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Leihpumpe zur Linderung der Wassernot

16.08.2022 • 19:07 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Mit Wasserknappheit hat man derzeit in Langen bei Bregenz zu kämpfen. Die Bevölkerung ist aufgerufen, sparsam mit dem Wasser umzugehen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Mit Wasserknappheit hat man derzeit in Langen bei Bregenz zu kämpfen. Die Bevölkerung ist aufgerufen, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Hartinger

In Langen bei Bregenz heißt es derzeit Wasser sparen. Denn dieses ist knapp geworden. Erste Notfallmaßnahmen haben die Lage entschärft.

Unter Wasserknappheit leidet derzeit die Gemeinde Langen bei Bregenz. Nachdem am Montag in einigen Häusern bereits kein ausreichender Druck mehr auf der Leitung war, wurden die Wasserspeicher der Gemeinde einerseits mit Großtankfahrzeugen der Feuerwehren Langen, Doren, Hörbranz und Sulzberg/Thal gefüllt. Andererseits wurde mit Unterstützung der Bauhöfe der Nachbargemeinden und der Feuerwehren eine 2500 Meter lange Schlauchleitung nach Eichenberg verlegt. Über diese Weise wird nun ebenfalls das Langener Reservoir gespeist. In beiden Fällen erfolgte beziehungsweise erfolgt die Einspeisung in das Netz vor der bestehenden UV-Anlage, um das Wasser entsprechend keimfrei und hygienisch einwandfrei für die Verbraucher aufzubereiten, berichtete der Langener Bürgermeister Josef Kirchmann.

Verbrauchsanstieg

Schon in den vergangenen Wochen sei ein stetig ansteigender Trend beim Wasserverbrauch in der Gemeinde festzustellen gewesen. Beim Zulauf aus den Quellen seien dagegen keine überraschenden Rückgänge festzustellen gewesen. Über Nacht sei es immer wieder gelungen, den Speicher aufzufüllen. Dies habe sich in den vergangenen drei Tagen jedoch schlagartig geändert. Die Abgänge aus dem Reservoir waren höher als die Zugänge, der Wasserverbrauch liege deutlich über dem üblichen Durchschnitt. Daraus resultiere auch die nunmehrige Knappheit. Was den Anstieg beim Verbrauch ausgelöst hat, ist derzeit noch unklar. So habe man nirgendwo ein Leck im Netz gefunden, sagte Kirchmann.

Bürgermeister Josef Kirchmann zeigt sich über die gute Zusammenarbeit in der Region erfreut.<span class="copyright"> Gemeinde Langen bei Bregenz/Bettina Läßer</span>
Bürgermeister Josef Kirchmann zeigt sich über die gute Zusammenarbeit in der Region erfreut. Gemeinde Langen bei Bregenz/Bettina Läßer

Auch gebe es keine einzelnen Verbraucher, die schlagartig mehr Wasser verbraucht hätten. Eine mögliche Ursache ist aus Sicht des Bürgermeisters, dass es bei manchen Privatquellen Probleme aufgrund der Trockenheit geben könnte und die Besitzer daher vermehrt Wasser aus dem Netz der Gemeinde beziehen.
Bereits am Sonntag haben die Langener Verantwortlichen die Bevölkerung zum Wasser sparen aufgerufen. Dieses soll nur noch für die Körperpflege sowie als Trinkwasser für Mensch und Tier verwendet werden. Mit der Notversorgung könne der durchschnittliche Bedarf, der bei knapp vier Litern pro Sekunde liege, gedeckt werden, betonte der Bürgermeister. Über die Leitung nach Eichenberg wird ein Liter pro Sekunde in das Netz eingespeist. Drei Liter pro Sekunde kommen aus den beiden Quellen der Gemeinde. „Eine Reserve kann so aber nicht aufgebaut werden. Die Speicher bleiben bei Null“, erläuterte Kirchmann.
Dies könnte sich aber schon heute ändern. Denn die Kommune sollte eigentlich bereits in einem Notverbund mit der Stadt Bregenz sein. Das diesbezügliche Projekt ist so gut wie abgeschlossen. Allerdings gibt es bei der Pumpe für die Anlage Lieferschwierigkeiten, weshalb sich die Fertigstellung verzögert. Am Dienstag wurde nun versucht, eine Leihpumpe zu ordern, welche zwar nicht dem beim Projekt geplanten Modell entspricht, aber vorübergehend verwendet werden kann. 30 Kubikmeter pro Tag könnten dann von Bregenz-Fluh aus nach Langen gepumpt werden. Wasser, mit dem dann das Reservoir in der Gemeinde wieder aufgefüllt werden könnte. Wann die ursprünglich bestellte Pumpe geliefert wird, ist nach Angaben von Kirchmann unklar. Er rechnet jedoch erst im Laufe des Herbsts damit.

