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Besonderheiten eines Waldes auf der Spur

22.07.2022 • 19:11 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Peter Feuersinger, Josef Moosbrugger und Norbert Totschnig im Plenterwald, der klimafit, aber auch kostenintensiv ist. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Peter Feuersinger, Josef Moosbrugger und Norbert Totschnig im Plenterwald, der klimafit, aber auch kostenintensiv ist. Rhomberg

Plenterwald in Krumbach wird naturnah bewirtschaftet. Er ist klimafit, und das wird nun mit Waldfonds gefördert. Minister Totschnig machte sich ein Bild von diesem Wald.

Mitten in einem Wald in Krumbach: Bezirksforsttechniker Peter Feuersinger vom Landesforstdienst Vorarlberg steht auf einem Baumstumpf und deutet auf eine etwa 30 Zentimeter hohe Pflanze hinter sich: „Herr Minister“, spricht er den neben ihm stehenden Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) an. „Was schätzen Sie, wie alt ist dieser Baum?“ Kurzes Überlegen des Ministers, dann seine Antwort: „An die 15 Jahre.“ „Sehr gut, genaugenommen ist das Bäumchen etwa 20 Jahre alt“, so Forsttechniker Feuersinger. Laien hätten dem Baum nur wenige Monate gegeben, so klein ist es.

Diese Szene spielte sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz ab, die in den Wald verlegt worden war. Neben Forsttechniker Feuersinger und dem Minister, der wegen der Festspieleröffnung in Vorarlberg weilt, war auch Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Josef Moosbrugger vor Ort. Es fand gestern nämlich auch die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs statt; seit neun Jahren wieder einmal in Vorarlberg.

Doch zurück zur Pressekonferenz: Themen waren klimafitte Wälder und der Österreichische Waldfonds. Der Schauplatz im Wald am Schweizberg in Krumbach wurde deshalb gewählt, weil es sich dabei um einen sogenannten Plenterwald handelt.

“Mit 350 Millionen Euro ist der Waldfond das größte Unterstützungspaket für unsere Wälder, das es jemals gab.”

Norbert Totschnig, Landwirtschaftsminister

Kein Licht, kein Wachstum

In einem solchen Wald wachsen Bäume unterschiedlichen Alters nebeneinander – von jung und klein bis alt und groß – oder, wie Bezirksforsttechniker Feuersinger es ausdrückte: „Hier gibt es keine Trennung zwischen Kinderstube und Altersheim.“

Damit ein junge Pflanze wachsen kann, benötigt es Licht. In einem Plenterwald kann es sein, dass ein Pflänzchen an einem Ort steht, an den – vorerst – kein Licht fällt. In diesem Fall wächst die Pflanze nicht, so wie das anfangs erwähnte Bäumchen, das schon 20 Jahre alt, aber erst 30 Zentimeter hoch ist. Irgendwann aber wird diese Pflanze Licht bekommen, weil Bäume daneben gefällt oder vom Sturm umgeworfen werden. Dann wächst es. Plenterwälder werden also sehr naturnah bewirtschaftet.

Ein ungewöhnlicher Anblick: eine Pressekonferenz im Wald. <span class="copyright">RHomberg</span>
Ein ungewöhnlicher Anblick: eine Pressekonferenz im Wald. RHomberg

Nun sind junge Pflanzentriebe natürlich ein Leckerbissen für das Wild. Damit die Pflänzchen nicht alle in den hungrigen Mäulern verschwinden, ist der Wildbestand dem Wald angepasst. Sprich: Es wird dementsprechend geschossen. „Hier kommt dem Waldaufseher eine zentrale Aufgabe zu“, sagt Feuersinger. Dieser bespreche die Abschussquote mit den Jägern. Das funktioniere sehr gut, weil diese Gespräche auf Augenhöhe stattfinden würden.

Klimafitter Wald

Im Plenterwald in Krumbach war es trotz der Hitze, die gestern herrschte, kühl. „Der Boden ist, obwohl wir gerade eine Trockenperiode haben, feucht“, sagt Feuersinger. Das zeigt: Dieser Wald ist klimafit. Er ist auch widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen.

Die Bewirtschaftung eines solchen Waldes ist aber auch intensiv und damit teurer. Beispielsweise weil die Bäume nur einzeln und ohne größere Hiebflächen entnommen werden. Der österreichische Staat setzt jedoch auf klimafitte, zukunftsfähige Wälder und hat deshalb den Österreichischen Waldfonds gestartet, wie Minister Totschnig im Wald in Krumbach berichtete. „Mit 350 Millionen Euro ist er das größte Unterstützungspaket für unsere Wälder, das es jemals gab“, sagte er. Die Plenterwaldbewirtschaftung in Vorarlberg wird im Rahmen dieses Fonds mit rund 2,6 Millionen Euro unterstützt. Insgesamt sind im Waldfonds für Vorarlberg 6,5 Millionen Euro vorgesehen. „Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, unsere Wälder klimafit, resilient, stark und gesund zu halten, um die vielfältigen Funktionen auch für künftige Generationen zu sichern“, so Totschnig.

Ziel ist es, dass Wälder klimafit und resilient werden. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Ziel ist es, dass Wälder klimafit und resilient werden. Rhomberg

„Jeder Euro des Waldfonds ist eine wichtige Zukunftsinvestition in unsere Lebensvielfalt“, sagte Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Moosbrugger und erläuterte einige der vielfältigen Funktionen des Waldes: „Unsere Wälder schenken uns Sauerstoff zum Atmen, Kühle im Sommer und nachhaltige Holzwärme im Winter, um nur einiges zu nennen“, so Moosbrugger. Zudem habe der Wald als Schutzwald eine sehr wichtige Funktion: Ohne ihn wäre die Besiedelung vieler Talschaften in Vorarlberg, wie sie jetzt ist, nicht möglich.

Ohne Wald würde Boden rutschen

In Krumbach etwa, wo der Boden an sich rutschig ist und viel Niederschlag fällt, würde der Untergrund in den Hanglagen ohne Wald früher oder später abrutschen. „Intelligente Waldsysteme wie hier in diesem Plenterwald sorgen dafür, dass es lange dauert, bis ein Regentropfen im Boden einsickert“, erläuterte Bezirksforsttechniker Feuersinger. Deshalb rutscht der Boden nicht und die darunter liegenden Siedlungen sind sicher.

Abschließend ergriff Landwirtschaftskammer Präsident Moosbrugger noch einmal das Wort und sprach einen Dank an alle Beteiligten aus. „Zudem haben wir einen Minister, der Verständnis mitbringt und sich auskennt.“ Das hat er im Wald in Krumbach gezeigt, als er dem kleinen Pflänzchen das richtige Alter zusprach.