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Feuerbrand: Situation hat sich entspannt

02.08.2022 • 19:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Wenn nichts dazwischenkommt, dürfte die Apfelernte gut ausfallen. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Wenn nichts dazwischenkommt, dürfte die Apfelernte gut ausfallen. Stiplovsek

Heuer durch kühles Frühlingswetter kaum neue Infektionen. Aber auch Maßnahmen, die vor längerem ergriffen wurden, tragen Früchte. Ernte dürfte gut ausfallen.

Knackig rote Äpfel, süße saftige Birnen. Was so manches Obstliebhaber-Herz höherschlagen lässt, kann während des Wachstums beim Obstbauern so manches Zittern auslösen: Zerstört Frost die Blüten? Bleiben die Bäume in der Blütezeit vom Feuerbrand verschont? Wird der Sommer trocken und heiß, hagelt es? Ulrich Höfert, Obstbau-Referent in der Landwirtschaftskammer, kann beruhigen: Bisher herrschten – mit einigen wenigen Ausnahmen – gute Bedingungen, es wird eine reichliche Ernte erwartet.

Ulrich Höfert, Obstbau-Referent. <span class="copyright">Mathis Fotografie</span>
Ulrich Höfert, Obstbau-Referent. Mathis Fotografie

Viele Jahre war der Feuerbrand – eine infektiöse Erkrankung von Apfel-, Birnen- und Quittenbäumen – ein großes Problem für die heimischen Obstbauern. „Heuer hatten wir wenig Neubefall“, kann Höfert Positives berichten. „Während der Birnenblüte gab es kaum Infektionen, und die Äpfel sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Ähnlich sei die Situation bei den Quitten. Hauptgrund für diese erfreuliche Situation: Eine Erstinfektion eines gesunden Baumes passiert während der Blüte, indem Insekten das Bakterium mitbringen. Damit es sich dann vermehren und seine schädliche Wirkung entfalten kann, benötigt es Temperaturen von 23 Grad aufwärts. Heuer war es in der Blütezeit kühler. In den meisten Regionen jedenfalls. Dort, wo es nicht so war, sei vereinzelt Feuerbrand aufgetreten; zwei Apfelanlagen etwa seien recht stark betroffen gewesen, so Höfert.

Feuerbrand erkennen

Die Krankheit ist schon an den Blüten erkennbar; sie sehen vertrocknet aus. Ebenso die Blätter. Sie bleiben im Herbst, wenn die gesunden Blätter schon zu Boden gefallen sind, am Baum hängen. Es kommt auch vor, dass nur ein Teil des Baumes krank ist und der andere Teil weiterlebt. Wer es genau wissen will, kann seinen Baum durch einen Labortest (PCR-Test) untersuchen lassen.

Bäume notfalls fällen

Die Obstbauern können sich nicht gegen Feuerbrand versichern, genauso wenig gegen andere Krankheiten und Schädlinge. „Es ist wichtig, dass der Feuerbrand nicht auftritt“, verdeutlicht der Obstbau-Experte.
Deshalb appelliert er an die Bevölkerung: „Es kann sein, dass jemand, der in der Nähe einer Obstanlage wohnt, einen befallenen Baum im Garten stehen hat. Vielleicht lebt er schon lange mit Feuerbrand, und die Besitzer hängen an ihm. Er ist aber eine Gefahr für die Bäume der ganzen Umgebung. Deshalb sollte man ihn notfalls fällen.“ Feuerbrand ist sowieso meldepflichtig. Nicht jeder mache aber die Meldung, so Höfert, und vielleicht erkenne der eine oder andere die Krankheit auch nicht.

Die Kirschernte war vielerorts gut, im Bild Werner Alge aus Lustenau. hartinger
Die Kirschernte war vielerorts gut, im Bild Werner Alge aus Lustenau. hartinger

Schutz schwierig

Abgesehen davon, dass stark befallene Bäume gefällt werden, gibt es nicht viele Möglichkeiten, Obstbäume zu schützen. „Wir haben in Vorarlberg viele Hochstämme, die bis zu 25 Meter hoch sind. Netze oder Pflanzenschutzmittel können hier nicht verwendet werden. Auch beim Intensivobst gibt es kein verlässliches Mittel“, berichtet Höfert.

Das Wichtigste sei deshalb: Den Feuerbrand ausschneiden und im schlimmsten Fall roden, damit die Infektionsfälle weniger werden. Diese Strategie verfolge man hierzulande seit mehreren Jahren. Zudem habe man robuste Sorten nachgepflanzt, die weniger empfindlich gegen Feuerbrand sind. Seit 15 Jahren gilt außerdem ein Auspflanzverbot für zwei Hauptwirtspflanzen des Feuerbrandes: Weißdorn und Zwergmispel. Die Krankheit kann nämlich auch Wild- und Ziergehölze befallen (mehr Infos in der Factbox unten). „Mittlerweile gibt es immer weniger von diesen Pflanzen“, sagt Höfert. „Doch nun, da die Situation besser ist, mehren sich die Stimmen, das Verbot aufzuheben. Dafür ist es jedoch noch zu früh.“ Durch all diese Maßnahmen hat sich die Gesamtsituation entspannt, erklärt Höfert.

Feuerbrand bei einem Birnenbaum.  <span class="copyright">LK Vbg</span>
Feuerbrand bei einem Birnenbaum. LK Vbg

Wenn dann noch – so wie heuer – ein Frühlings- und Sommerwetter hinzukommt, das für Obstbäume nahezu ideal ist, können Obstliebhaber auf eine reiche Ernte hoffen. „Bisher war es im Großen und Ganzen ein gutes Jahr“, sagt Höfert. Die Bäume hätten aus dem Winter viele Blüten mitgebracht und diese seien durch Frost kaum zerstört worden. Die Bestäubung sei gut gewesen und das bisherige Sommerwetter ebenfalls.

Ideales Wachswetter

„Es war lange Zeit nicht zu kalt, nicht zu warm, nicht zu trocken und nicht zu nass“, schildert Höfert. „Das ist ideales Wachswetter.“ Da und dort seien Früchte jedoch durch Hagel zerstört worden und manche Äpfel hätten Sonnenbrandschäden. Die Kirschernte war an einigen Orten zudem getrübt durch die Kirschessigfliege. Dennoch: „In manchen Anlagen wachsen die Früchte heuer wie schon lange nicht mehr. Hoffen wir, dass es so bleibt.“

Feuerbrand

Feuerbrand ist eine hochinfektiöse, schwer zu bekämpfende Erkrankung verschiedener Obst- und Ziergehölze. Erreger ist das stäbchenförmige Bakterium „Erwinia amylovora“. Feuerbrand befällt einerseits Ziergehölze wie Weiß- und Rotdorn, verschiedene Zwergmispelarten, Feuerdorn, Eberesche und Mehlbeere, die Zierquitte, Felsenbirne und Glanzmispel, Apfelbeere, Mispel und Zierapfel. Bei den Obstbäumen sind Apfel, Birne und Quitte betroffen. Stein-, Beeren- und Schalenobst wird nicht befallen. Feuerbrand ist meldepflichtig, bei Verdacht ist dem Feuerbrandbeauftragten der Gemeinde Meldung zu machen. Mehr Infos und Merkblätter sowie eine Liste der Feuerbrand-Beauftragten unter www.vbg.lko.at. Quelle: Landwirtschaftskammer Vorarlberg.