Verständnis

Daher gelte es, auch noch in den kommenden Wochen die verkündeten Wassersparmaßnahmen einzuhalten. Die Bürgerinnen und Bürger, mit denen er bisher zu tun gehabt habe, hätten allesamt großes Verständnis für die Maßnahmen gehabt, sagte Kirchmann. Die Entwicklung des Wetters wird in der Gemeindestube unterdessen mit Spannung beobachtet. Um jedoch Auswirkungen auf die Quellschüttung zu bemerken, brauche es mindestens eine Woche Regen. Dennoch hilft aus Sicht des Gemeindeoberhaupts jeder Tropfen, um die Situation zu verbessern. Denn bei Regen komme niemand auf den Gedanken, den Garten zu tränken, Pools müssten nicht aufgrund der Verdunstung nachgefüllt werden und auch das Vieh brauche weniger Trinkwasser. „Es sind viele kleine Faktoren, die aber in Summe viel ausmachen können“, erläuterte Kirchmann.
Lob gab es von ihm für die Zusammenarbeit in der Region und auch mit den Verantwortlichen der Behörden bei der Einrichtung der Notversorgung. Immerhin wurde diese am Feiertag aufgebaut und sechs Bauhöfe haben Material für die Notleitung zugeliefert. „Das ist ein Beispiel für vorbildliche Kooperation und das habe ich in meiner Zeit als Gemeindepolitiker auch noch nie so erlebt“, zeigte sich der Bürgermeister begeistert.

Hintergrund: Meiningen ist im Ländle einzigartig

Rund 97 Prozent aller Vorarl­berger Einwohner und 93 Prozent aller Gebäude sind an eine öffentliche Wasserversorgungsanlage angeschlossen. Das zeigen die Zahlen des Landes Vorarlberg. Meiningen ist die einzige Gemeinde ohne eine zentrale Wasserversorgung. Das bedeute, dass jeder Hausbesitzer seinen eigenen Brunnen schlägt, heißt es auf der Webseite der Kommune. Die Wasserverbrauch in Vorarlberg wird nach Angaben des Landes zu 30 Prozent aus Quellen und zu 70 Prozent aus Grundwasserbrunnen gedeckt. Rund 800 Quellen sind zu diesem Zweck gefasst. Diese schütten zusammen über 1100 Liter Wasser pro Sekunde. Das Grundwasser stammt aus 54 Brunnen, welche eine genehmigte Entnahmemenge von 3054 Litern pro Sekunde pumpen.

Die Versorgung erfolgt gemäß einer Broschüre des Landes aus dem Jahr 2018 durch 85 Gemeindewasserversorgungen, drei Wasserverbände und über hundert Genossenschaften. Als größter Wasserversorger wird der Trinkwasserverband Rheintal genannt. Dieser versorgt über 100.000 Einwohner. Das gesamte Wasserversorgungsnetz im Land hat eine Gesamtlänge von fast 3600 Kilometer

Wasser ist nicht nur in Vorarlberg ein begehrtes Gut. <span class="copyright">Hartinger</span>
Wasser ist nicht nur in Vorarlberg ein begehrtes Gut. Hartinger

St. Gerold litt vor vier Jahren unter Trockenheit

Wasserknappheit nach längeren Perioden der Trockenheit ist in Vorarlberg nicht unbedingt ungewöhnlich. Allerdings kommt es nicht so häufig vor, dass Gemeinden per Tankwagen oder über andere Wege versorgt werden müssen. Zuletzt war dies vor fast genau vier Jahren der Fall. In St. Gerold im Großen Walsertal lieferte die von der Gemeinde genutzte Quelle nicht mehr genug Wasser. In weiterer Folge wurde dann am 31. Juli 2018 mittels Milchwagen eine Menge von 30.000 Litern Wasser aus Blons nach St. Gerold geliefert. Der Tankwagen wurde zu diesem Zweck zuerst speziell gereinigt. Es sollte nicht die einzige Lieferung des kühlen Nass bleiben.
Thomas Blank, damals wie heute Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Amt der Vorarlberger Landeswirtschaft, sprach nach den Wasserlieferungen im Jahr 2018 von einer besonderen Situation, welche jedoch nicht katastrophal sei. Bei der Trockenheit handle es sich um eine Laune der Natur, die es immer wieder gebe.

Auf den Alpen wurde in die Versorgungssicherheit investiert. <span class="copyright">APA/STIPLOVSEK</span>
Auf den Alpen wurde in die Versorgungssicherheit investiert. APA/STIPLOVSEK

Wie in Langen bei Bregenz war auch in St. Gerold schon der Anschluss an einen Notfallverbund geplant. Die Gemeinde sollte mit Thüringen und Thüringerberg vernetzt werden. Das Vorhaben wurde in den folgenden Jahren in die Tat umgesetzt. Schon 2019 war St. Gerold mit Thüringerberg verbunden und somit bestand keine Gefahr mehr, auf Wasserlieferungen per Tankwagen angewiesen zu sein. Danach wurde auch noch eine Verbundleitung zwischen Thüringerberg und Thüringen errichtet. Insgesamt wurden 2,4 Millionen Euro in die Baumaßnahmen investiert. Das Land übernahm als Förderung 40 Prozent der Kosten. Auch der Bunde steuerte Förderungen bei.

Investiert

Probleme mit der Wasserversorgung gibt es aber nicht nur in Gemeinden. Auch die Alpen sind von langen Trockenperioden betroffen. In den vergangenen Jahren sei viel in die Wasserversorgung investiert worden, sagte Christoph Freuis, Geschäftsführer des Vorarlberger Alpwirtschaftsvereins, kürzlich im Gespräch mit der NEUE. So seien neue Quellfassungen errichtet worden, oder es wurden Anlagen zur Wasseraufbereitung angeschafft. Teilweise wurden die Alpen auch an die Gemeindewasserversorgung angeschlossen. Rosig war die Lage auf den Alphütten dennoch nicht. Vielfach führte die Trockenheit zu Futterknappheit, weil das Gras nicht gut wachsen konnte.