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Und darum hat Altach verloren…

25.07.2022 • 20:56 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Stefan Haudum (r.) stellt sich gegen Donis Avdijaj etwas ungelenk an. <span class="copyright">Gepa</span>
Stefan Haudum (r.) stellt sich gegen Donis Avdijaj etwas ungelenk an. Gepa

Der Cashpoint SCR Altach liefert einen Fehlstart in die Saison. Kader wirkt noch unfertig.

Vor Miroslav Klose liegt noch sehr viel Arbeit – und vor allem auch vor Alt­achs Sportlichem Leiter Werner Grabherr. Denn die Rheindörfler offenbarten am Sonntag beim Bundesligaauftakt in Hartberg in allen Mannschaftsteilen erhebliche Schwächen. Nicht durchgängig, in der zweiten Halbzeit hatten die Altacher insbesondere in der Anfangs- und Schluss­phase gute Momente; ein später Ausgleich lag in der Luft. Aber bei der Bewertung der Altacher Leistung muss man eben auch berücksichtigen, gegen wen es da ging: Den TSV Hartberg, ein Mitkonkurrent im Abstieg, der zwar ob der wenigen Kaderveränderungen recht eingespielt ist, aber dennoch unumstritten zu den schwächsten Teams der Liga zählt. Dass es gegen so einen Gegner auch positive Aspekte gab, ist das Mindeste.
Nun tun die Altacher gut daran, in der Öffentlichkeit die positiven Erkenntnisse der Auftaktpartie hervorzuheben. Die Moral stimmte, mit dem Ball bewiesen die Rheindörfler phasenweise eine neue Dynamik, in der zweiten Halbzeit funktionierte der Ballbesitzfußball teils schon recht gut. Diese Kommentierung schafft Ruhe. Und auch die gewohnt wohlwollende mediale Bewertung wird man beim SCRA gerne mitnehmen. Aber intern braucht es eine schonungslose Aufarbeitung, denn gegen den Ball war das speziell in der ersten Halbzeit eigentlich nicht ligatauglich. Der Zugriff fehlte komplett. Die Viererkette um Manuel Thurnwald, Lukas Gugganig, Jan Zwischenbrugger und Nosa Edokpolor war völlig überfordert – und während sich die Außenverteidiger Thurnwald und Edokpolor nach der Pause zumindest steigerten, blieben die Innenverteidiger Gugganig und Zwischenbrugger bis zum Schlusspfiff ein Unsicherheitsfaktor. Beide trafen viele falsche Entscheidungen und wirkten teilweise, man muss es so hart sagen, nicht auf der Höhe des Geschehens.

Kapitän Jan Zwischenbrugger kommt zu spät. <span class="copyright">Gepa</span>
Kapitän Jan Zwischenbrugger kommt zu spät. Gepa

Problemzone Defensive

Beim ersten Gegentor in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch Donis Avdijaj konnte zunächst Goalie Timo Casali nicht klären, danach verlor Gugganig die Orientierung – und so trafen die Steirer, obwohl sie im Strafraum in einer Drei-gegen-vier-Unterzahl waren. Ausgelöst hatte das Gegentor Edokpolor mit einem fürchterlichen Ballverlust auf der linken Seite. Vor dem zweiten Gegentor in Minute 77 spielte Gugganig in der eigenen Hälfte einen schlechten Pass in die Mitte zu Zwischenbrugger, der Kapitän ließ sich den Ball 30 Meter vor dem eigenen Tor abknöpfen, setzte nicht energisch nach und so traf Avdijaj abermals. Auch in dieser Szene hatten die Altacher im Zentrum eine Überzahl, dieses Mal sogar bei einem drei gegen eins.
Was zum nächsten großen Problem beim SCRA führt: das zentrale Mittelfeld. Die beiden Sechser Lukas Jäger und Stefan Haudum bekamen nie Ordnung ins Spiel – dadurch fehlte dem SCRA die gesamte Partie hinweg die Balance im Spiel. Selbst in den starken Phasen blieben die Altacher im Spiel gegen den Ball anfällig. Bei Haudum sind die Zweifel freilich nicht neu, ob es für ihn für die Bundesliga reicht. Jäger wiederum fehlt wohl noch die Spielpraxis, nachdem der Alberschwender in den vergangenen vier Jahren bei Nürnberg und Sturm Graz eher nur sporadisch zum Einsatz kam. Nun haben die Altacher freilich noch Bakary Nimaga in der Hinterhand, dennoch werden sie sehr genau prüfen müssen, ob dieses Personal ausreicht. Doch bevor die Altacher nachlegen können, werden sie wohl erstmal den aufgeblähten Kader ausdünnen: Aktuell umfasst der Kader über 30 Spieler, wirklich Bundesligatauglich ist kaum mehr als die Hälfte. Dass Klose am Sonntag trotz des Rückstands nur drei Mal wechselte, sagt alles über die Qualität der Altacher Bank aus.

