International

Gefangenenaustausch zwischen USA und Russland geplant

28.07.2022 • 15:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
US-Sportlerin Brittney Griner ist in Russland inhaftiert. <span class="copyright">AFP/Kirill Kudryavtsev</span>
US-Sportlerin Brittney Griner ist in Russland inhaftiert. AFP/Kirill Kudryavtsev

Der Kreml will sich mit Blick auf einen möglichen Gefangenenaustausch mit den USA unter Einbeziehung der US-Basketballspielerin Brittney Griner nicht öffentlich in die Karten schauen lassen.

US-Außenminister Antony Blinken hatte am Mittwoch erklärt, Washington habe Russland einen Deal angeboten, um Griner und einen weiteren in Russland inhaftierten Amerikaner, Paul Whelan, nach Hause zu holen. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte, die US-Regierung habe einen Austausch der beiden gegen den seit mehr als zehn Jahren in den USA inhaftierten russischen Waffenhändler Viktor But vorgeschlagen.

Dazu von Journalisten befragt sagte Peskow, Gefangenenaustausche würden für gewöhnlich ohne eine derartige Veröffentlichung von Informationen diskret hinter den Kulissen diskutiert. “Normalerweise erfährt die Öffentlichkeit davon, wenn die Vereinbarungen bereits umgesetzt sind.” Er betonte, es seien noch keine Vereinbarungen unter Dach und Fach, lehnte es aber ab, weitere Details zu nennen.

Keine konkreten Ergebnisse

In einer separaten Mitteilung erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, Vertreter Russlands und der USA hätten über mögliche Gefangenenaustausche verhandelt und es gebe noch keine konkreten Ergebnisse. Man gehe von der Annahme aus, dass die Interessen beider Parteien während der Verhandlungen berücksichtigt werden sollten, erklärte sie.

Blinkens Äußerungen markierten das erste Mal, dass die US-Regierung sich öffentlich zu einem konkreten Vorgehen mit Blick auf das Bemühen einließ, die zweifache olympische Goldmedaillengewinnerin und Spielerin des WNBA-Teams Phoenix Mercury freizubekommen. Griner war im Februar am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden. Nach Angaben der russischen Behörden wurden in ihrem Gepäck Verdampfer-Kartuschen mit Cannabisöl gefunden.

In einer scharfen Abkehr von der bisherigen Politik sagte Blinken, er erwarte, zum ersten Mal seit vor der Entsendung russischer Truppen in die Ukraine mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow über den vorgeschlagenen Gefangenenaustausch und weitere Angelegenheiten zu sprechen. Er habe um ein Telefonat mit Lawrow gebeten.

Russland hat seit Jahren Interesse an der Freilassung Buts gezeigt. Der auch als “Händler des Todes” bekannte Russe war im Jahr 2012 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Wegen Cannabis-Besitz im Gefängnis

Griners Verfahren in Moskau hatte im Juli begonnen. Am Mittwoch sagte sie aus, sie wisse nicht, wie die Kartuschen in ihrem Reisegepäck gelandet seien, sie habe jedoch eine ärztliche Empfehlung, Cannabis gegen Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit ihrer Sportlerkarriere einzusetzen. Die 31-Jährige hat sich schuldig bekannt. Sie habe jedoch keine kriminelle Absicht verfolgt. Sie habe in Eile gepackt, um während der Spielpause ihrer Liga in den USA in einer russischen Liga Basketball zu spielen. Ihr drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Ein Dolmetscher habe während ihrer Befragung am Flughafen nur einen Bruchteil dessen, was gesagt wurde, übersetzt, erklärte Griner am Mittwoch. Sie sei angewiesen worden, Dokumente zu unterzeichnen, ohne dass es eine Erklärung zu den Inhalten gegeben habe. Ihr seien zudem ihre Rechte nicht erklärt worden, ferner habe sie in den ersten Stunden nach ihrer Festnahme keinen Zugang zu einem Anwalt erhalten.

Der zweite Amerikaner, Paul Whelan, wurde in Russland wegen Spionage zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Whelans Familie und die US-Regierung haben die Anschuldigungen gegen ihn als falsch bezeichnet. Im April hatte es bereits einen Gefangenenaustausch zwischen Russland und den USA gegeben.