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Klage: Kein neuer Job wegen Dienstzeugnis

29.07.2022 • 16:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Symbolbild/Hartinger

Gekündigte Klägerin fordert in Arbeitsprozess von Ex-Arbeitgeber Schadenersatz. Sie bemängelt, dass im Dienstzeugnis ihre Fachbereichsleitung erst mit 2018 datiert worden sei.

Wegen des von ihrem Ex-Arbeitgeber fehlerhaft formulierten Dienstzeugnisses habe sie Jobs nicht erhalten, für die sie qualifiziert gewesen wäre, behauptet die Klägerin. Sie fordert dafür 23.000 Euro an Verdienstentgang, die Haftung der Beklagten Firma für allfällige künftige Schäden und die Änderung des Dienstzeugnisses. Der Streitwert in dem Arbeitsprozess am Landesgericht Feldkirch beträgt 43.000 Euro. Am Freitag fand die zweite Verhandlung statt. Ein Urteil erging noch nicht.

Nach 14 Jahren erhielt die Klägerin 2021 von dem großen Vorarlberger Unternehmen die Kündigung, mit der der Betriebsrat einverstanden war. Arbeitskollegen hätten sich wegen des privaten Naheverhältnisses der Klägerin zum Geschäftsführer denunziert und gemobbt gefühlt, sagte Beklagtenvertreter Alexander Wittwer. Zudem sei die Arbeitsleistung der Klägerin mangelhaft gewesen.

Wohlwollendes Dienstzeugnis

Die Mitarbeiterin bekämpfte im Vorjahr die Dienstgeberkündigung vor Gericht. Die Streitparteien schlossen einen außergerichtlichen Vergleich, mit dem der Arbeitsprozess beendet wurde. So wurde aus der Dienstgeberkündigung eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses. Der Klägerin wurde eine Abgangsentschädigung bezahlt. Vereinbart wurde auch ein wohlwollendes Dienstzeugnis.

Zweite Führungsebene

Die Klägerin bemängelt im nunmehrigen Rechtsstreit das vom Ex-Arbeitgeber ausgestellte Dienstzeugnis in fünf Punkten. So sei darin wahrheitswidrig angeführt, dass sie erst ab 2018 und nicht schon seit 2014 „Head of global product management“ gewesen sei, also eine Fachbereichsleiterin im Vertrieb auf der zweiten Führungsebene. Auch wegen der zeitlich falschen Zuordnung der Tätigkeit als Abteilungsleiterin habe seine Mandantin bei ihren Bewerbungen geeignete Stellen nicht erhalten, meint Klagsvertreter Danijel Nikolic.

Beklagtenvertreter Wittwer hingegen erklärt sich Jobabsagen damit, dass die Klägerin als Handelsschulabsolventin ohne akademische und technische Ausbildung nicht qualifiziert genug gewesen sei. Als Abteilungsleiterin habe sie nur einen Mitarbeiter gehabt.

Dienstzeugnisse unwichtig

Die Personalchefin des beklagten Unternehmens sagte am Freitag, im bemängelten Dienstzeugnis sei nicht angeführt, dass die Klägerin 2021 stellvertretende Direktorin an einem US-Vertriebsstandort gewesen sei, weil sie diese Funktion nie ausgeübt habe. Dienstzeugnisse bei Bewerbungen seien unwichtig, merkte die Zeugin an.