Kultur

Bewahrte Momente von Irving Penn

17.08.2022 • 19:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Penns Portrait von Picasso (Mitte) im Flatz Museum.
Penns Portrait von Picasso (Mitte) im Flatz Museum.

„Black and White“ im Flatz Museum zeigt Arbeiten von einem der bedeutendsten Fotografen des Jahrhunderts.

Sensible Portraits in schwarz-weiß halten die ausdrucksstarken berühmten Persönlichkeiten vor der Kamera fest. Die unverwechselbaren Fotos zeigen die Gesichter von Marlene Dietrich, oder Jean Cocteau, aber auch die berühmte Hand von Miles Davis, wie sie die unsichtbaren Tasten einer Trompete drückt.
Daneben vermitteln Fotografien aus der Alltagswelt die Gefühlszustände von Arbeitenden und in Stillleben wird verdeutlicht, wie Penn mit der Wahrnehmung von Objekten experimentiert. Seine Bilder zeigen die Individualität und Intimität der Personen und sind geprägt von einer raffinierten Einfachheit und dem Wechselspiel von Licht und Schatten.

Berühmte Werke

Durch die gute Zusammenarbeit mit der deutschen Stiftung F. C. Grundlach in Hamburg konnte der Kurator Gerald Matt Werke aus deren fotografischen Sammlung zusammenstellen und präsentiert im Flatz Museum Dornbirn einige von Penns berühmtesten Arbeiten und zeigt in der Ausstellung die unterschiedlichen Herangehensweisen des Künstlers. Der 1917 geborene amerikanische Fotograf zählt zu den bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Ab den 1940er Jahren fotografierte er für die wichtigsten internationalen Modezeitschriften und wurde damit weltberühmt. Seine Werke befinden sich in den wichtigsten Sammlungen auf der ganzen Welt und wurden unter anderem im Museum of Modern Art in New York, in der Tate London, im Art Institute of Chicago, im Smithsonian in Washington und im Getty Museum Los Angeles gezeigt.

Während Penn seine Portraitfotografien anfangs in einem relativ klassischen Format konzipierte, wurden die Fotografien im Laufe seiner Schaffensperiode immer komplexer und bestimmte körperliche oder berufliche Merkmale der Personen rückten in den Vordergrund. Für seine Fotos setzte er die Fotografierten in ungewöhnliche Posen vor schlichte weiße Wänund konstruierte einen von zwei Gipswänden umschlossenen Eckraum, in dem er ab 1948 außergewöhnliche Berühmtheiten wie Louis Armstrong, Joe Louis, Truman Capote oder Igor Strawinski ablichtete. Penn nutzte die Wände als Fläche, an denen sich Personen anlehnen oder dagegen drücken konnten. Die Begrenztheit des Raums schien die Menschen überraschenderweise zu beruhigen, beschrieb der Fotograf. Diese „corner portraits“ zeigen die Menschen in unüblichen Perspektiven, wie beispielsweise Truman Capote, der an der Wand lehnt, während er auf einem Stuhl kniet und mit dem Kopf schief in die Kamera blickt. In der Ausstellung im Flatz Museum findet sich auch ein Portrait von Pablo Picasso aus dem Jahr 1957. Mit Hut und Mantelkragen blickt Picasso skeptisch und eindringlich dem Fotografen in die Kamera, jenem Fotografen, der sich über den Zaun kletternd Zugang in sein Wohnzimmer in Südfrankreich verschaffte, während Picasso vorgab, nicht zu Hause zu sein. In den gewährten zehn Minuten Kamerazeit entstanden beeindruckende Bilder, die den fesselnden Blick des großen Meisters wiedergeben.

„Black and White“: Bis 10. September.