Österreich

Verordnung bringt Aus für Quarantäne

26.07.2022 • 13:05 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne)
Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) APA/BUBU DUJMIC

Wer positiv ist, sich aber nicht krank fühlt, darf mit Maske zur Arbeit und in alle Innenräume. Um 16.30 Uhr verkünden Gesundheitsminister Rauch und Arbeitsminister Kocher die Details.

Die Corona-Quarantäne fällt wie erwartet. Das geht aus einem Verordnungstext hervor, der am späteren Nachmittag der Öffentlichkeit präsentiert werden soll und der APA vorliegt. Wer sich nicht krank fühlt, kann demnach auch nach einem positiven Corona-Test das Haus verlassen, ist allerdings Verkehrsbeschränkungen unterworfen. Dies bedeutet, dass FFP2-Maske getragen werden muss, außer man ist im Freien und in zwei Metern Abstand niemand unterwegs.

Ferner werden in der Verordnung Betretungsverbote definiert. Das sind Krankenanstalten ebenso wie Pflege- und Behinderten- und Kureinrichtungen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Volksschulen und Horte. Allerdings dürfen Mitarbeiter diese Arbeitsorte betreten, klarerweise mit Maske, wenn sie infiziert sind. Ohnehin ist Arbeiten mit positivem Test künftig – konkret ab Inkrafttreten der Verordnung mit 1. August – wieder möglich, wenn Maske angelegt ist. Dis gilt allerdings nicht in Berufen, wo das Tragen einer Maske die Job-Ausübung defacto verunmöglicht wie Logopäden und Musiker.

Keine Beschränkungen gibt es, wenn am Arbeitsplatz nur aktuell infizierte Personen zusammentreffen. Doch auch hier gibt es eine Ausnahme. In vulnerablen Settings wie Krankenhäusern ist eine Maske zu tragen. Für Risikogruppen soll künftig wieder eine Ausnahme bestehen. Sie müssen nicht am Arbeitsort tätig werden, wenn es keine geeignete Schutzeinrichtung dort gibt. Daheim und im Auto ist auch für Infizierte keine Maske anzulegen, solange nur Personen des selben Haushalts anwesend sind. Dafür darf man selbst in Gasthäuser oder Schwimmbäder gehen trotz positiven Tests, allerdings nur mit Maske. Das heißt, im Lokal sitzen und plaudern geht, dort etwas konsumieren ist ausdrücklich nicht gestattet.

Quarantäne-Ende spaltet die Gemüter

Die Frage, ob und wie die Isolation für Infizierte beendet werden soll, spaltet die Gemüter. Gesundheitsexpertinnen und -experten sehen darin vor allem mit Blick auf Herbst wenig Sinn, die Wirtschaft will aber nicht mehr länger auf isolierte Arbeitskräfte verzichten. In anderen Ländern sind die Infektionszahlen durch die Abschaffung nicht extrem explodiert, die Gefahr von häufigeren Fällen von Long-Covid und schweren Verläufen bleibt aber.

Bisher wurde im Gesundheitsministerium stets betont, dass es sich bei dem öffentlich gewordenen Verordnungs-Entwurf lediglich um ein Arbeitspapier handle und dass auch die Besprechung mit den Landeshauptleuten in die Entscheidung zum Quarantäne-Ende einfließen werde. Heute dürfte sich Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) offiziell festlegen.

Nach einem Treffen mit den Landeshauptleuten am Montag wird er am heutigen Dienstag um 14:30 Uhr die Gesundheitslandesräte sprechen. Erwartet wird, dass Rauch danach das Ende der Quarantäne für Infizierte bekannt gibt. Womöglich gilt die neue Regelung bereits ab 1. August.

Auf jeden Fall wird es heute um 16.30 Uhr eine Pressekonferenz von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) geben, dabei wird unter anderem über die Absonderung oder Verkehrsbeschränkung gesprochen und ein Variantenmanagementplan präsentiert.

Der Variantenplan soll klarstellen, welche Maßnahmen je nach vorherrschender Corona-Variante ergriffen werden sollen. Dafür braucht es jedenfalls auch eine bessere Überwachung der Hospitalisierungen – in das dafür eingerichtete Register melden die Bundesländer, vor allem Wien, allerdings aktuell zu wenig ein.

SPÖ-Landesparteivorsitzende und Rauchs Gattin Gabriele Sprickler-Falschlunger. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
SPÖ-Landesparteivorsitzende und Rauchs Gattin Gabriele Sprickler-Falschlunger. Stiplovsek 

Rauchs Frau sieht “falsche Entscheidung”

Kritik an der Abschaffung gibt es für Rauch nicht nur aus Wien, Kärnten und dem Burgenland, sondern auch aus dem eigenen Haushalt: Die Vorarlberger SPÖ-Landesparteivorsitzende und Rauchs Gattin Gabriele Sprickler-Falschlunger bezeichnete das Ende der Quarantäne per Aussendung als “falsche Entscheidung” des Gesundheitsministers und reihte sich damit in die Liste der kritischen Meldungen vonseiten der SPÖ ein.

Die Aufhebung der Quarantäne würde zurzeit fast 110.000 Menschen betreffen. Rund 52.000 wurden in den letzten fünf Tagen positiv getestet und müssen isoliert sein, weitere rund 57.000 sind Verkehrs-beschränkt falls sie symptomfrei sind. Die meisten Abgesonderten finden sich in Wien. In der Hauptstadt äußerte man bereits letzte Woche die Bedenken, womöglich rein administrativ nicht alle Isolierten gleichzeitig aus der Quarantäne entlassen zu können.

Sozialpartner fordern Vorbereitung auf Herbst

Unterdessen fordern die Sozialpartner in einer gemeinsamen Erklärung eine rasche Vorbereitung für eine “sehr wahrscheinliche” weitere Corona-Welle im Herbst. Die neuerliche Überlastung des Gesundheitssystems müsse vermieden werden, auch aus wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Gründen, fordern Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer, ÖGB, Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung die Regierung zu Maßnahmen auf.

Das sind – neben der Forderung, eingebunden zu werden – einige: Von Analyse der Schutzmaßnahmen und besserer Erhebung und Verknüpfung von Daten über ein intensiveres Abwassermonitoring und Vorsorge für niederschwellige, kostenfreie Testkapazitäten bis zu mehr Luftfiltergeräten in Schulen. Für allfällige partielle Schließungen müsse zudem die professionelle Abwicklung staatlicher Hilfe vorbereitet werden – und auch eine neue Impf-Infokampagne (für den vierten Stich im Spätsommer) halten die Sozialpartner für nötig.