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Wenn der Alkohol vom Bahnhof verbannt wird

20.07.2022 • 19:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Alkohol am Bahnhof Feldkirch ist mittlerweile verboten. <span class="copyright">Moser</span>
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Alkohol am Bahnhof Feldkirch ist mittlerweile verboten. Moser

Seit Kurzem gilt am Bahnhof Feldkirch ein Alkoholverbot. In Dornbirn gibt es das schon seit 2018. Polizei sagt, es trägt zur Sicherheit bei, Sozialarbeiter findet es nicht sinnvoll.

Am 5. Juli beschloss die Feldkircher Stadtvertretung ein Alkoholverbot am Bahnhof Feldkirch (die NEUE berichtete), nur wenige Tage später – am 8. Juli – trat es in Kraft. Grund für die Verordnung war, dass sich im Bahnhofsbereich regelmäßig betrunkene Menschen aufgehalten haben sollen, weswegen es zu Beschwerden aus der neuen Bahnhofcity und auch zu etlichen Einsätzen der Polizei gekommen sei. Beispielsweise blockierten laut Polizeibericht Trinkende am 7. Juni den Eingangsbereich eines Gebäudes und am 14. Juni den Busverkehr an einer der Haltestellen.

Der blaugefärbte Teil zeigt die Zone beim Feldkircher Bahnhof, in der das Alkoholverbot gilt.<span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">stadt feldkirch</span></span>
Der blaugefärbte Teil zeigt die Zone beim Feldkircher Bahnhof, in der das Alkoholverbot gilt.stadt feldkirch

Da das Alkoholverbot erst seit Kurzem in Kraft ist, möchte die Stadtpolizei Feldkirch, die es zu exekutieren hat, noch kein Fazit ziehen: „Wir wollen die Situation noch über einen längeren Zeitraum beobachten, um so die Entwicklung entsprechend beurteilen zu können“, teilte der Kommandant der Stadtpolizei, Herbert Lins, auf NEUE-Anfrage mit.

Hans-Peter Schwendinger ist Kommandant der Stadtpolizei Dornbirn. Auch hier gibt es ein Verbot. <span class="copyright">Stadt Dornbirn</span>
Hans-Peter Schwendinger ist Kommandant der Stadtpolizei Dornbirn. Auch hier gibt es ein Verbot. Stadt Dornbirn

„Wird gut eingehalten“

Eine andere Stadt in Vorarlberg hat aber bereits Erfahrung mit einem Alkoholverbot am Bahnhof: In Dornbirn gibt es seit 2018 ein entsprechendes Verbot, aus ähnlichen Gründen wie in Feldkirch. Hinweisschilder weisen darauf hin, und Personen, die sich regelmäßig am Bahnhof aufhalten, wissen davon, oder sie werden von der Polizei darauf hingewiesen. „Im Großen und Ganzen wird die Verordnung sehr gut eingehalten“, berichtet Hans-Peter Schwendinger, Kommandant der Stadtpolizei Dornbirn.

Bei ihren Streifen kontrolliert die Stadtpolizei in Dornbirn das Alkoholverbot am Bahnhof. <span class="copyright">Hartinger</span>
Bei ihren Streifen kontrolliert die Stadtpolizei in Dornbirn das Alkoholverbot am Bahnhof. Hartinger

Die Polizei kontrolliert das Verbot im Zuge ihrer täglichen Streifen. Wer zum ersten Mal mit Alkohol am Bahnhof erwischt wird, wird abgemahnt. Beim zweiten Mal gibt es eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft, die 50 Euro kostet. Danach erhöht sich diese Gebühr laufend. Es gibt laut Schwendinger Wiederholungstäter, aber auch Personen, die einmal abgemahnt oder bestraft werden und die das Trinken am Bahnhof dann unterlassen.
Auf die Frage, ob durch das Verbot weniger Vorfälle am Bahnhof passiert sind, antwortet Schwendinger: „Nicht jeder Vorfall am Bahnhof, zu dem die Polizei gerufen wurde, hatte mit dem Konsum von Alkohol zu tun. Im Allgemeinen kann aber gesagt werden, dass dieses Verbot zur Unterstützung der Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit am Bahnhof beiträgt.“

Bernhard Amann ist klar gegen ein solches Verbot am Bahnhof. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Bernhard Amann ist klar gegen ein solches Verbot am Bahnhof. Stiplovsek 

Verlagerung

Ganz anders fällt die Beurteilung des Alkoholverbotes von Bernhard Amann, dem Vereinspräsident der Drogenberatungsstelle „Ex und Hopp“, aus. Das „Ex und Hopp“ ist in der Nähe des Bahnhofs; Klienten dieser Einrichtung tranken früher beim Bahnhof Alkohol. „Nun sind sie auf andere Stadtteile ausgewichen, zum Beispiel zur Unterführung bei der Stadtstraße. Das kann man nicht verhindern. Ein solches Verbot bewirkt immer nur eine Verlagerung. Deshalb sind wir dagegen“, sagt Amann. Eine Verbotspolitik mache zudem alles nur noch problematischer: „Sie trifft Menschen, die sowieso schon marginalisiert sind und kein Geld haben.“ In den Augen von Amann bringt das Verbot Konflikte, die es sonst nicht gegeben hätte: zwischen den Menschen, die etwas trinken wollen oder eine Flasche in den Händen halten, und den Polizisten und/oder Securitys.
Eine Lösung wäre für Amann, „dass man offen darüber spricht und anerkennt, dass sich am Bahnhof möglicherweise betrunkene Menschen aufhalten. Es handelt sich sowieso nur um ein paar wenige Leute. Sie gehen jetzt woanders hin und kommen betrunken zum Bahnhof. Was bringt das?“ Eine Antwort gibt Amann sich gleich selbst: „Das Verbot funktioniert nach dem Motto ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘. Das ist keine sinnvolle Politik.“