Österreich

Polaschek: “Müssen einen Weg zurück aus Corona finden”

09.08.2022 • 15:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bildungsminister Martin Polaschek: Keine Corona-Sonderregeln für die Schulen
Bildungsminister Martin Polaschek: Keine Corona-Sonderregeln für die Schulen Juergen Fuchs

Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) sieht kein Problem darin, ab Herbst symptomfreie Lehrer arbeiten zu lassen.

Am Montag in Graz und Klagenfurt, am Dienstag in Linz, am Mittwoch zum Begräbnis von Uni-Professor Wolfgang Mantl wieder in Graz. Bevor kommende Woche der Urlaub ansteht, arbeitet Martin Polaschek seinen vollen Terminkalender ab. Auch danach kann der Bildungsminister kaum verschnaufen, denn ein neuer Coronaherbst naht heran. Diesmal mit ein paar Neuerungen.

So sind heuer keine Ausnahmen für Schulen geplant. Die Einrichtungen offen zu halten ist oberstes Gebot, für Lehrer gilt wie für alle: Wer symptomfrei positiv ist, kann nach Absprache mit dem Arbeitgeber arbeiten gehen. „Die Jahre davor gab es zwei Regelkreise, jetzt sind die Schulen Teil des Gesamtsystems“, sagt Polaschek. Man müsse infizierten Lehrkräften zutrauen, dass sie nur dann und mit Maske unterrichten, wenn sie sich gesund fühlen. Die Sorge von Eltern sei zwar verständlich, aber: „Wir sollten irgendwann einen Weg zurückfinden.“ Eine Sonderregel für Lehrer würde nur andere Berufsgruppen verärgern. Die Schulen sind mit Antigentests für allfällige Testungen ausgestattet. Auch die Ausschreibungen für PCR-Tests sind erfolgt.

Wissenschaftsbotschafter einsetzen

Corona ist eben noch nicht vorbei. Auch wenn manche das Virus seit Beginn leugnen. Weil in Österreich eine starke Wissenschaftsskepsis vorherrscht, will Polaschek ab Herbst in den Schulen „Wissenschaftsbotschafter“ einsetzen. Diese Personen aus der Wissenschaft oder anderen Bereichen, etwa den Medien, sollen Wissenschaft angreifbar und verständlich machen. Der Bildungsminister findet klare Worte: „Wir müssen gegen diese Skepsis gegenüber der Wissenschaft vorgehen!“ Die Vermittlung digitaler Kompetenzen nennt er im selben Atemzug. Dazu startet jetzt das verpflichtende Fach „Digitale Grundbildung“ in den ersten drei Klassen Unterstufe. Ein eigenes Lehramtsstudium dafür ist erst für 2023/24 geplant, ein Hochschullehrgang für schon im Dienst stehende Lehrer startet im Herbst. Für Polaschek kommt das nicht zu spät, geeignete Fortbildungsangebote gäbe es seit Jahren. Allerdings auf freiwilliger Basis. Von einer Verpflichtung hält er nichts. Es gebe genügend Lehrkräfte für das Fach. Und mit Anfang des Schuljahres sollen auch die letzten Schüler mit digitalen Endgeräten ausgestattet sein. Im vergangenen Jahr kam es zu Verzögerungen und technischen Mängeln.

„Man betreibt eigentlich ständig Krisenmanagement“, sagt Polaschek. Denn das Jahr hatte es in sich: Nach Corona folgte zunächst der Ukrainekrieg. Rund 11.000 ukrainische Kinder befinden sich derzeit im österreichischen Schulsystem. Laut einer Schätzung des Ministeriums könnte die Zahl auf 50.000 steigen. Auf diese Möglichkeit bereitet man sich vor.

Teuerungen

Danach kamen die Teuerungen. „Wir haben den Aufschrei kürzlich wegen der zu teuren Heizkosten in Schulen nicht verstanden, bei uns hat sich keine Schule deswegen gemeldet.“

Für die Personalkostenerhöhungen im Schulbereich ist Polaschek nicht zuständig, das muss Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) bewerkstelligen. Im Uni-Bereich ist das wegen der Uni-Autonomie anders, die Unis haben einen Mehrbedarf von rund 500 Millionen Euro gemeldet. „Derzeit machen wir eine Plausibilitätsprüfung. Wir sind in Verhandlungen mit den Unis und dem Finanzministerium.“

Kurz angesprochen auf die Stimmungslage in der Koalition und die Ablöse-Debatte um Kanzler Karl Nehammer: „Die Stimmung ist super.“