Lokal

Wanderung auf den Bludenzer Hausberg

19.08.2022 • 17:54 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Der Blick über den Walgau. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Der Blick über den Walgau. Gerhard Vylet

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern vom Gemeindeamt Ludesch über den Kühlen Brunnen nach Laz und weiter auf den Muttersberg.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Einfache und abwechslungsreiche Waldwanderung mit Blick über die Region Bludenz.

Anforderung und Gehzeit: In circa 4 Stunden sind im Auf und Ab des Wegverlaufs circa 940 Höhenmeter zu bewältigen.

Charakter der Wege: Straße, Forst- und Waldwege; Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Kultur und Natur: Ludesch Gemeindezentrum, Dorfbrunnen, Laz, Muttersberg

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle, Kleidung je nach Wetter, Jause, Getränke

Einkehrmöglichkeiten: In Ludesch franzoi.at, am Zielpunkt muttersberg.at

Start: Gemeindezentrum Ludesch mit Bushaltestelle Linien 76/ 73/96

Ende: Muttersberg Bergstation, Talstation Stadt-Buslinie 1

Beim Gemeindezentrum Ludesch geht man auf der Raiffeisenstraße in Richtung Raggal bis zur Dorfstraße und folgt dieser rechts. Hier findet man einen schönen Brunnen, dem Tanzbrunnen der einer Sage nach bereits 1637 hier bestanden hat. Weitere interessante Informationen über die Geschichte der Dorfbrunnen Ludeschs finden sich weiter unten. Die Dorfstraße führt kurz abwärts durch den Ortsteil Barx bis hinter einen Holzverarbeitungsbetrieb am Waldrand. Rechts dem Mühlbach entlang führt der Weg über eine Brücke und zweigt kurz danach bei „Kühler Brunnen“ links nach „Bazies“ ab.

Der in einer Lichtung neu erstellte „Kühle Brunnen“ lädt zu einer Trinkpause ein bevor gleich dahinter der Aufstieg über einen wunderbaren Waldsteig beginnt. Auf dem Weg im Steilhang und oben auf der Hügelkuppe bieten sich schöne Ausblicken über Ludesch. Die bisherige Wanderstrecke kann aus luftiger Perspektive überblickt werden. Nach wenigen Schritten betritt man das Gemeindegebiet von Nüziders, auf dem auch das Ziel der Wanderung der Madeisakopf besser bekannt als Muttersberg liegt. Die folgende Forststraße Richtung Ludescher Berg führt zuerst aufwärts und bald darauf fast flach zur nächsten Abzweigung. Links hinauf ist nun Laz am Wegweiser vermerkt. Am Wegesrand sind verschiedensten Blumen zu bewundern.

Nach der fünften Kehre zweigt rechts ein Waldweg ab, der sich an umgestürzten Bäumen vorbei hochschlängelt. Der Weg erreicht die Forststraße bei Gampiledienst, wo ein Waldwurzelweg etwas abwärts, über den Niezbach bis zur Talstation einer Materialseilbahn führt. Auf dem weiteren Weg nach Laz wird der Schwarzbach auf der Forststraße gequert. Niezbach und Schwarzbach vereinigen sich weiter unten und fließen als Mühlbach durch Nüziders.

Im Rahmen der Wanderung bieten sich beeindruckende Ausblicke. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Im Rahmen der Wanderung bieten sich beeindruckende Ausblicke. Gerhard Vylet

