International

Erdogan und Selenskyj beraten in Lemberg

18.08.2022 • 16:01 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Am Nachmittag soll dann auch UN-Generalsekretär António Guterres am Treffen teilnehmen
Am Nachmittag soll dann auch UN-Generalsekretär António Guterres am Treffen teilnehmen APA/AFP/OZAN KOSE

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan haben sich zu Gesprächen in der Ukraine getroffen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan haben sich zu gemeinsamen Gesprächen in der Ukraine getroffen. Die beiden seien im Potocki-Palast in Lwiw (Lemberg) zusammengetroffen, berichtete der staatliche türkische Nachrichtensender Anadolu am Donnerstag. Für den Nachmittag war ein Dreier-Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres geplant.

UN-Generalsekretär António Guterres ist zu einem zweitägigen Besuch in der Ukraine bereits zu Mittag eingetroffen. Am Donnerstag besuchte Guterres die Stadt Lwiw im Westen des Landes. Bei einem dort geplanten Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan soll es nach UN-Angaben vor allem um die Umsetzung des Abkommens zu ukrainischen Getreideexporten gehen.

Heftige Angriffe

Kurz vor einem geplanten Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dessen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan und UN-Generalsekretär Antonio Guterres in der Ukraine kommen Meldungen über weitere Kämpfe aus dem Land. Die zweitgrößte Stadt Charkiw im Nordosten wurde nach Angaben der Regionalregierung auch am Donnerstag beschossen.

Ein Mensch sei bei dem Angriff vor Sonnenaufgang ums Leben gekommen, 18 weitere seien verletzt worden, darunter zwei Kinder. Bereits am Mittwochabend wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes bei russischen Bombardierungen in Charkiw mindestens sechs Menschen getötet. In beiden Fällen sollen Wohngebiete getroffen worden sein.

Im Süden sei es ukrainischen Soldaten unterdessen gelungen, einen Vorstoß russischer Truppen nordöstlich von Cherson zu verhindern, sagte ein ukrainischer Militärexperte. Selenskyjs Berater Olexij Arestowytsch sagte in einer Videobotschaft, derzeit herrsche eine strategische Pattsituation. Seit vergangenen Monat seien russische Truppen nur “minimal vorangekommen”, und in einigen Fällen hätten die ukrainischen Streitkräfte Boden gutgemacht.

Selenskyj besucht Spital

Vor einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und UN-Generalsekretär António Guterres hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj ein Militärkrankenhaus in Lwiw (Lemberg) besucht. Selenskyj sprach in der westukrainischen Stadt mit Verwundeten und Ärzten, wie auf den am Donnerstag von seinem Pressedienst veröffentlichten Fotos zu sehen war. Er würdigte die Kämpfer als “Helden”.

Explosionen auf der Krim

Für Aufsehen sorgten zuletzt unter anderem mehrere Explosionen in russischen Militäreinrichtungen auf der Krim, wo Russlands Schwarzmeerflotte stationiert ist. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes hat dies Russland dazu veranlasst, einige seiner Flugzeuge und Hubschrauber ins Landesinnere der Halbinsel und auf Flugplätze in Russland zu verlagern. Nach russischen Medienberichten wurde zudem der Kommandant der Schwarzmeerflotte ausgetauscht.

Die Angaben ließen sich unabhängig zunächst nicht überprüfen. Russland hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass es auch Zivilisten ins Visier nehme. Für die Explosionen auf der Krim macht Russland Saboteure verantwortlich. Die Ukraine hat offiziell keine Verantwortung für die Vorfälle übernommen, aber angedeutet, dass sie dahinter stecken könnte.

Der Krieg tobt seit fast einem halben Jahr. Tausende Menschen wurden getötet, Millionen sind auf der Flucht. Die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland stecken in einer solch tiefen Krise wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Mit Spannung wurde daher das Treffen zwischen Selenskyj, Erdogan und UN-Chef Guterres erwartet. Im Laufe des Tages sollen sie im westukrainischen Lwiw zusammenkommen.

Bei dem Dreier-Treffen soll es darum gehen, wie der Krieg politisch gelöst werden kann, sowie um die Wiederaufnahme der monatelang blockierten Getreide-Exporte aus den ukrainischen Schwarzmeerhäfen. Diese liefen erst kürzlich wieder an, nachdem dazu unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei in einem seltenen diplomatischen Durchbruch eine Vereinbarung zwischen den Kriegsparteien erzielt werden konnte. Am Freitag ist ein Besuch von Guterres in Odessa am Schwarzen Meer geplant, am Samstag wird er in Istanbul erwartet.

Thema wird auch die Lage rund um das Atomkraftwerk Saporischschja sein. Europas größtes AKW soll zuletzt mehrfach unter Beschuss geraten sein, Russland und die Ukraine geben sich dafür gegenseitig die Schuld. Das russische Verteidigungsministerium warf der Ukraine am Donnerstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA vor, am Freitag “eine Provokation” bei dem Kernkraftwerk zu planen. Es erklärte zudem, es seien in der von Russland kontrollierten Anlage oder in der umliegenden Gegend keine schweren russischen Waffen stationiert. “Dort sind nur Wachmannschaften”, erklärte das Ministerium am Donnerstag.

Das Verteidigungsministerium erklärte, die Ukraine habe Truppen in das Gebiet entsandt und plane, am Freitag von der Stadt Nikopol aus einen Artillerieangriff auf das Atomkraftwerk zu starten, während Guterres die Stadt Odessa besucht. “Die Verantwortung für die Konsequenzen” solle dann “den russischen Streitkräften” zugeschoben werden.

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