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Psychotherapie nicht für alle gleich

28.07.2022 • 19:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die ÖGK hat zur Psychotherapie weitgehend nur Daten aus dem Jahr 2020 vorliegen.<br><span class="copyright">hartinger</span>
Die ÖGK hat zur Psychotherapie weitgehend nur Daten aus dem Jahr 2020 vorliegen.
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Bei der Psychotherapie gibt es große Unterschiede, je nach Kasse, Bundesland und Geldbörse. Die Datenlage macht Vergleiche allerdings schwierig.

Dem Psychotherapiebedarf in der Bevölkerung wird nicht überall gleich begegnet, wie eine Anfragebeantwortung durch Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) an den Vorarlberger Abgeordneten Gerald Loacker (Neos) nun ergeben hat.

Die Zahl der Vorarlberger Patienten, die von den drei gro­ßen Sozialversicherungen ÖGK, BVAEB und SVS Kostenzuschüsse für Psychotherapieeinheiten erhielten, stieg zwar zwischen 2018 und 2020 von etwa 3200 auf 4200 an, doch anderswo ging das Angebot zurück.

Gesundheitsminister Rauch konnte nur die lückenhaften Daten der Kassen liefern. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Gesundheitsminister Rauch konnte nur die lückenhaften Daten der Kassen liefern. Stiplovsek

Weniger Therapie in Spitälern

In den Spitälern wurden die psychotherapeutischen Behandlungen insgesamt reduziert. Wurden 2019 noch 159.000 psychotherapeutische Aufenthalte und Besuche in den österreichischen Spitälern gezählt, waren es 2021 nach vorläufigen Zahlen nur noch 69.000. Der Rückgang hängt vermutlich auch mit den zeitweisen Sperren ganzer Spitalsbereiche zugunsten der Behandlung von Covid-19-Patienten zusammen.

Besonders stark sank die Zahl der psychiatrischen Patienten in Spitalsbehandlung in Nieder- und Oberösterreich, wo sie sich von 2019 auf 2021 ungefähr halbierte. In Vorarlberg blieb die Patientenzahl zwar konstanter, allerdings reduzierten sich auch hier die Spitalsaufenthalte und ambulanten Behandlungen von etwa 3700 im Jahr 2019 auf vorläufig erfasste 2800 für 2021.

Versorgungsvereine im Fokus

Im Gegensatz zu anderen Heilbehandlungen wird Psychotherapie von den Kassen weitgehend als sogenannte Sachleistung über Vereine abgerechnet, die mit den Krankenkassen Verträge abgeschlossen haben. Sie bilden neben Spitalsbehandlungen und Kostenzuschüssen die dritte Säule in der psychotherapeutischen Versorgung.

Diese Versorgungsvereine administrieren für die Kassen die knappen ambulanten Termine und verrechnen jeweils ihre eigenen Verwaltungskosten – was man aufgrund des Mehraufwandes in Loackers Büro durchaus kritisch sieht. Auch ihre große Zahl macht stutzig: ÖGK und SVS haben bundesweit mit über 100 solcher therapeutischen Vereine Verträge.

Die Summe der über sie finanzierten Sitzungen stieg bei der ÖGK von etwa 875.000 im Jahr 2018 auf 961.000 im Jahr 2020. In Vorarlberg wurden 2020 34.000 Sitzungen finanziert, etwas weniger als noch 2018. Ein Anstieg war, wie eingangs erwähnt, bei den Kostenerstattungen für jene Therapieeinheiten zu verzeichnen, die die Patienten abgesehen von Kostenzuschüssen selbst bezahlen müssen. Sie stiegen bei der ÖGK österreichweit innert drei Jahren von etwa 51.000 auf 57.000 an. In Summe wurden 2020 dafür bundesweit 15 Millionen Euro ausgegeben, während an die Versorgungsvereine 69 Millionen flossen.
Die Kostenzuschüsse fallen unterschiedlich hoch aus: Wenn die Psychotherapie nicht über die Vereine bezogen wird, zahlen SVS und BVAEB maximal 40 Euro pro 50 Minuten – die ÖGK sogar nur 28,93 Euro pro Stunde.

Abgeordneter Gerald Loacker, sieht die Versorgungsvereine kritisch. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Abgeordneter Gerald Loacker, sieht die Versorgungsvereine kritisch. Stiplovsek 

Schlechte Datenlage bei Kassen

Ein Problem bei der Auswertung der Zahlen stellt die bekannt schlechte Datenlage im österreichischen Gesundheitswesen dar. So liegen auch im zweiten Halbjahr 2022 noch keine validierten Spitalsdaten aus dem Jahr 2021 vor. Die ÖGK konnte in der Frist von acht Wochen die Psychotherapiekosten im niedergelassenen Bereich nur bis 2020 zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu SVS und BVAEB liegen von ihr also keine Daten für 2021 vor.

Auch sah sie sich nicht in der Lage, die Abrechnung für einzelne Vereine offenzulegen. Alle Kassen vermochten nicht, konkrete Zahlen für die in Vorarlberg erbrachten Sachleistungen zu nennen, weil hier die Finanzierung gemeinsam mit dem Land erfolgt und das Institut für Sozialdienste (IfS) die Versorgung organisiert. Die SVS konnte nicht sagen, um wie viele Kostenzuschüsse bei ihr überhaupt angesucht wurde oder wie viel sie in Vorarl­berg für psychotherapeutische Sachleistungen aufgewendet hat.

Psychotherapie

„Psy­cho­the­ra­pie Vor­arl­berg“

Im Rahmen eines einheitlichen Angebots, organisiert das IfS in Vorarlberg die ambulante, nicht-ärztliche Psychotherapie für Kassen und Land. Dabei müssen sich Patienten bei der Clearingstelle des IfS melden, die die Therapie gewähren und gegebenenfalls zuteilen muss. Den Patienten bleibt ein Selbstbehalt von 15 Euro pro Sitzung.

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