Kultur

Musik zum Wegdriften im Kunsthaus

10.08.2022 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Musiker und Musikerin des SOV beim Konzert im KUB. <span class="copyright">anja koehler</span>
Die Musiker und Musikerin des SOV beim Konzert im KUB. anja koehler

Das „Konzert im KUB“ der Bregenzer Festspiel am Dienstag­abend wurde von Éna Brennan kuratiert, die an einem Musiktheaterstück für die Saison 2024 arbeitet.

Die belgisch-irische Musikerin Éna Brennan schreibt ein Musiktheaterstück für die Bregenzer Festspiele 2024, das vom früheren Intendanten David Pountney inszeniert werden wird. In einem ersten „Einblick“ im Februar diesen Jahres zusammen mit dem bildenden Künstler Hugo Canoilas waren eigentlich alle Fragen offen geblieben.

Wer nun gedacht hatte, das „Konzert im KUB“ am Dienstagabend in Bregenz würde darauf hinführen oder etwas Erhellendes beisteuern, wurde in den Erwartungen getäuscht: Éna Brennan hatte für ein Streichquartett und einen Schlagzeuger aus den Reihen des Symphonieorchesters Vorarlberg ein Programm zusammengestellt, das sich überwiegend aus der Minimal Music mit ihren raschen Tonwiederholungen und sachten Verschiebungen oder aus der sogenannten Neoklassik mit ihren sanft meditativen Klängen oder der Einbindung von Elektronik und Loops speist.

Komponistin Éna Brennan. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Komponistin Éna Brennan. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Teppich und Matten

Das scheint die musikalische Richtung zu sein, mit der sich die Geigerin, Komponistin, Musikerin und Grafikdesignerin am liebsten auseinandersetzt und mit der sie ihr Publikum auf eine „außergewöhnliche Reise zu den eigenen Sinnen“ – so der Programmzettel – einladen will: Im ersten Stock des Kunsthauses ist heller Teppichboden ausgelegt, man kann sich auf schwarzen Matten lagern und mit den Klängen wegdriften oder auf schwarzen Klappstühlen sitzend den musikalischen Darbietungen lauschen. Im Halbdunkel kann man allerdings den Programmzettel kaum mehr lesen, sodass die Stücke mit wenigen Ausnahmen mehr oder weniger ineinander übergehen.

Michal Majersky und Anita Martinek (Violine), Guy Speyers (Viola) und Detlef Mielke (Violoncello) haben sich freilich intensiv in die Stücke hineingekniet, entwickeln Klangkultur in den einander umschlingenden Linien und lassen sich hineinfallen in die treibenden Rhythmen und manchmal zerbrechlich wirkenden Klänge. In einem Stück (Bryce Dessner) werden Stimmen vom Band dazu gemischt, es entsteht ein großer Klangraum mit Akzenten durch die Streichinstrumente. Inmitten der oft fließenden Klänge ist der Pizzicato-Satz aus dem vierten Streichquartett von Béla Bartók geradezu klar strukturiert, die pulsierende Energie des Rhyhmus wirkt wie eine Vorstufe für die spätere Musik.

Ausdrucksstark

Zwei Stücke des Singer-Songwriters Sufjan Stevens, für Streicher bearbeitet, greifen den Drive von Bartók auf, das letzte der drei Stücke für Streichquartett von Strawinsky wirkt mit seinen sprechenden Motiven sehr ausdrucksstark. Mit Éna Brennans eigenem Stück mischt sich das Vibraphon von Hermann März mit den Streichern zu einem dicht gewebten Stück, durch die Tonspur dazu wirkt es zunehmend bedrohlich. Bei Linda Buckley schließlich wird der Schlagzeuger durch den Einsatz von Streichbögen, Gongs und Loops gleichsam zu einem mit sich selbst spielenden Ein-Mann-Orchester.
Gut möglich, dass manche bei ihren musikalischen Traumreisen im Kunsthaus einen Oktopus gesehen haben – von dem war nämlich im Februar die Rede. Vielleicht aber war das auch eine falsche Fährte und die Reise ins Musiktheater auf der Werkstattbühne 2024 führt ganz woanders hin …

Von Katharina von Glasenapp