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Flugchaos gefährdet Urlaub am Meer nicht

30.07.2022 • 18:41 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Solche Flüge der People´s Airline heben laut CEO Thomas Krutzler derzeit uneingeschränkt ab. <span class="copyright">Tino Dietsche</span>
Solche Flüge der People´s Airline heben laut CEO Thomas Krutzler derzeit uneingeschränkt ab. Tino Dietsche

Dem Urlaub auf Mallorca steht nichts im Wege. Das versichern die Betreiber von Flughäfen im Umkreis von Vorarlberg. Diese sollen vom Flugchaos nicht betroffen sein.

Vermehrt wird über Flugausfälle und verlorene Koffer berichtet. Der Begriff Flugchaos war ein treuer Begleiter in den letzten Wochen. Erst kürzlich waren Vorarlberger Reisende von den Lufthansa-Streiks betroffen. Dieses Bild, das gezeichnet wurde, trifft jedoch nicht auf die allgemeine derzeitige Lage im Bodenseeraum zu. Der Badeurlaub ist nicht in Gefahr. Die Reisenden, die ans Meer fliegen, müssten keine Angst haben, dass ihr Flug annulliert wird oder der Koffer nicht ankomme. Dies sagt der Leiter von Nachbaur Reisen, Rainer Nägele. Badeflüge seien fast nicht betroffen von Flugausfällen. Auch der Geschäftsführer vom Flughafen Innsbruck, Marco Pernetta, sagt dazu: „Normale Charterflüge nach Mallorca oder Griechenland finden unbeeinträchtigt statt.“ Thomas Krutzler, Geschäftsführer der Fluglinie People’s Air Group, bestreitet ebenfalls gestrandete Passagiere aufgrund von Flugausfällen: „Es wurden bislang keine Flüge aus operativen Gründen gestrichen. Geplante Flüge werden ausschließlich aufgrund mangelnder Nachfrage gestrichen.“

Rainer Nägele, Leiter von Nachbaur Reisen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Rainer Nägele, Leiter von Nachbaur Reisen. Hartinger

Leere Flüge

Nach zwei Jahren Pandemie wollen die Leute wieder vermehrt reisen. Diese rasante Entwicklung fordert manche Fluggesellschaften immer noch. „Das Tempo der Buchungen hat mit dem mancher Leistungsträger nicht übereingestimmt“, sagt Nägele. Die schnelle Entwicklung von Null auf Hundert habe die meisten überrascht.

Während die Betreiber mancher kleinerer Flughäfen im Umkreis von Vorarlberg ein konsistentes Bild des uneingeschränkten Betriebs schildern, scheint die Abwicklung des Flugverkehrs an großen Drehkreuzflughäfen wie London, Frankfurt und Amsterdam derzeit noch nicht reibungslos zu funktionieren. Deswegen sollten Umstiege an diesen Flughäfen vermieden werden.

Thomas Krutzler, Geschäftsführer der Fluglinie People‘s Air Group.  <span class="copyright">Tino Dietsche</span>
Thomas Krutzler, Geschäftsführer der Fluglinie People‘s Air Group. Tino Dietsche

Diese Situation hatte jedoch auch in den letzten drei Wochen indirekte Auswirkungen auf andere Flughäfen. Zum Beispiel, wenn Zubringerflüge von Frankfurt in Innsbruck landeten. „Es kommen Flüge ohne Passagiere in Innsbruck an“, so Pernetta. Grund hierfür sei das fehlende Bodenpersonal in Frankfurt, wodurch beispielsweise das Gepäck nicht verladen werden könne. Deswegen müssten die Fluggäste auf den Zug ausweichen und könnten erst in Innsbruck den Anschlussflug antreten, sagt Pernetta. Das bedeutet für die Betroffenen konkret, dass sie eine sechseinhalbstündige Zugfahrt anstatt eines einstündigen Fluges auf sich nehmen müssen. Zu konkreten Leerflügen konnte der Flughafen Frankfurt keine Auskünfte geben, jedoch zu der Situation am Flughafen selbst: „An einigen Stellen steht uns noch nicht wieder im ausreichenden Maß Personal zur Verfügung. Dies kann zu Spitzenzeiten zu Wartezeiten in den Terminals und bei den Gepäcksausgaben kommen.“
Trotz der Neuanstellung von über tausend neuen Mitarbeiter suche die Tochterfirma FraGround noch mehrere hundert Beschäftigte für die Gepäck- und Bodenabfertigung.

Lange Vorlaufzeit

Mit dieser Problematik ist der Fluhafen Frankfurt nicht alleine. Während manche Flughäfen mit Personalmangel zu kämpfen haben, konnten andere dieses besser halten. Mitarbeiter wurden nicht nur entlassen, sondern ließen sich wie in anderen Branchen aufgrund der Kurzarbeit umschulen. Obwohl die ganze Flugbranche von Reisebeschränkungen und Lockdowns betroffen war, haben sie derzeit personaltechnisch unterschiedliche Voraussetzungen. Regionale Flughäfen mit weniger Angestellten sind da im Vorteil. Für den Bodensee-Airport Friedrichshafen etwa sei es einfacher gewesen, das Stammpersonal zu halten, da die Mitarbeiter aus der Region stammen und mehr mit der Gegend verwurzelt seien, erklärt Pressesprecher Bernd Behrend.

