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Warum wieder mehr Alkolenker erwischt werden

15.08.2022 • 19:20 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Während der Pandemie führte die Polizei weniger Alkokontrollen durch.<span class="copyright">Hartinger</span>
Während der Pandemie führte die Polizei weniger Alkokontrollen durch.Hartinger

Kontrollen gingen im Pandemiejahr 2021 zurück, jetzt steigen sie wieder.

Vor knapp 25 Jahren, im Dezember 1997, fällte der Nationalrat eine Entscheidung, die weitreichende Konsequenzen für die Verkehrssicherheit hatte: Die Senkung der Promillegrenze von 0,8 auf 0,5. Grund für die Verschärfung war eine Reihe tödlicher Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war. Auf der Westautobahn etwa starben drei Gymnasiasten, als ein betrunkener Autofahrer den Bus einer Nachwuchs-Baseballmannschaft rammte.


Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) ist die Promillegrenze mit ein Grund dafür, dass die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden in den letzten 25 Jahren kontinuierlich zurückging. Gemäß den Aufzeichnungen der Statistik Austria wurden 1997 österreichweit noch rund 39.700 Verkehrsunfälle mit Personenschaden registriert, 2021 waren es rund 32.800. Die Zahl der Alkounfälle allerdings stieg und fiel über die Jahre. Im Jahr 2012 – seit damals wird die Straßenverkehrsunfallstatistik elektronisch erfasst – ereigneten sich in Vorarlberg 188 Unfälle mit alkoholisierten Beteiligten, im vergangenen Jahr waren es 155.

Höchster Anteil seit 30 Jahren.

Eine „besorgniserregende Entwicklung“ ortet das KfV angesichts der Alko-Unfallzahlen im ersten Quartal dieses Jahres. So war bei 8,5 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden Alkohol die Unfallursache. Das ist anteilsmäßig der höchste Wert seit 30 Jahren. Angesichts dieser Zahlen zeige sich, dass das Lenken unter Alkoholeinfluss nach wie vor bagatellisiert werde, sagt Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KfV. Er appelliert an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen: „Im alkoholisierten Zustand darf das Fortbewegen im Straßenverkehr mit dem Rad, Roller oder Pkw aus Sicherheitsgründen keinesfalls eine Option sein.“

Wer betrunken am Steuer erwischt wird, muss mit saftigen Strafen rechnen. <span class="copyright">APA</span>
Wer betrunken am Steuer erwischt wird, muss mit saftigen Strafen rechnen. APA

Deutlicher Anzeigenanstieg

Wie ein weiterer Blick auf die Statistik zeigt, ist die Zahl der Anzeigen wegen Alkohol am Steuer über die Jahre relativ stabil geblieben. Während der Coronapandemie wurden allerdings auch weniger Kontrollen durchgeführt, weshalb die Polizei heuer wieder einen deutlichen Anstieg bei den Übertretungen verzeichnen wird. Bereits die Halbjahresstatistik spricht eine deutliche Sprache. Laut dem Zahlenwerk, das der NEUE vorliegt, stellte die Vorarlberger Polizei von Jänner bis einschließlich Juni insgesamt 699 Anzeigen aus. Das entspricht einem Plus von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Großteil der Anzeigen (518) entfällt auf Lenker, die mit 0,8 Promille und mehr erwischt wurden oder den Alkotest verweigerten. „Im vergangenen Coronajahr war die Exekutive noch mit vielen anderen Aufgabenbelastet“, begründet der Leiter der Verkehrsabteilung, Rudolf Salzgeber, den Anstieg.

Dass es im vergangenen Halbjahr wieder mehr Alkoholkontrollen gegeben hat, verdeutlicht auch die Zahl der Alkovor- und Alkomattests. Rund 17.500 Mal mussten die Lenker auf Vorarlbergs Straßen ins Röhrchen blasen, rund 1480 mal wurde der Alkomat in Betrieb genommen. Das entspricht einem Anstieg von 75 bzw. 53 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Mehr Drogenlenker

Ebenfalls eine Zunahme gab es bei den Anzeigen gegen Drogenlenker. Von Jänner bis einschließlich Juni gingen der Polizei 196 berauschte und fahruntüchtige Lenker ins Netz, im ersten Halbjahr 2021 waren es 134.

Rechtsfolgen bei Alkohol am Steuer

Grundsätzlich gilt die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenze von weniger als 0,5 Promille Alkoholgehalt im Blut. Für Probeführerschein-Besitzer sowie Lkw- und Busfahrer gilt die 0,1-Promille-Grenze.

Wer bei einer Verkehrskontrolle betrunken erwischt wird, muss neben einer saftigen Verwaltungsstrafe bis 0,79 Promille auch mit einer Vormerkung und ab 0,8 Promille mit der Entziehung der Lenkberechtigung rechnen. Daneben wird die Teilnahme an einem Verkehrscoaching aufgetragen.

Drastisch sind die Folgen nach einem Unfall. Denn die Haftpflichtversicherung kann, wenn der Lenker mehr als 0,8 Promille „getankt“ hat, bis zu 11.000 Euro auf dem Regressweg vom alkoholisierten Unfall-Verursacher zurückverlangen. Die Rechtsschutz- und die Kaskoversicherung sind überhaupt leistungsfrei.

0,5 – 0,79 Promille

Ab einem Alkoholgehalt von 0,5 Promille sind zwischen 300 Euro und 3700 Euro Verwaltungsstrafe fällig. Wird man das erste Mal alkoholisiert beim Autofahren erwischt, behält man zwar den Führerschein, allerdings gibt es dafür eine Vormerkung im Führerscheinregister. Eine zusätzliche Verschärfung bringt das Vormerksystem für Wiederholungstäter.

0,8 – 1,19 Promille

Wer mehr als 0,8 Promille „intus“ hat, zahlt für die Alkofahrt mindes­tens 800 Euro. Die Höchststrafe liegt auch hier bei 3700 Euro. Bei der ersten Alkofahrt (ohne Unfall) ist der Führerschein für einen Monat weg – im Wiederholungsfall mindestens für drei Monate. Außerdem muss ein Verkehrscoaching absolviert werden (100 Euro).

1,2 – 1,59 Promille

Ab 1,2 Promille Alkoholgehalt im Blut kostet das Vergehen zwischen 1200 und 4400 Euro und der Führerschein ist für mindestens vier Monate weg. Außerdem wird man zur Nachschulung geschickt, was zusätzliche Kosten bedeutet.

Ab 1,6 Promille

Hier drohen Strafen von 1600 Euro bis 5900 Euro und ein Führerschein­entzug von mindestens sechs Monaten. Daneben blüht dem Alkolenker eine Nachschulung, wobei Kosten in der Höhe von etwa 500 Euro entstehen, ein Termin beim Amtsarzt und eine verkehrspsychologische Untersuchung, die nochmals zusätzlich 363 Euro kostet. Die gleichen Konsequenzen drohen übrigens auch, wenn der Alkomat-Test verweigert wird. Quelle: ÖAMTC