Lukas Jäger (l.) gegen Jürgen Heil. <span class="copyright">Gepa</span>
Lukas Jäger (l.) gegen Jürgen Heil. Gepa

Abwägung

Die Arbeit gegen den Ball beginnt freilich schon in der Offensive – und da stellt sich die Frage, inwieweit sich gerade die beiden jungen Leihspieler Amankwah Forson und Alexis Tibidi einbringen. Im Spiel mit dem Ball waren die beiden in der zweiten Halbzeit sicherlich ein Lichtblick. Tibidi stellte seine Dribbelkünste unter Beweis, Forson seine Dynamik. Die beiden werden aber Zeit brauchen, teilweise wirkt das schon noch sehr unreif, was Tibidi und Forson anbieten.
Die Altacher werden behutsam abwägen müssen, ob sie diesen beiden Teenagern ihr gesamtes Offensivspiel umhängen können. Zumal auch der 21-jährige Kroate Jan Jurcec noch Schritte machen wird müssen, um sich an das Niveau zu gewöhnen. Speziell hinter der Sturmspitze fehlt den Rheindörflern sicherlich noch eine ordnende, erfahrene Hand – Klose wünscht sich bekanntlich die Verpflichtung von Änis Ben-Hatira. Dann könnte Tibidi über links kommen.
Im Sturmzentrum hat Altachs Nummer neun Atdhe Nuhiu in einem Spiel die gesamte Bandbreite seines Spiels gezeigt: Im Zweikampf oft etwas ungeschickt, außerhalb des Strafraums fast unsichtbar – aber in der Box ist er einer, der sich durchzusetzen vermag. In der 84. Minute gelang Nuhiu der Anschlusstreffer, vier Minuten später scheiterte der Mittelstürmer am starken Hartberg-Schlussmann Rene Swete – ein echter Torjäger hätte den gemacht, aber das ist Nuhiu eben nicht.

Dribbelstark und schnell: Alexis Tibidi. <span class="copyright">Gepa</span>
Dribbelstark und schnell: Alexis Tibidi. Gepa

Die Strauss-Frage

Letztendlich wirkt Altachs Kader noch unfertig, auch wenn mit Noah Bischof, Sandi Krizman, Emanuel Schreiner und Felix Strauss vier Spieler mit Spieltagskader-Potenzial fehlten. Strauss ist dabei sicherlich der Spieler, der sich nach seiner überstandenen Grippe am stärksten für die Startelf aufdrängt, weil er ein Mentalitätsspieler ist. Doch auf welcher Position? Als Rechtsverteidiger bringt er eigentlich zu wenig Offensivdrang mit. Wodurch der offensive Spieler auf dieser Seite, am Sonntag war es Forson, oft ins Eins-gegen-eins müsste, was schon in Hartberg ein Problem war – obwohl mit Thurnwald sicherlich Altachs offensivfreudigster Rechtsverteidiger spielte. In der Innenverteidigung müsste Neuzugang Gugganig für Strauss weichen. Es wäre kein Kompliment für die Kaderplanung, wenn der ehemalige Osnabrück-Legionär schon am zweiten Spieltag auf der Bank landen würde – Gugganig wurde als Verstärkung verpflichtet und braucht erstmal Vertrauen.
Ja, auf die Altacher kommt noch viel Arbeit zu – und dabei können sie sicher nicht alles ihrem Startrainer Miro Klose umhängen. Denn zaubern kann auch ein Weltmeister nicht. Die Rheindörfler brauchen noch Verstärkungen, das zeigte die Vorbereitung, das zeigte das ÖFB-Cup-Spiel und das zeigte die Partie in Hartberg. Am kommenden Samstag gastiert der WAC in der Cashpoint-Arena.