Das rätoromanische Laz wurde ab dem 14. Jahrhundert von Walsern besiedelt. Die Flurnamen „Gampiledienst“, „Laz“ und „Walkatin“ sind rätoromanischen Ursprungs. Links von der Straße ist ein kleines, altes Haus zu sehen, das ehemalige Schulhaus, 1830 erbaut. Der Schulbetrieb in Laz wurde im Sommer 1961 eingestellt. Bei der folgenden Abzweigung lohnt es sich über den Wiesenweg zur Kapelle Mariä-Heimsuchung aufzusteigen. Die Kapelle wurde 1672 erbaut und 1987 saniert. Stifter des Kapellenbaus samt dem Barockaltar war Pfarrer Mauritius Wolf (1606 bis 1682). Dieser ist auch auf dem Altarbild verewigt. Ein Brunnen spendet Wasser und eine Bank lädt zum Verweilen ein und das Panorama überwältigt. Weitum kann man den Blick über den Walgau schweifen lassen. Auf der Höhe der Kapelle führt ein Wiesenweg fast flach zur Straße, welche rechts hinauf bei Schönblick in einen Güterweg übergeht. Nach dem Schranken führt der Güterweg links hinauf und die Wegbezeichnung Valkatinweg zeigt die Richtung an. In der nächsten Kehre des Güterwegs zweigt ein Forstweg geradeaus ab. Bald wandert man wieder auf einem schmalen Waldweg. Ein imposanter, morscher, mit Spechtlöchern reichlich durchlöcherter Baumstumpf erwartet einen am Beginn des letzten steilen Anstiegs durch den urig wilden Wald. Wo schon das helle Licht einer Lichtung zu sehen ist, geht es rechts in weiten Serpentinen an imposanten Bäumen vorbei weiter hinauf bis kurz vor die Muttersbergbahn. Der Waldweg entlässt einen auf den breiten Weg zur Bergstation, die rechts ab in wenigen Schritten erreicht wird. Die Rast mit einem weiteren Panoramablick ist wohlverdient und die bequeme Rückfahrt ins Tal willkommen.

Das alte Schulhaus von Laz.<span class="copyright"> Gerhard Vylet</span>
Das alte Schulhaus von Laz. Gerhard Vylet

Hohe Walsersiedlung und fremder Mäher

Der Muttersberg wurde später als Laz besiedelt und hat überwiegend alemannische beziehungsweise walserische Flurnamen. 1394 sind zwei Angehörige der Familie Mutter urkundlich erwähnt, woraus die Namensgebung abgeleitet werden kann. Eine andere Theorie geht vom lateinischen Wort „Mutta“ ab, die wohl so wie Erhöhung, Hügel oder Berg bedeutet.
Die Bauern auf dem Muttersberg lebten hauptsächlich von der Viehwirtschaft. Vieh und andere Erzeugnisse wurden am Markt in Bludenz verkauft. Im Jahr 1383 sind vier Walsergehöfte erwähnt, für das Jahr 1500 sind 15 Hofstätten verzeichnet. Ab 1900 zogen immer mehr Bewohner des Muttersbergs ins Tal, der Letzte 1969. Mit Einführung der Schulpflicht 1774 durch Kaiserin Maria Theresia wurden auch die Kinder vom Muttersberg in Laz unterrichtet. Die Kinder vom Muttersberg sind zu Fuß in die Schule gegangen. Bei schlechtem Wetter im Winter wurden sie bei Lazer Bauern untergebracht. 1845 wurde am Muttersberg ein eigenes Schulhaus gebaut. 1910 wurde die Schule aufgrund der geringen Schülerzahl aufgelassen.

Der Mäher auf Furgla. Am Vorabende von Maria Himmelfahrt mähte ein Mann beim Mondschein bis tief in die Nacht hinein. Um Mitternacht kam ein fremder Mäher, wetzte und mähte schweigend dem Feiertagsschänder nach. Der sagte kein Wort, sondern schlug aus allen Kräften drauf los. Aber der Fremdling kam dem Feiertagsschänder immer näher, bis derselbe aus der Mahde springen mußte. Am ändern Morgen sah der Mäher, daß eine Strecke weit jede zweite Mahde wieder stand. Das geschah auf der obern Furgla (=Obere Furkla ist von Muttersberg aus zu sehen).

Auf der Strecke können Wanderer auch den Schwalbenwurz Enzian entdecken. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Auf der Strecke können Wanderer auch den Schwalbenwurz Enzian entdecken. Gerhard Vylet

Pflanzenkunde

Der Name des Schwalbenwurz Enzian (Gentinia asclepiadea) bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Blätter des Enzians mit jenen der Schwalbenwurz. Er kann 30 bis 90 Zentimeter hoch werden, blüht bis in einer Höhe von circa 2200 Meter von August bis Oktober. Er wird von Bienen und Hummeln bestäubt und dient den Raupen des Lungenenzian- Ameisenbläulings sowie des Enzian-Alpen-Blattspanners als Nahrung.

Quellen: Flora Helvetica- Haupt Verlag, Was blüht denn da? Kosmos Verlag, Wikipedia, Bludenzer Geschichtsblätter Heft 61-63 (2001) Geschichtsverein Region Bludenz, Vorarlberg Atlas, Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 337, S. 196