 Euro berappen, bei einer Tagesmutter mit Förderungen bis zu 240 Euro monatlich. Für Eltern, die keine Tarifstützung erhalten, lagen die Kosten bei 480 Euro, was zuletzt offenbar 50 Prozent der Klienten betraf.

Was sich nun ändert

Nach einem Aufschrei der gemeinnützigen Organisation Kinderbetreuung Vorarlberg und einem gemeinsamen Antrag der SPÖ, FPÖ und Neos machte sich eine Arbeitsgruppe daran, die Förderungen zu überarbeiten. Die Ergebnisse wurden am Dienstag im Pressefoyer nach der Regierungssitzung präsentiert, die Änderungen treten am 1. Jänner 2023 in Kraft. So gibt es künftig eine stundengenaue Anstellung und Lohnauszahlung statt der bisherigen Pauschale, eine Förderung von Vorbereitungs- und Ausbildungsstunden der Tageseltern sowie bei Erfüllung bestimmter Vorgaben eine Kindernestzulage in der Höhe von 340 Euro. Darüber hinaus werden künftig die Elternbeiträge analog zu den elementarpädagogischen Einrichtungen mit einer 100-prozentigen Förderung des Landes gestaffelt. Auch die Förderung der Personalkosten wurden angehoben. 45 Prozent übernimmt das Land (früher 40) und 25 Prozent die Gemeinden (früher 12,5).

Mit der neuen Vereinbarung seien Rahmenbedingungen geschaffen worden, die sowohl Eltern den Zugang zu dieser Form von Betreuung erleichtern, als auch den Beruf selbst attraktiver werden lassen, so Angelika Hagspiel, Geschäftsführerin der Kinderbetreuung Vorarlberg. Die wesentlichsten Vorteile sieht sie in der Anpassung der Elterntarife an die institutionellen Einrichtungen, einem gerechteren Einkommen der Tageseltern und dem Anreiz, mehr als 60 Betreuungsstunden in der Woche anzubieten. Auch die Vereinfachung der administrativen Abwicklung bewertet sie positiv.

Tageselternbetreuung

Was machen Tagesmütter?

Tageseltern betreuen ein oder mehrere Kind/er im eigenen Haushalt. Die Aufgaben der Tagesmutter sind die Beaufsichtigung und Pflege sowie die Förderung und Bildung der Kinder.

Wie wird man Tagesmutter?

Interessierte wenden sich an die Bezirksstellen der Kinderbetreuung Vorarlberg gGmbH . Diese laden zu einem persönlichen Informationsgespräch ein, an dem man alle wichtigen Informationen und einen Bewerbungsbogen erhält. Anschließend gibt es einen Berufsorientierungstag, an dem sich Interessierte ein genaueres Bild vom Beruf einer Tagesmutter machen können. Kann sich die Kinderbetreuung Vorarlberg eine Zusammenarbeit vorstellen, wird bei einem Hausbesuch die Eignung der Wohnsituation beurteilt. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, wird bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft eine Pflegebewilligung beantragt. Nach Erhalt des Bescheides können Tageskinder vermittelt werden.

Welche Ausbildung braucht es?

Alle Tagesmütter sind verpflichtet berufsbegleitend eine Ausbildung zu absolvieren. Diese Ausbildung wird über die Verwaltungsakademie in Schloss Hofen organisiert. Die Ausbildung setzt sich zusammen aus einem Basislehrgang und einem Spezialisierungslehrgang zur Tagesmutter.

Was ist ein Kindernest?

Tagesmütter, die ein Kindernest führen, erhalten zu ihrem regulären Betreuungsgeld eine Kindernestzulage, wenn sie mindestens vier Kinder halbtägig betreuen. Voraussetzung: Abgeschlossene Ausbildung zur Tagesmutter, mindestens drei Jahre Berufserfahrung., Wohnsituation muss für die Betreuung mehrerer Kinder geeignet sein, verpflichtende Weiterbildung von mindestens 20 Stunden jährlich; sowie Bereitschaft, bei offenen Betreuungsplätzen Kinder zugewiesen zu bekommen.

Wie erfolgt die Vermittlung einer Tagesmutter?

Die Vermittlung erfolgt über die Bezirksstellen. In einem persönlichen Gespräch können sich Interessierte über das Betreuungsangebot und die spezifischen Rahmenbedingungen informieren. Dannach kann mit der Tagesmutter ein Kennenlerntermin vereinbart werden.

Vor dem Betreuungsbeginn wird eine Eingewöhnungsphase vereinbart. Die Dauer orientiert sich an den Bedürfnissen des Kindes.

Kontakt Landesgeschäftsstelle:

Reichstraße 126, 6800 Feldkirch

T: 05522 71840, E: office@kibe-vlbg.at

Fast jedes dritte Kind unter drei Jahren in Betreuung

Dass die Nachfrage nach Kindebetreuungsplätzen stark ansteigt, lässt sich auch aus dem Jahresbericht 2021 über die Entwicklungen in der Elementarpädagogik herauslesen. Das Zahlenwerk ist gestern von Landestatthalterin Barbara Schöbi-Fink und Gemeindeverbandspräsidentin Andrea Kaufmann im Pressefoyer nach der Regierungssitzung präsentiert worden.
Laut Schöbi-Fink konnten die Ausgaben in der Elementarpädagogik „erneut beträchtlich“ gesteigert werden. 2021 beliefen sich die Investitionen auf 86,6 Millionen Euro, fast sechs Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Davon wurden 840. 000 Euro als zusätzliche Förderung aufgrund der Corona-Pandemie ausbezahlt.

Laut Barbara Schöbi-Fink seien die Ausgaben für Elementarpädagogik gestiegen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Laut Barbara Schöbi-Fink seien die Ausgaben für Elementarpädagogik gestiegen. Hartinger

Mehr als 400 neue Plätze

Ein Plus gab es demnach auch bei den Kinderbetreuungsplätzen: Im vergangenen Jahr wurden 27 neue Gruppen gegründet, davon zwei in Kinderhäusern, sieben in Kindergärten und 18 in Kinderbetreuungseinrichtungen. Dadurch wurden in Summe 412 neue Plätze geschaffen. Rund 74 Prozent der 2021 geschaffenen Plätze entsprechen dem sogenannten Vereinbarkeitsindikator Beruf & Familie. Das heißt, sie sind mindestens 9,5 Stunden täglich an mindestens vier Wochentagen geöffnet. Landesweit wurden insgesamt 17.219 Kinder in 255 Kindergärten, 163 Kinderbetreuungseinrichtungen, 47 Spielgruppen und bei 51 Tageseltern betreut.

Wie Schöbi-Fink ausführte, befinden sich nahezu alle vier- und fünfjährigen sowie über 90 Prozent der dreijährigen Kinder zeitweise in einer außerfamiliären Betreuung. Bei den Zweijährigen liegt die Betreuungsquote bei 63 Prozent, bei den Einjährigen bei fast 28 Prozent.
Bei der Betreuungsquote der unter Dreijährigen liegt Vorarlberg mit 30,9 Prozent über dem österreich-Schnitt hinter der Großstadt Wien (44,3) und im Burgenland (37,0)