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Straßenlaternen wird kein Licht abgedreht

26.07.2022 • 20:15 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Ob Straßenlampen wie diese in Zukunft in Vorarlberg abgedreht werden, ist noch ungewiss. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ob Straßenlampen wie diese in Zukunft in Vorarlberg abgedreht werden, ist noch ungewiss. Hartinger

Die Energiepreise steigen rasant. In Niederösterreich geht deshalb womöglich bald das Licht aus. In Vorarlberg herrschen diesbezüglich jedoch Bedenken bezüglich Beleuchtungsnormen und der Haftung bei Unfällen.

Nachdem in Wiener Neustadt unter anderem der Dom nicht mehr beleuchtet wird und andere Stromsparmaßnahmen zur Debatte stehen, kommt die Frage auf, ob auch schon bald in Vorarlberg den Straßenlaternen den Strom abgedreht wird. Genau das forderte nämlich Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) für Niederösterreich: eine Sperrstunde für unnötigen Strom- und Lichtverbrauch. So soll aufgrund der stark angestiegenen Energiepreise Strom gespart werden.

Dass die Vorarlberger Gemeinden bald auch das Licht auf den Straßen abdrehen werden, ist derzeit noch nicht bekannt. Das sagt Kommunikationsleiter des Energieinstituts Vorarlberg Wolfgang Seidel. Stromsparmaßnahmen würden jedoch momentan in den Gemeinden diskutiert werden.
Auch beim Land Vorarlberg steht die Reduktion von Strom derzeit zur Debatte. Bernhard Widerin vom Fachbereich Energie und Klimaschutz des Land Vorarlbergs dazu: „Das Land Vorarlberg ist derzeit mit Blick auf die Krisensituation im Bereich Energie dabei, sämtliche verfügbaren Energiesparoption zu prüfen. Auch die Möglichkeiten einer Reduktion des Stromverbrauch von Straßenbeleuchtungen wird dabei intensiv geprüft.“ Akute Maßnahmen sind noch nicht bekannt, jedoch soll im September von der Landesregierung die angekündigten Energiesparmaßnahmen präsentiert werden, die in Absprache mit Bund, Energieinstitut und Gemeindeverband erarbeitet werden.

Der Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung in Vorarlberg entspricht nach Angaben des Land Vorarlbergs ungefähr dem Verbrauch von 4000 Haushalten. „Jede Einsparung die hier gelingt, ist willkommen“, sagt Widerin. Auch Seidel hebt den hohen Stromverbrauch durch Straßenlaternen hervor. Die Straßenbeleuchtung decke einen großen Teil des Stromverbrauchs der Gemeinden ab, weswegen das Abschalten für das Einsparen von Stromkosten positive Auswirkungen hätte, sagt Seidel.

Straßenbeleuchtungen machen einen Großteil des Stromverbrauchs in den Gemeinden aus. <span class="copyright">zellhofer</span>
Straßenbeleuchtungen machen einen Großteil des Stromverbrauchs in den Gemeinden aus. zellhofer

Fragliche Umsetzbarkeit

Zwar sei die Umsetzbarkeit technisch einfach, aber durch die Rahmenbedingungen organisatorisch komplex, so Seidel. Auch Widerin betont, dass bei Einsparungen in der Straßenbeleuchtung auf die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere der Straßenverkehrsordnung, zu achten sei. Es müssen dabei nämlich Verkehrsnormen berücksichtigt werden, die beispielsweise die Beleuchtung eines Schutzweges vorschreiben.
Nicht nur die Sicherheit von Fußgängern am Schutzweg, sondern auch Schutz der Frauen vor Übergriffen, wie Vergewaltigungen, ist eine essentielle Funktion der Beleuchtung. Bei der Diskussion um Stromsparmaßnahmen seien laut Seidel die rechtlichen Rahmenbedingungen und die subjektive Sicherheit der Anrainer Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen. Diese sollen sich am Heimweg in der Nacht wohlfühlen. Auch der Bürgermeister Rainer Siegele von Mäder hat bei einem einmonatigen Versuchsprojekt vor über 25 Jahren, bei dem die Beleuchtung mit Zeitschaltuhr über Nacht abgedreht wurde, die Erfahrunge gemacht, dass Menschen Angst vor Einbrecher hatten. Die Gemeinden fürchteten beim Abschalten von Straßenlaternen eine Versicherungsproblematik bei möglichen Unfällen, so Seidel.

