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Waldhonig fällt heuer mager aus

13.08.2022 • 18:22 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Gerhard Mohr ist seit rund 40 Jahren Imker.<span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Gerhard Mohr ist seit rund 40 Jahren Imker. Stiplovsek

Wie ist es den Imkern im heurigen Jahr ergangen? Der Obmann des Imkervereins Vorarlberg klärt auf, plaudert über seine Erfahrungen und erzählt von den Bienen.

Hinter dem Haus von Imker Gerhard Mohr aus Hittisau steht ein Holzhäuschen. Darinnen versteckt befinden sich viele Bienenstöcke in verschiedenen Farben wie rot, gelb oder orange. Es ist ein Sommertag, die Sonne scheint und es ist recht heiß. Vereinzelt hört man das Summen der Bienen.
Viele der kleinen Insekten sind im Freien allerdings nicht zu sehen, und dafür gibt es auch einen Grund, wie der Obmann des Imkervereins Vorarlberg erklärt: „Heuer hat es früher aufgehört zu blühen. Daher gibt es nicht mehr viel Nektar zu holen. Die Bienen können ihren Wintervorrat kaum mehr erweitern.“

Ein gutes Jahr

Das heurige Imkerjahr hätte im Frühling sehr vielversprechend gestartet, vor allem was den Blütenhonig betrifft. Hinsichtlich des Waldhonigs sehe es heuer jedoch recht mager aus. Zwar hätte die Waldtracht Mitte Juni begonnen, dann aber sehr früh wieder aufgehört. Als Waldtracht bezeichnet man das Angebot von Honigtau.

Gerhard Mohrs Bienenhäusschen in Hittisau. <span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Gerhard Mohrs Bienenhäusschen in Hittisau. Stiplovsek

Im Gegensatz zum Blütenhonig wird der Waldhonig nicht aus gesammeltem Blütennektar, sondern aus Honigtau hergestellt. Einer Ausscheidung von pflanzensaftsaugenden Läusen, die sich unter anderem vom Pflanzensaft der Tannen ernähren. Im Großen und Ganzen sei das heurige Jahr trotzdem ein durchschnittliches Honigjahr (April bis Juli) gewesen. Wäre der Sommer auch so gut verlaufen wie der Frühling, dann hätte man sogar von einem sehr guten Honigjahr sprechen können, so Mohr. Honig ernten würde man oft einmal, wenn’s gut läuft auch zweimal im Jahr. Meist Anfang Juni und auch Ende Juli. Da der Wald dieses Jahr allerdings nicht wirklich „gehonigt“ hat, wie man unter Imkern sagt, wurde vieler Orts schon Anfang Juli geerntet.
Ein Grund für den vergleichsweise schlechten Sommer und die nur kurz anhaltende Waldtracht könnte im Zusammenhang mit dem Klimawandel und den Wetterveränderungen stehen. Viele Pflanzen produzieren bei zu starker Hitze keinen Nektar mehr.

Vom Nektar zum Honig

Der flüssige Nektar oder Honigtau gelangt über den Rüssel der Bienen in ihren Honigmagen. Zurück im Bienenstock übergeben sie diesen dann an die Stockbienen, die ihn wieder weitergeben. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt. Durch die körpereigenen Enzyme der Biene wird der Nektartropfen dabei verdickt und der Wassergehalt verringert. Ist der Honig gereift, geben ihn die Bienen in die kleinen sechseckigen Wabenzellen und verschließen diese mit Wachs. Der Imker muss diese Wachsdeckel dann öffnen und den Honig mithilfe einer Honigschleuder aus den Waben befördern.

Da Mohr seit knapp 40 Jahren Imker ist, weiß er, worauf es ankommt und was es zu beachten gilt: „Bei der Honigernte darf nicht der gesamte Honig aus dem Stock genommen werden, denn auch die Bienen selbst benötigen ihn als Nahrungsquelle. Pro Jahr benötigt ein Volk etwa 60 Kilogramm Honig an Eigenbedarf. Davon in der Winterzeit etwa um die 20 Kilogramm.“ Haben sie zu wenig Honig im Stock und können nirgends mehr Nektar sammeln, so wird Zuckerwasser zugefüttert.

Bienen lagern den letzten Honig in die Zellen ein. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Bienen lagern den letzten Honig in die Zellen ein. Stiplovsek

Kein Waldhonig

Der langjährige Imker konnte heuer mit seinen 50 Völkern eine Jahresernte von 10 Kilogramm Blütenhonig pro Volk verzeichnen. „Waldhonig gab es hingegen leider keinen“, erklärt Mohr. Was sich nach einer großen Menge anhören mag, ist für den Hobbyimker selbst aber das Gegenteil. Denn 300 Kilogramm benötigt er allein, um die Kosten zu decken. Besser als im Jahr 2021 ist die Ernte aber allemal, denn diese ging damals in Richtung null. In einem guten Jahr hingegen könne er mit seinen Bienenvölkern, die auch an weiteren Standorten in Hittisau zu finden sind, bis zu 30 Kilogramm pro Volk gewinnen.

