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Diversion trotz Vorstrafe für Corona-Gefährder

29.07.2022 • 14:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Saisonarbeiter fuhr, gemeinsam mit seiner Partnerin, mit den Öffis nach Deutschland. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Der Saisonarbeiter fuhr, gemeinsam mit seiner Partnerin, mit den Öffis nach Deutschland. Stiplovsek 

Infizierter Saisonarbeiter blieb nicht auf Berghütte in Quarantäne, sondern fuhr Heim nach Deutschland.

Wegen der besonderen Umstände sah Richter Theo Rümmele von einer Verurteilung zum angeklagten Vergehen der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten ab. Stattdessen gewährte der Strafrichter dem geständigen und mit einer Vorstrafe belasteten Angeklagten in der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch eine Diversion. Wenn der 44-jährige Deutsche dem Gericht als Geldbuße 500 Euro bezahlt wird das Strafverfahren gegen ihn eingestellt werden. Mit der diversionellen Erledigung waren der Angeklagte und die Staatsanwältin einverstanden.

Heimreise angetreten

Der damals mit dem Coronavirus infizierte Saisonarbeiter hatte sich im August 2021 auf einer Berghütte im Montafon nicht in Quarantäne begeben, sondern zusammen mit seiner ebenfalls infizierten und als Saisonarbeiterin tätigen Partnerin per Bus und Bahn die Heimreise nach Deutschland angetreten.

Auch seine unbescholtene Lebensgefährtin kam, bei einer früheren Verhandlung am Landesgericht, mit einer Diversion davon, mit einer Geldbuße von 400 Euro. Das gegen die 40-jährige Deutsche geführte Strafverfahren wurde bereits eingestellt. Ihr Freund muss auch deshalb 100 Euro mehr bezahlen, weil er bereits eine Vorstrafe hat, wegen Verletzung der Unterhaltspflicht als Vater eines Sohnes.

Verteidigerin Andrea Concin argumentierte in beiden Gerichtsverhandlungen mit Erfolg für diversionelle Erledigungen. Die Anwältin sagte, es sei für ihre Mandanten nicht zumutbar gewesen, in dem winzigen Personalzimmer auf der Berghütte zehn Tage in Quarantäne zu verbringen. Denn noch dazu von allen Mitarbeitern benutzte sanitäre Anlagen habe es nur auf dem Gang gegeben. Zudem sei die angeklagte Frau krebskrank gewesen.

Sie hätten sich im Bus und im Zug an die damaligen Coronavorschriften gehalten, Schutzmasken getragen und Abstand zu Mitreisenden gewahrt, gab der angeklagte Deutsche zu Protokoll.