Wirtschaft

Ölpreise wieder auf Vorkriegsniveau

08.08.2022 • 17:54 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Spritpreistafel, fotografiert am 8. August
Spritpreistafel, fotografiert am 8. August Zottler

Preis für Benzin und Diesel im Land liegt noch immer über 1,80 Euro.

Über Nacht wurde aus einem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ein Krieg. Neben all dem menschlichen Leid, das unmittelbar zum Tragen kam, setzten auch die großen Rohstoffbörsen an diesem so düsteren 24. Februar rasche Reaktionen. Der Preis der für Europa wichtigsten Rohölsorte Brent kraxelte noch am selben Tag über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) und damit so hoch wie seit 2014 nicht mehr. Wenig verwunderlich, zählt Russland doch gemeinsam mit den USA und Saudi-Arabien zu den “großen Drei” im Ölfördergeschäft.

Auch in den folgenden Kriegs-Wochen und -Monaten kannte die Ölpreisentwicklung nur eine Richtung: steil nach oben. Im Juni kostete ein Barrel zwischenzeitlich mehr als 125 US-Dollar. Eine Entwicklung, die auch an heimischen Zapfsäulen ablesbar war und ist. Lagen die Spritpreise Mitte Februar noch bei 1,50 Euro, kletterten die Mittelwerte Anfang Juli bei Diesel und Super auf über zwei Euro. Vereinzelt gab es sogar Tankstellen, die mehr als drei Euro für einen Liter verlangten. Wohl eher aus Angst vor einem Ausverkauf der Ware – aber das ist eine andere Geschichte.

Sprit seit Anfang Juli um 25 Cent günstiger

Nun kann man an den Öl-Märkten aber jedenfalls eine Trendumkehr beobachten. Seit Anfang Juli sinken einhergehend mit höheren Fördermengen die Preise, schon Mitte des Monats kostete ein Barrel Brent-Öl immer wieder einmal weniger als 100 US-Dollar. Aktuell liegt der Preis bei knapp 94 US-Dollar – und damit sogar wieder etwas unter dem Vorkriegsniveau.

An den Tankstellen ist der Effekt allerdings nur zum Teil abgebildet. Zu Wochenbeginn liegen die Preise für Benzin- und Diesel im Schnitt noch immer fast überall über der Marke von 1,80 Euro. Warum dem so ist? “Ich sehe jedenfalls Potenzial nach unten”, sagt ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexperte Martin Grasslober. Schon in der Vergangenheit hätte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) festgestellt, dass die Spritpreise grundsätzlich “schneller hinauf und langsamer nach unten gehen”.

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Zugleich relativiert Grasslober das aktuelle Auseinanderklaffen etwas. So liege der Rohölpreis in Euro ob der Schwächephase der europäischen Währung noch immer etwas über dem Niveau von Ende Februar. Und immerhin sei der Spritpreis seit Anfang Juli dann doch um knapp 25 Cent je Liter gesunken. Die Richtung stimme also.

Weiteres Absinken steht bevor

Auch Jürgen Roth, Bundesobmann des Fachverbands Energiehandel, verweist auf die zuletzt wieder deutlich gesunkenen Spritpreise, “noch vor Kurzem lagen die Preise deutlich über zwei Euro je Liter, jetzt nähert sich der Wert der Marke von 1,8 Euro je Liter an, Tendenz weiter sinkend, das zeigen die Notierungen an”. Man müsse daher kein Prophet sein, so Roth, um eine weitere Preissenkung in der nächsten Woche zu prognostizieren, “die sinkenden Ölpreise wirken sich zeitversetzt auch an den Tankstellen aus”. Roth führt ebenfalls den stark gefallenen Eurokurs – im Vergleich zum Dollar – ins Treffen. Öl wird in Dollar gehandelt. Noch im Februar lag der Eurokurs bei knapp 1,1 Dollar, zwischenzeitlich wurde ein Kurs von 1:1 erreicht, “wir sprechen hier von einem Minus von 17 Prozent”.

Neben diesem Effekt wirke sich auch die Produktionsunterbrechung in der OMV-Raffinerie in Schwechat aus, die für eine gewisse Mengenknappheit in Österreich sorge. Roth geht davon aus, dass dieser Faktor für höhere Treibstoffkosten von rund fünf Cent in Österreich sorge. Insgesamt stelle man in der Branche derzeit aber eine unterdurchschnittliche Treibstoffnachfrage in Österreich fest.

Ganz im Gegensatz zu Heizöl. “Wir sehen, für die Jahreszeit eher unüblich, einen wirklichen Run auf Heizöl, die Nachfrage ist sehr hoch.” Das sorge gegenwärtig für Wartezeiten von vier bis sechs Wochen. Roth ortet zwar “einen gewissen Stress im Markt, die Nachfrage kann aber bedient werden, auch wenn es derzeit zu etwas längeren Wartezeiten kommt”. Grund für die gestiegenen Bestellungen sei auch, “dass viele kleinere und mittlere Betriebe, wieder auf Öl umstellen, wenn das möglich ist, ganz einfach, weil es im Vergleich zu Gas günstiger und auch einfacher zu haben ist”.

Behörde ortet deutlich gestiegene Margen

Übrigens: Die Entwicklung von Öl- und Spritpreisen rief in Österreich heuer auch schon die BWB auf den Plan. Zentrale Erkenntnis der Wettbewerbshüter vor knapp einem Monat war, dass zwar kein Marktmissbrauch, keine Kartellbildung oder keine Wettbewerbsbehinderungen aufgetreten seien, sehr wohl aber eine Entkoppelung der Preise stattgefunden habe. Wortwörtlich hieß es in dem Bericht der BWB, dass “der aus dem Anstieg der Rohölpreise nicht erklärbare stärkere Anstieg der Preise an den Tankstellen von Diesel und Benzin” zu einer “Verdreifachung der Bruttoraffinierungsmargen” großer Mineralölkonzerne führte.

Bei den Tankstellen selbst fand die BWB nur im März Hinweise auf substanziell erhöhte Bruttomargen. Bis Juli lagen die Margen dann aber nur noch leicht über Vorkriegsniveau. Hier kamen also gestiegene Kosten voll zum Tragen.

Wie Sie Sprit sparen können

* Reifendruck kontrollieren – zu geringer Druck lässt den Reifen schneller verschleißen und sorgt für höheren Spritverbrauch.

* Vorausschauend und möglichst konstant fahren – damit ist man nicht nur spritsparend, sondern auch sicherer unterwegs.

* Im höchstmöglichen Gang fahren und überflüssige Schaltvorgänge vermeiden.

* Keine unnötigen Lasten oder Dachaufbauten mitführen.

* Beschleunigen nur, solange es erforderlich ist.

* Motorbremswirkung nutzen.