Ein schön entwickeltes Volk zählt bis zu 50.000 Bienen. Im ganzen Land gibt es in etwa 10.000 bis 11.000 solcher Bienenvölker und rund 1400 Imker. Den Ertrag an Honig für dieses Jahr schätzt der Hittisauer vorarlbergweit auf gut 100 Tonnen, das entspricht jedoch nur einem Viertel des Vorarlberger Bedarfs. Im vergangenen Jahr wurden sogar nur 30 Tonnen geerntet. Nur wenige Vorarlberger Bienenzüchter können von der Imkerei hauptberuflich leben. Für den Großteil ist es ein Hobby oder eben Nebenerwerb – so auch für Mohr: „In manchen Jahren kann ich es als Nebenerwerb bezeichnen und meiner Familie mit dem Geld einen schönen Urlaub bezahlen, ein anderes Jahr ist es einfach ein Hobby.“ Hauptberuflich ist er leidenschaftlicher Lehrer.

100

Tonnen Honig wurden laut Gerhard Mohr geschätzt vorarlbergweit geerntet.

Nachwuchs gesichert

Erfreulicherweise habe der Imker Nachwuchs besonders in den letzten Jahren, mit der aufkommenden Problematik des „Bienensterbens“, zugenommen. 80 bis 100 Personen würden jährlich den Imkerkurs belegen. Dadurch habe man das „Bienensterben“ in Vorarlberg noch gut unter Kontrolle. Bienen stellen nämlich nicht nur Honig her, sondern sind bekanntlich auch für die Bestäubung von Obst- und Gemüsepflanzen von großer Bedeutung. Bei der Nahrungsaufnahme von Nektar und Pollen tragen die Honigbienen die Pollen von Blüte zu Blüte und sorgen somit für die Fortpflanzung zahlreicher Pflanzen als auch die Vielfalt und beispielsweise im Obstbau für einen guten Ernteertrag. Die Bienen, die im Sommer die Bestäubung übernehmen, leben allerdings oft nur fünf bis sechs Wochen. Um die Größe des Volks aufrechtzuerhalten, muss die Königin daher laufend für Nachkommen sorgen.

Vermehrung

Jeder Stock hat genau eine Königin. Diese fliegt einige Tage nach ihrer Geburt zu einem Hochzeitsflug aus, wo sie von bis zu 20 Drohnen, sprich männlichen Bienen, in der Luft begattet wird. Ist ihre Samenblase dann gefüllt, reicht das für ihr ganzes Leben und sie kann bis zu 2000 neue Eier pro Tag legen. Ob dabei eine Drohne oder Arbeiterbiene entstehen soll, können die Bienen selbst steuern, denn dies ist von der Größe der Wabenzelle abhängig. In kleinere Zellen legt die Königin ein befruchtetes und in Größere ein unbefruchtetes Ei, wodurch später eine Drohne entsteht. Wird ein befruchtetes Ei in eine große Weiselzelle gelegt, schlüpft eine Königin, die von den Bienen ausschließlich mit einem speziellen Futtersaft, dem sogenannten Gelée Royal, ernährt wird und bis zu fünf Jahren lebt. Die weibliche Biene schlüpft nach 21, die männliche nach 24 und die Königin bereits nach 16 Tagen.

Gerhard Mohr konnte dieses Jahr ca. 500 Kilogramm Honig ernten. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Gerhard Mohr konnte dieses Jahr ca. 500 Kilogramm Honig ernten. Stiplovsek

Aktuelle Tätigkeiten

Während die Imker derzeit damit beschäftigt sind, die Bienenstöcke vor dem Winter auf den größten Feind der Biene, die Varroamilbe zu kontrollieren, treffen die Bienen selbst bereits seit Anfang August Vorbereitungen für die Winterzeit und die Königin legt wieder deutlich weniger Eier. Von den 50.000 Bienen eines Volkes werden nur um die 10.000 überleben. Sogenannte „Winterbienen“ schlüpfen aktuell und in den nächsten Wochen. Diese verlassen den Bienenstock kaum mehr und leben im Vergleich zur Sommerbiene bis zu acht Monaten. Als Arbeiterinnen sind sie den Winter über im Bienenstock nützlich. Je kälter es wird, umso enger rücken die Bienen zusammen und bilden eine sogenannte „Wintertraube“. Im Zentrum dieser befindet sich die Königin. Zu den Aufgaben der Winterbiene zählt es, die Temperatur im Bienenstock über 10 Grad Celsius zu halten. „Sie heizen den Bienenstock“, erwähnt der Imker lachend. Dazu hängen sie ihre Flügel aus und erzeugen mit ihrer Flugmuskulatur ein Muskelzittern und damit Wärme. Mit 30 bis 35 Grad können die kleinen Insekten den Stock aufheizen. Diese Temperaturen benötigt es vor allem dann, wenn es im Februar/März wieder heißt eine neue Brut aufzuziehen, damit das Bienenvolk im Frühjahr aufs Neue durchstarten kann.