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Messepark will 3000 Quadratmeter mehr

27.07.2022 • 19:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Messepark Dornbirn: Vorarlbergs größtes Einkaufszentrum soll noch größer werden.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Messepark Dornbirn: Vorarlbergs größtes Einkaufszentrum soll noch größer werden.
Hartinger

Stadt Dornbirn beantragt Änderung des Landesraumplans für EKZ-Erweiterung. Stimmt die Landesregierung zu, könnte der Messepark – wie schon seit Jahren geplant – um einiges größer werden.

Die Auswirkungen von innerstädtischen Shopping-Centern auf den bestehenden Einzelhandel werden seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. Wie verhärtet die Fronten sein können, zeigt sich derzeit etwa im Streit um die Erweiterung des Europarks in Salzburg zwischen dem Spar-Konzern und Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn. Weil sich letzterer beharrlich gegen den Ausbau stemmt, wurde er nun vom Konzern bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Wie die „Salzburger Nachrichten“ jüngst berichteten, wird dem Grün-Politiker Amtsmissbrauch vorgeworfen. Er habe seine Zustimmung „aus rein symbolpolitischen Gründen verweigert“, heißt es. Der Europark mit einer Fläche von aktuell 50.700 Quadratmetern gilt als das Flaggschiff der SES Spar Shopping Centers. Die Erweiterung würde rund 14.000 Quadratmeter umfassen.

Ausbau wieder Thema

Wesentlicher kleiner als der Europark ist Vorarlbergs größtes Einkaufszentrum, der Messepark Dornbirn. In dem Einkaufszentrum, das seit Jahren zu den Top-Performern in der österreichischen Handelslandschaft zählt, sind aktuell 19.000 Quadratmeter als Verkaufsfläche gewidmet. Aber auch hierzulande stoßen Erweiterungspläne seit vielen Jahren für Auseinandersetzungen. Nun steht das Thema wieder auf der Agenda. Wie die Stadt Dornbirn gestern bekanntgab, wird nun bei der Landesregierung eine Änderung des Landesraumplans beantragt. Künftig sollen 22.200 Quadratmeter als Verkaufsfläche zur Verfügung stehen, davon maximal 5000 Quadratmeter für Lebensmittel. Beschlossen wurde das im Stadtrat, eine Entscheidung auf Landesebene wird in den kommenden Monaten erwartet. Laut der Stadt Dornbirn haben die Betreiber ein neues Projekt vorgelegt, das den Messepark sowohl architektonisch als auch städtebauliche aufwerte. Darüber hinaus hätten sich auch die Rahmenbedingungen für die verkehrliche Erschließung verändert. „Die geplante Verkehrsführung vor Ort wird die bestehenden Knotenpunkte noch weiter entlasten. Zudem soll die Anbindung an den öffentlichen Verkehr deutlich verbessert werden.

"Ein Meilenstein“: Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser. <span class="copyright">Messepark</span>
"Ein Meilenstein“: Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser. Messepark

Eine wichtige Grundlage für das OK zur Ausweitung bildet offenbar auch die aktuelle „Kaufkraftstrom und Einzelhandelsstrukturanalyse Vorarlberg“. Diese weise für den Bezirk Dornbirn ein zusätzliches Potential für Handelsflächen aus. Nicht hinter dem Stadtratsbeschluss stehen die Dornbirner Grünen, die bei der Abstimmung laut ORF Vorarlberg nicht anwesend waren. Sie befürchten ein Verkehrschaos.
Die Erweiterung soll dem Vernehmen nach auf dem bestehenden Parkplatz umgesetzt werden Die Autos sollen unter die Erde verfrachtet werden sollen.

Voraussetzungen

Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser zeigt sich erfreut über die nunmehrige Entscheidung des Dornbirner Stadtrats und spricht von einem „wesentlichen Meilenstein für die Entwicklung des Messepark.“ Die zusätzlichen Handelsflächen seien „Voraussetzung für eine architektonische Erneuerung und ein zusätzliches, qualitativ hochwertiges Angebot“, so Dünser in einer Aussendung. Für Nachfragen, etwa zum Inhalt des neuen Erweiterungskonzepts, war der Geschäftsführer gestern nicht erreichbar.

Das weitere Procedere

Das Verfahren zur Erlassung eines Landesraumplans ist komplex. Die Landesregierung wird in solchen Fragen vom unabhängigen Raumplanungsbeirat beraten. Im Vorfeld werden zahlreiche Gutachten eingeholt, welche die Entscheidung der Landesregierung sachlich und fachlich unterstützen sollen. Nach Erlassung eines Landesraumplans durch die Landesregierung ist dann wieder die Stadt am Zug. Eine allfällige Erweiterung der Flächenwidmung als Einkaufzentrums muss von der Stadtvertretung beschlossen werden. Im Anschluss wird das Vorhaben wiederum dem Land zur Genehmigung vorgelegt.

