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Warum Bäume ihre Blätter jetzt schon verfärben

17.08.2022 • 19:08 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Als wären wir mitten im Herbst: Ein verfärbter Baum in Nofels. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Als wären wir mitten im Herbst: Ein verfärbter Baum in Nofels. Stiplovsek 

Einige Laubbäume verfärben sich bereits. Grund dafür ist die Trockenheit. Über die Blätter verliert ein Baum viel Wasser, deshalb wirft er sie in trockenen Zeiten früher ab.

Wer zurzeit durch das Land fährt oder auch nur durch ein Dorf oder eine Stadt spaziert, könnte manchmal meinen, es wäre bereits Herbst. Denn manche Bäume sehen ganz danach aus: Sie sind schon gelb oder orange verfärbt. Seit Ende Juli verfärben sich die ersten Blätter. Das ist sehr früh. Der Hauptgrund dafür ist die Trockenheit. Wie die NEUE bereits berichtete, gab es heuer im Österreich-Schnitt um circa 30 Prozent weniger Regen als im langjährigen Mittel. Im Bregenzerwald liegt das Minus bei 50 bis 70 Prozent, wie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik unlängst bekanntgab.

Die Trockenheit ist ein Grund für die frühe Färbung der Blätter. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Die Trockenheit ist ein Grund für die frühe Färbung der Blätter. Stiplovsek 

Wasserverlust über Blätter

Normalerweise führen tiefere Temperaturen und weniger Licht im Herbst dazu, dass Bäume sich verfärben und die Blätter schließlich abwerfen (mehr Infos über den Prozess des Verfärbens am Artikelende). Zurzeit löst die Trockenheit Stress im Baum aus und setzt denselben Prozess in Gang. Dadurch schützt er sich vor der Wasserknappheit. Durch die Blätter verliert er nämlich viel Wasser: Über sie verdunsten Bäume ständig einen großen Teil des Wassers, das sie durch die Wurzeln aufnehmen. Eine hundertjährige Rotbuche verdunstet etwa 400 Liter pro Tag, bei einer großen Birke sind es zwischen 40 bis 150 Liter pro Tag.
Ob und wie sehr sich die Bäume jetzt schon verfärben, hängt von der Wasserspeicherfähigkeit der Böden ab, erklärt Stephan Philipp von der Landesforstdirektion. Je sandiger und kiesiger ein Boden etwa ist, umso weniger Wasser kann er speichern, je lehmhaltiger er ist, umso mehr Wasser ist im Boden enthalten. Bäume in Städten seien durch Abgase oder stärkere Hitze eher gestresst, was ebenfalls zur frühen Verfärbung führen kann. Manche Blätter sind durch die intensive Sonneneinstrahlung auch verbrannt. Es falle auf, dass sich vor allem Ahorn und Esche bereits verfärben würden, so Philipp. Diese beiden Baumarten sind auch im Herbst die ersten, die den Färbeprozess in Gang setzen.
Würde es bald für längere Zeit kräftig regnen, würden sich die Blätter weiterhin verfärben. „Wenn der Baum den Prozess gestartet hat, stoppt er ihn nicht mehr“, erklärt der Experte.

Stephan Philipp von der Landesforstdirektion erklärt, was mit den Bäumen los ist. <span class="copyright">privat</span>
Stephan Philipp von der Landesforstdirektion erklärt, was mit den Bäumen los ist. privat

Das Phänomen, dass die Bäume sich früher als üblich verfärben, sei nicht neu. „Das gibt es immer wieder einmal. Aber jetzt kommt es gehäuft vor“, sagt Philipp. Man müsse jedoch nicht besorgt sein, dass Bäume wegen der frühen Verfärbung absterben. Gefährlich für die Bäume werde es nur, wenn mehr zusammenkomme, etwa Trockenstress und Borkenkäferbefall.
In der Landesforstdirektion wird seit längerem geforscht und getestet, wie die Bäume und der Wald auf die Klimaveränderung angepasst werden können. Eine Rolle dabei spielen Bäume, denen Trockenheit weniger schadet. „Die Eiche zum Beispiel ist trockenheitstolerant“, erklärt Philipp. Buchen brauchen normalerweise recht viel Feuchtigkeit. In Meran werde jedoch gerade eine Buchenart getestet, die gut mit Trockenheit umgehen könne. Künftig müsse man vermehrt auf solche Baumarten setzen.

Waldpflege und Mischwälder

Im Wald lautet die Strategie: „Durch Waldpflege Struktur in den Wald bringen, damit die Kronen sich gut entfalten können.“ Das bedeutet, dass dem Baum Platz gegeben werden muss, damit er gut wachsen und leichter an Ressourcen wie Wasser gelangen kann. Genauso wichtig sei aber auch, so Philipp, auf Mischwälder zu setzen, in denen alte und junge Bäume nebeneinander wachsen. Philipp führt dazu das Beispiel der Plenterwälder an, die ideal seien.

Verfärbte Blätter

Mit der Laubfärbung bereiten sich Bäume üblicherweise auf die kalte und wasserarme Jahreszeit – den Winter – vor. Das Chlorophyll wird nicht mehr gebraucht, weil die Photosynthese bei abnehmendem Licht zurückgefahren wird. Im Frühling und Sommer überwiegt der grüne Farbstoff Chlorophyll, er überdeckt alle anderen Pigmente im Blatt. Verschwindet das Chlorophyll, kommen die anderen Pigmente zur Geltung und verursachen die Laubfärbung. Außerdem hängt der Farbwechsel damit zusammen, dass Nährstoffe abgebaut und Elemente wie Phosphor, Eisen oder Stickstoff in Stamm-, Ast- und Wurzelbereiche verlagert werden. Quelle: waldwissen.net