Flora

Eine kurze Geschichte des Apfels

13.08.2022 • 13:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Aus unseren Gärten ist der Apfel nicht wegzudenken. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Aus unseren Gärten ist der Apfel nicht wegzudenken. Stiplovsek 

Woher kommt der Apfel und wieso wurde er, was er heute ist? Eine kurze Kulturgeschichte, von Großsäugern über die Römer bis hin zur Frage, ob die Blausäure im Kern tödlich sein kann.

Was Apfel heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften – möchte man in Abwandlung des Shakespeare-Spruchs meinen, denn einerseits riechen Äpfel aufgeschnitten bekanntlich hervorragend und andererseits sind sie tatsächlich mit der Rose verwandt, auf die sich die Verszeile ursprünglich bezieht.

Ein alter Begleiter

Betrachtet man die Blüte der Wildrose und die Form der noch unreifen kleinen Äpfelchen, braucht es nicht viel Fantasie, um die Verwandtschaft zu erkennen, auch wenn die Größe eines Apfelbaumes die der Rosenhecke dann doch meist deutlich übertrifft. Dass Äpfel sehr alte Kulturpflanzen sind, verbürgt bereits ihr Name. Viele europäische Sprachen leiten ihre Bezeichnung für die süße Frucht von einer gemeinsamen indo-europäischen Sprachwurzel ab. Und so heißt der Apfel im Litauischen, das besonders nahe an der gemeinsamen europäischen Sprachwurzel liegt, auch „obuolys“.

Die jungen Früchte verraten die Verwandtschaft zur Rose.<span class="copyright"> NEUE/Höfert </span>
Die jungen Früchte verraten die Verwandtschaft zur Rose. NEUE/Höfert 

Die süßesten Früchte

Im Altertum waren die Äpfel freilich noch kleiner und die Kerngehäuse größer. Unsere modernen Züchtungen wären den Menschen, die bereits vor Jahrtausenden Holzäpfel ernteten, geradezu gigantisch vorgekommen. Aber schon bevor der erste Mensch Hand an einen Apfelbaum legte, dürfte sich die Gattung gewissermaßen selbst hochgezüchtet haben, wie Forscher des Max-Planck-Gesellschaft vermuten. Demnach hat das Rosengewächs bereits vor Millionen Jahren größere Früchte entwickelt, was ihm einen evolutionären Vorteil verschaffte, da die Äpfel so von den damals in Euroasien heimischen großen Säugetieren bevorzugt gefressen wurden, die wiederum den Apfelsamen mit ihrem Kot verbreiteten. Dass auch der Mensch bereits vor mehr als zehntausend Jahren Wildäpfel sammelte, ist durch Funde belegt.

Er sorgte auch dafür, dass die isolierten Apfelvorkommen wieder verbreitete. Die genetische Vielfalt der Gattung „Malus“ hatte unter dem Aussterben der Großsäuger nach der letzten Eiszeit gelitten. So wurde der moderne Apfel aus vermutlich mindestens vier Wildapfelsorten gezüchtet, deren Ursprung Großteils in Zentralasien vermutet wird.

Er verdrängte die Nutzung des in Europa schon länger heimischen Holzapfels, der nur gekocht oder gegart genießbar ist. Ursprünglich vermutete man, er sei Teil der Elternschaft des Kulturapfels, was neuere genetische Untersuchungen jedoch nicht mehr nahelegen. Sein Bestand ist allerdings gefährdet, da er sich selbständig mit Kulturäpfeln kreuzt.

Der heimische Kulturapfel ist ein duldsames Gewächs, dessen größter Feind in den vergangenen Jahrzehnten der Feurbrand wurde. Zur Bestäubung braucht der Apfelbaum einen Partner in der Nähe. Es muss sich dabei aber nicht um dieselbe Sorte handeln. Bei manchen Sorten muss sogar eine andere den Pollen liefern. Der Boden, in den man den Apfelbaum pflanzt, sollte nicht zu sauer sein. Auch zu viel Nässe mögen die Bäume nicht.

Geerntete Äpfel sollte man getrennt von anderem Obst lagern. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Geerntete Äpfel sollte man getrennt von anderem Obst lagern. Stiplovsek 

Äpfel in allen Größen

Vom Früh- bis zum Winterapfel sind heute die verschiedensten Züchtungen erhältlich. Beim Pflanzen sollte man auf die Größe des Gartens achten. Ein Hochstamm eignet sich für große Flächen, ein Halbstamm für kleinere. Spalier- und Säulenäpfel gedeihen auch auf kleinsten Flächen und sogar in Kübeln auf der Terrasse und am Balkon.

Wer die Früchte geerntet hat, sollte sie nicht neben anderem Obst lagern. Äpfel befördern durch das Hormon Ethen die Reife und damit auch die vorzeitige Fäulnis bei anderen Obstsorten. Der Geschmack der Apfelkerne erinnert an Marzipan, weil sie wie die Mandel Blausäure enthalten. Um für den Menschen gefährlich zu sein, müsste ein Erwachsener aber etwa 150 Apfelkerne essen.
Bereits Homer erwähnte den Apfel in seiner Odyssee. Die Römer züchteten mehrere Sorten, propften Apfeltriebe auf Quitten auf und legten Äpfel in Wein ein. Sie brachten ihre Züchtungen auch in die Provinz. So wurden auch in Carnuntum römische Apfelreste gefunden.

In der Bibel kommt der Apfel übrigens nur einmal vor, jedoch nicht im Bericht über die Vertreibung aus dem Paradies. Die verbotene Frucht wurde nur später häufig als Apfel interpretiert und dargestellt. Im Buch der Sprichwörter (Spr 25,11) heißt es jedoch: „Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen, ist ein Wort, gesprochen zur rechten Zeit.“