Eva Molnar-Thielmann, Obfrau der Werbegemeinschaft „inside Dornbirn“. <span class="copyright">MEssepark</span>
Eva Molnar-Thielmann, Obfrau der Werbegemeinschaft „inside Dornbirn“. MEssepark

„Soziales Zentrum muss hier bleiben“

In der Aussendung zur angesuchten Änderung des Landesraumsplans hat das Amt der Stadt Dornbirn gestern darauf hingewiesen, dass es bei der Umsetzung der Messepark-Erweiterung vor allem auf die Balance mit den Angeboten und der Qualität in der Innenstadt ankomme. Zudem wurde betont, dass „aktuell und zukünftig in die Innenstadt investiert wird, um das Zentrum der Stadt auch weiterhin attraktiv und lebenswert zu erhalten“. Als Beispiele nannte das Amt unter anderem die Sanierung und den Ausbau der Fußgängerzone, sowie Verbesserungen beim Parkleitsystem.
Das Bekenntnis der Stadtoberen zu einer attraktiven Innenstadt freue sie, sagt Eva Molnar-Thielmann, die als Obfrau der Werbegemeinschaft „inside Dornbirn“ die Interessen von über 200 Mitgliedsfirmen vertritt. Gegen eine Erweiterung des Messeparks spricht sie sich zwar nicht grundsätzlich aus, betont aber, dass der Messepark ein Einkaufszentrum bleiben müsse und nicht zu einer Mixed-Used-Immobilie werden dürfe. „Das soziale Zentrum muss die Innenstadt bleiben“, sagt die „inside“-Obfrau und Geschäftsführerin des Juweliergeschäfts O.Rein.

So sollte der Messepark im ursprünglich eingereichten Konzept aussehen.<br><span class="copyright">Messepark</span>
So sollte der Messepark im ursprünglich eingereichten Konzept aussehen.
Messepark

Erweiterungspläne als „unendliche Geschichte“

Die geplante Erweiterung des Dornbirner Messeparks sorgt schon seit vielen Jahren für Diskussionen. Bereits 2007 war ein groß angelegter Ausbau des Einkaufszentrums Thema in der öffentlichen Debatte. Das damalige Projekt wurde schlussendlich jedoch verworfen. Bis dann im Oktober 2014 neue Pläne präsentiert wurden. 35 Millionen Euro an Investitionen waren damals vorgesehen. Die Verkaufsfläche sollte auf 22.600 Quadratmeter erweitert werden. Alles darunter rechne sich nicht, erklärten die Betreiber damals.

Gegner im ganzen Land

Allerdings stießen die Messepark-Betreiber damit auf starken Widerstand im ganzen Land. Seitens der Stadtverantwortlichen wurde eine maßvolle Erweiterung gefordert. Höchs­tens 20.000 Quadratmeter Verkaufsflächen sollten genehmigt werden. Vertreter des Landes wie etwa Landeshauptmann Markus Wallner oder Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser (beide ÖVP) hatten sich sogar gegen eine Erweiterung der Handelsflächen im Messepark ausgesprochen. Auch Vertreter von Talschaften und Regios vom Bregenzerwald bis in den Walgau äußerten sich negativ zu dem Erweiterungsvorhaben. Selbst der damalige Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Manfred Rein, wollte nichts von einer Vergrößerung der Flächen wissen.

Ein Fall für die Justiz

Im Jahr 2015 zogen die Betreiber des Einkaufszentrums vor das Landesverwaltungsgericht. Dort legten sie Beschwerde gegen eine Verordnung der Stadt aus dem Jahr 2008 ein. In dieser war die Verkaufsfläche auf 17.500 Quadratmeter festgelegt worden. Die Verantwortlichen des Messeparks argumentierten, dass beim seinerzeitigen Baubescheid für den Einkaufstempel im Jahr 1987 über 22.600 Quadratmeter genehmigt worden seien. Die Richter des Landesverwaltungsgerichts folgten dieser Argumentation und beantragten beim Verfassungsgerichtshof in Wien eine Aufhebung der Verordnung aus dem Jahr 2008. Im März 2016 sprachen sich die Verfassungsrichter allerdings gegen eine Aufhebung der entsprechenden Verordnung aus.
Im Jahr 2019 genehmigte die Landesregierung die Erweiterung der Verkaufsfläche um 1500 auf 19.000 Quadratmeter. Den Messepark-Betreibern war dies allerdings zu wenig, deshalb blieben die Ausbaupläne bis dato in der Schublade.