Marco Pernetta, Geschäftsführer vom Flughafen Innsbruck.<span class="copyright"> GERHARD BERGER</span>
Marco Pernetta, Geschäftsführer vom Flughafen Innsbruck. GERHARD BERGER

Auch seitens des Geschäftsführers des Flughafens Innsbruck heißt es: „Wir haben in der Pandemie niemanden entlassen und versucht, das Personal zu halten.“ Dort sind sogar derzeit zehn Mitarbeiter mehr beschäftigt als vor Einsetzen der Pandemie. 170 Mitarbeiter seien jedoch eine andere Dimension als tausende Angestellte bei großen Anbietern. Diese hätten die Pandemie als Chance gesehen, sich von kostenintensivem Personal zu trennen. Abseits vom Stammpersonal betrifft die Suche nach Aushilfen die meisten. „Dabei fischen wir im selben Personalpool wie Hotels und Gastronomie“, sagt Behrend. Ein erschwerender Faktor sei, dass keine kurzfristigen Anstellungen möglich seien. Neues Personal am Flughafen muss geschult werden und einer Sicherheitsüberprüfung der Behörden unterzogen werden. Dies benötigt sechs bis acht Wochen. „Wenn ich heute jemanden einstelle, dann kann er frühestens im September ein Flugzeug beladen“, erklärt Pernetta. Manche umgehen dieses Problem, indem sie administratives Personal kurzfristig im operativen Bereich einsetzen, da sie schon den Sicherheitscheck vorweisen können. Andere fliegen Personal aus der Slowakei oder Türkei ein. In der Türkei würde sich die Situation in der Ukraine durch fehlende russische Gäste bemerkbar machen, so Pernetta. Trotz Unsicherheiten durch die Pandemie hofft die Flugbranche, dass das Personal auch in Zukunft gebraucht wird.

Ansprechpartner

An wen kann ich mich wenden?

Betroffene von Flugausfällen und verlorenen Gepäcksstücken können auf der App https://app.forbrukerradet.no/flyrett/de/ die Fluggastrechte überprüfen oder sich beim Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Vorarlberg informieren. Die Firma Flightright unterstützt Reisende beim Rücksichern des Geldes im Falle einer Flugannullierung.

Wenn der Koffer fehlt oder der Flug ausfällt

Um dies zu verhindern und damit sich kein Horrorszenario herauskristallisiert, sollten Reisende ihre Rechte kennen.

Wenn auf der Anzeige „cancelled“ aufblinkt, heißt es, die richtigen Schritte zu setzen. Zuerst sollte der Reisende sich beim Personal am Schalter der gebuchten Airline am Boden melden, um eine Ersatzbeförderung zu suchen. Dabei soll auch nach Essensgutscheinen gefragt werden. Wenn die schnellstmögliche Umbuchung gewählt wird, stehen dem Reisenden abhängig von der Wartezeit Getränke und Snacks zu. Bei fehlendem Gepäck muss sofort die Airline am Gepäckschalter informiert werden. Ist das Gepäck nur verspätet, steht dem Reisenden ein Ersatz der Kosten von notwendigen Dingen zu. Dies gilt nur am Hinflug, da davon ausgegangen wird, dass zu Hause das Wichtigste vorhanden ist. Bei verlorenem Koffer kann Schadenersatz von maximal 1300 Euro gefordert werden. Er gilt ab 21 Tagen als verloren.

Wichtige Gegenstände sollen Reisende im Handgepäck transportieren. <span class="copyright">Studio/Shutterstock</span>
Wichtige Gegenstände sollen Reisende im Handgepäck transportieren. Studio/Shutterstock

Wenn keine Ersatzbeförderung, also keine Umbuchung in Anspruch genommen wird, hat der Reisende bei kurzfristigem Flugausfall Recht auf Entschädigung von bis zu 600 Euro, außer der Ausfall wurde durch höhere Gewalt, wie Unwetter, ausgelöst. Problematisch ist eine unabhängige Hotelbuchung vom Flug, wenn diese durch den Flugausfall nicht wahrgenommen werden kann. Bei einer Pauschalreise sei der Vorteil, dass Kunden Anrecht auf eine Rückerstattung des ganzen Preises der Reise haben, so Rainer Nägele von Nachbaur Reisen. Im Falle einer Pauschalreise sollte der Reiseveranstalter kontaktiert werden. Das Reisebüro ist nur Vermittler. Der Vorteil ist im Gegensatz zu einer Individualreise, dass es nur einen Ansprechpartner gibt.
Vor Flugantritt sollte der Reisende regelmäßig den Flugstatus online checken. Manche Airlines bieten ein Update per SMS an. Zwecklos sei es, eine Woche zuvor schon den Flughafen zu kontaktieren, so Bernd Behrend vom Flughafen Friedrichshafen. Ihnen lägen die Daten der Reisebürobuchungen erst am Vortag vor.

Wie wird das Risiko gesenkt?

Damit die Gefahr eines Flugausfalls im Vorhinein minimiert wird, empfiehlt Nägele, kleinere Flughäfen den großen Drehkreuzflughäfen vorzuziehen. Außerdem sind Langstreckenflüge oder Badeflüge weniger von Streichungen betroffen als innereuropäische Städteflüge. Wochentage sind Hauptreisetagen vorzuziehen. Dafür soll eine Fluggesellschaft gewählt werden, die mehrere identische Zielflüge am Tag anbietet. So ist die Chance größer, dass auf einen anderen Flug ausgewichen werden könne. Wichtige Gegenstände gehören ins Handgepäck, auch wenn diese im Flugzeug nicht gebraucht werden. Darunter fallen beim Hinflug wichtige Medikamente, Zahnbürste und ein T-Shirt und beim Rückflug der Autoschlüssel, damit das eigene Auto nicht am ­Flughafenparkplatz bleiben muss.

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