Lokal

Genua-Tief forderte Feuerwehren im Land

19.08.2022 • 20:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
20220819RoethisUnwetter
20220819RoethisUnwetter

Überflutungen Niederschlagsrekorde, Verkehrschaos: Mehr als 1000 Feuerwehreinsätze in Vorarlberg.

Das über Vorarlberg ziehende Genua-Tief brachte gestern sintflutartige Regenfälle mit sich. In der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle glühten die Telefonleitungen. Bis zum frühen Abend (18 Uhr) zählte man dort mehr als 1000 Einsätze. Gemeldet wurden vor allem Wassereintritte in Gebäude, vor allem vollgelaufene Keller und Garagen. Unterführungen wurden überschwemmt, in einigen blieben Autos stecken (siehe Fotos).

Mehrere Autos bliebe in Unterführungen stecken. In einemFall mussten mehrere Personen aus dem Fahrzeug gerettet werden <span class="copyright">Vol.at/Pletsch</span>
Mehrere Autos bliebe in Unterführungen stecken. In einemFall mussten mehrere Personen aus dem Fahrzeug gerettet werden Vol.at/Pletsch

Straßensperren

Auch mehrere Straßen mussten wegen Überflutungen gesperrt werden. So standen unter anderem Abschnitte der Bregenzerwald Straße (L200) und Schweizer Straße (L202) zeitweise unter Wasser. Auch auf der Autobahn kam es zu umfangreichen Behinderungen. Betroffen waren laut Asfinag insbesondere die Auf- und Abfahrten. Lenker, die am frühen Abend in Richtung Deutschland unterwegs waren, mussten bei Dornbirn-West von der Autobahn abfahren, der Verkehr in Richtung Tirol wurde bei Dornbirn-Nord umgeleitet. Auch der Pfändertunnel wurde in beide Richtungen gesperrt.

Zahlreiche Straßen und Unterführungen wurden überschwemmt.<br><span class="copyright">Stiplovsek, Vol.AT/Pletsch</span>
Zahlreiche Straßen und Unterführungen wurden überschwemmt.
Stiplovsek, Vol.AT/Pletsch


Mehrere Kommunen, darunter auch die Stadt Dornbirn, riefen die Bevölkerung dazu auf, zu Hause zu bleiben, im eigenen Bereich vorzusorgen – etwa Elektrogeräte aus dem Keller zu räumen – und bei Bedarf die Nachbarn zu unterstützen.


Die Pegel der meisten Vorarlberger Bäche und Flüsse blieben nach der langen Trockenheit zunächst im Niedrigwasser-Bereich, mit Fortdauer der Regenfälle führten am Nachmittag dann hauptsächlich Gewässer in den Bezirken Dornbirn und Bregenz Hochwasser.

Zahlreiche Straßen und Unterführungen wurden überschwemmt.<br><span class="copyright">Stiplovsek</span>
Zahlreiche Straßen und Unterführungen wurden überschwemmt.
Stiplovsek

„Absolute Ausnahme“.

Besonders genau im Blick hatte das Wettergeschehen Franc Magnes, Leiter der Landeswarnzentrale. Seinen Angaben zufolge fielen im Rheintal in sechs Stunden bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter, das sei „eine absolute Ausnahme“. Solche statistischen Ausreißer kämen aber in den Langzeitmodellen immer wieder einmal vor, so Magnes. Flutereignisse an den großen Flüssen erwartete er gestern nicht. Im Rheintal sei die größte Intensität der Niederschläge am Nachmittag überschritten worden. In der Landeswarnzentrale rechnete man mit einer Verlagerung in den Bregenzerwald. Zudem sei laut den Prognosen ein Ende der Regenfälle absehbar.

<span class="copyright">Stiplovsek</span>
Stiplovsek

Niederschlagsrekorde

Nach Angaben der ZAMG gab es über das ganze Land verteilt neue Rekorde an 24-Stunden-Regenmengen: In Bregenz kamen bis 16.30 Uhr über 200 Liter pro Quadratmeter zusammen (bisher Höchstwert: 174 Liter/1968), in Dornbirn waren es knapp 180 Liter (113 Liter/2013). Auch im Bezirk Feldkich fielen große Regenmengen: in Fraxern knapp 160 Liter (126 Liter/2013), in der Stadt Feldkirch 150 Liter (122 Liter/1910). In ihrer Regenwarnung hatte die ZAMG verbreitet Niederschlagsmengen von 50 bis 80 Liter prognostiziert, punktuell könnten aber auch bis zu 150 Liter pro Quadratmeter Regen niedergehen. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Niederschlagswert für den Monat August liegt in Vorarlberg bei 100 Liter. Die Meteorologen rechneten gestern damit, dass die kräftigen Regenfälle in der Nacht in Schauer mit vereinzelten Regenpausen übergehen. Am Samstag sollte sich das Wetter dann beruhigen.

Zahlreiche Straße wurden gesperrt. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Zahlreiche Straße wurden gesperrt. Stiplovsek

Aus Rhein gerettet

Laut Medienberichten kam es vereinzelt auch zu gefährlichen Situationen. So soll am späten Freitagnachmittag eine Person unverletzt aus dem Rhein bei Lustenau geborgen worden sein. Ebenfalls gerettet werden konnten mehrere Personen aus einem stecken gebliebenen Fahrzeug bei der Rappenlochbrücke in Dornbirn.

Die zahlreichen übers Land verteilten Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren dauerten bei Redaktionsschluss noch an. In vielen Gemeinden wurden alle zur Verfügung stehenden Kräfte einberufen. Feuerwehren aus nicht so stark betroffenen Regionen halfen in den m stärksten betroffenen Gebieten aus. Dazu gehörte der Großraum Bregenz bis Dornbirn. Weiter südlich standen Götzis und die umliegenden Gemeinden im Mittelpunkt.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.