Sowohl in Mäder als auch in anderen Gemeinden wird jedoch schon länger an Stromsparmaßnahmen gearbeitet und auf längerfristige Lösungen gesetzt. So verzichtet Mäder laut dem Bürgermeister „schon immer“ auf Weihnachtsbeleuchtung und rüstet beispielsweise die Belichtung von Gebäuden um. Mäder ist eine der Gemeinden, die am e5-Programm teilnehmen. Das Energieinstitut berät diese Gemeinden in Sachen Energiesparmaßnahmen, dessen Umsetzung freiwillig ist. Mehr als die Hälfte der Vorarlberger Gemeinden sind e5-Mitglied und können von den Erfahrungen der anderen profitieren.
Längerfristig erarbeitet das Energieinstitut Vorarlberg über den Sommer gemeinsam mit den e5-Gemeinden ein Stromsparkonzept, in der die Straßenbeleuchtung auch eine Rolle spielen soll.

Die Strompreise steigen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Strompreise steigen. Hartinger

Der Unterschied zur Vergangenheit sei derzeit die neue Diskussionsbasis durch die derzeitige vermehrte Thematisierung, sagt Seidel. Es herrsche mehr Verständnis in der Bevölkerung und Bereitschaft für den Verzicht.
Konkret soll das Konzept Richtlinien für den Herbst und Winter für eine Reduktion des Energieverbrauchs liefern. Darunter sind Temperaturvorschläge für die Garage eines Feuerwehrhauses oder des Sportbecken etwa, oder wie ein Gebäude für mehr Energieeffizienz saniert werden soll. Dabei seien jedoch nur sinnvolle Maßnahmen gefragt. „Es bringt nichts, wenn ein Turnsaal fünf Grad hat“, so Johannes Köb, Leiter des e5-Teams in Wolfurt.

Gedimmtes Licht

In Wolfurt beispielsweise wird schon seit drei Jahren die Umrüstung auf gedimmte LED-Leuchten umgesetzt und schon über 60 Prozent der Gemeindestraßen ist mit gedimmten Energielampen ausgestattet. Im Jahr 2023 sollen die Gemeindestraßen in Wolfurt dann fertig umgerüstet sein, so Köb. Nicht nur Wolfurt, auch andere Gemeinden, wie Hard oder Kennelbach haben diese längerfristige Lösung für die Reduktion des Stromverbrauchs gewählt.
Dort funktioniert ein Teil der Beleuchtung mit Bewegungssensor. Die gedimmten LED-Leuchten werden somit hell, wenn jemand vorbeispaziert. Dies bedarf jedoch eine technische Umrüstung und ist somit nicht kurzfristig für alle Gemeinden in der aktuellen Situation umsetzbar. Es benötigt eine Vorlaufzeit, bis die Beleuchtung ausgetauscht ist. Dabei spart Wolfurt nach Angaben des e5-Teams Johannes Köb bei den gedimmten Lampen insgesamt 30 bis 80 Prozent der Energie im Vergleich mit einer herkömmlichen LED-Beleuchtung ein.
Akut sei in der Gemeinde Wolfurt etwa jedoch keine Reaktion auf die steigenden Strompreise geplant. „Es wird im September ein Netzwerktreffen mit den E5-Gemeinden geben“, so Köb. Spätestens dann würde diskutiert werden.
Derzeit gäbe es keine Engpässe beim Strom, wie Widerin betont. Diese seien auch in Zukunft nicht absehbar. „Dennoch ist auch Stromsparen österreichweit ein wichtiger Beitrag um Gas einzusparen“, so Widerin.