Lokal

Menschenhandel mit fünf Au-pair-Mädchen

13.08.2022 • 19:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Symbolbild/Hartinger

Fünf Afrikanerinnen wurden nach Ansicht des Erstrichters als billige Arbeitskräfte im Haushalt ausgebeutet: Geldstrafe und bedingte Haftstrafe für unbescholtene Angeklagte.

Unter Menschenhandel habe er sich vor Beginn des Strafprozesses um den Umgang mit Au-pair-Mädchen etwas anderes vorgestellt, sagte Richter Richard Gschwenter. Aber nach den sechs Verhandlungen am Landesgericht Feldkirch habe er festgestellt, dass die Tatbestandsmerkmale für das Verbrechen erfüllt seien. Denn nach Paragraf 104a des Strafgesetzbuches seien volljährige Personen mit dem zumindest bedingten Vorsatz, dass sie ausgebeutet werden, mit der Täuschung über Art und Ausmaß der Arbeit und deren Entlohnung beherbergt worden.

Die Angeklagte hat nach Ansicht des Richters zwischen September 2018 und November 2019 fünf volljährige Au-pair-Mädchen aus Afrika als Arbeitskräfte in ihrem Haushalt ausgebeutet. Denn die jungen Frauen aus Marokko, Togo und Madagaskar hätten nicht nur den kleinen Sohn der Angeklagten zu betreuen gehabt, sondern auch Haushaltsarbeiten in größerem Umfang verrichten müssen. Für ihre teilweise nicht vereinbarten Dienste seien sie unterbezahlt worden.

Nicht rechtskräftig

Das trug der Angeklagten einen Schuldspruch wegen der Verbrechen des Menschenhandels ein. Dafür wurde die unbescholtene 36-Jährige zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von acht Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 1200 Euro (300 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Zudem hat sie drei Geschädigten jeweils 200 Euro als Teilschadenersatz zukommen zu lassen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn die Angeklagte und die Staatsanwältin nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Der Strafrahmen belief sich auf sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht umgerechnet 13 Monaten Haft.

Weil die Angeklagte unbescholten sei, müsse sie nicht ins Gefängnis oder in den elektronisch überwachten Hausarrest, sagte der Strafrichter. Er merkte an, manche Arbeitgeber würden sich auf dünnem Eis bewegen, die Arbeitskräfte ausbeuten. Verteidiger Clemens Achammer beantragte einen Freispruch. Möglicherweise habe seine Mandantin teilweise zu geringe Entgelte bezahlt. Das sei aber nur ein Fall fürs Arbeitsgericht und nicht fürs Strafgericht.

Das Strafverfahren gegen den zuletzt nicht mehr vor Gericht erschienenen Zweitangeklagten wurde vorerst abgebrochen. Dem 28-jährigen Syrer wird Mittäterschaft vorgeworfen. Er soll übersetzt und Au-pair-Mädchen beaufsichtigt haben.