Österreich

Zamg: “Solche Gewitterzellen sind nicht vorhersagbar”

19.08.2022 • 13:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Unwetter in Österreich: Fünf Menschen starben, darunter zwei Mädchen (4, 8) in Kärnten
Unwetter in Österreich: Fünf Menschen starben, darunter zwei Mädchen (4, 8) in Kärnten Erwin Scheriau

Zamg gibt nach Unwettern erneut Regenwarnung für Westen Österreichs aus. Warum genaue Prognosen bei dieser Art von Gewitterzellen nicht möglich sind.

Nach den heftigen Unwettern am Donnerstag hat die Zamg für Freitag erneut eine Regenwarnung für den Westen Österreichs ausgegeben. Aufgrund eines Genuatiefs, das von Kroatien über Italien nach Österreich zieht, werden für Vorarlberg und Teile Nordtirols am Freitagnachmittag bis in den Samstag hinein starke Niederschläge erwartet. In den betroffenen Gebieten sei verbreitet mit Niederschlagsmengen von 50 bis 80 mm zu rechnen, punktuell könnten aber auch bis zu 150 mm zusammenkommen, hieß es. Dadurch bestehe die Gefahr von Muren, kleinräumigen Überflutungen und Überschwemmungen. Stark betroffen sind auch die Steiermark und Kärnten.

Keine Vorhersage möglich

Wann genau und in welchem Ausmaß die Gewitterzelle über Österreich zieh, ist schwer zu prognostizieren, erklärt Zamg-Meteorologe Fritz Wölfelmaier: “Solche Gewitterzellen sind nicht vorhersagbar. Sie fallen sehr klein aus und können daher vom System nicht erfasst werden. Am Donnerstag kam hinzu, dass die Gewittercluster im Laufe des Tages zwar immer wieder nach Österreich zogen, dann aber abgeschwächt sind.” Erst ein bis zwei Stunden vor dem heftigen Unwetter konnten die Meteorologen das Ausmaß des Gewitters teilweise abschätzen und Warnungen ausschicken. “In diesem Fall spricht man von einem sogenannten Nowcasting-Verfahren”, so Wölfelmaier.

Für fünf Menschen kam jede Hilfe zu spät. Die heftigen Orkanböen forderten österreichweit fünf Todesopfer, darunter zwei Mäd­chen im Alter von vier und acht Jah­ren, die sich am St. An­drä­er See im La­vant­tal in Kärn­ten aufhielten. Sie wurden von umgestürzten Bäumen tödlich verletzt. In Gaming in Niederösterreich wurden drei Wanderer (52, 57 und 58 Jahre) von einem Baum erschlagen. Beim Frequency-Festival in St. Pölten sorgte das Unwetter für eine Unterbrechung samt, kurzzeitiger Räumung des Kerngeländes. Bis Freitagfrüh wurden 614 Menschen vom Roten Kreuz versorgt. 188 waren es laut Frank in der Nacht auf Freitag. Hinsichtlich von Verletzungen sei aufgrund des Unwetters und der Folgen “kein signifikanter Anstieg” registriert worden, heißt es laut Polizei. In Summe mussten 27 Personen ins Universitätsklinikum St. Pölten gebracht werden.

Sturmböen liegen im Extrembereich

Der Sturm fegte über Österreich und hinterließ in nur wenigen Momenten eine Spur der Verwüstung hinter sich. In den Tieflagen erreichten die Sturmböen Höchstwerte bis zu 139 km/h, etwa in Neumarkt (Bezirk Murau) in der Steiermark. “Sturmböen, mit bis zu 140 km/h, sind Messwerte, die im Extrembereich liegen”, sagt Wölfelmaier. In Graz wurde das Dach eines Supermarkts auf die Straße geschleudert und traf einen Linienbus.

Österreichweit liegt der Rekord mit der höchsten Windgeschwindigkeit bei 165 km/h, gemessen am Innsbrucker-Flughafen (2017). In der Steiermark und Kärnten liegen die Windspitzen im Talbereich bei 145 km/h in Irdning-Gumpenstein (2008) und Ferlach mit 129 km/h (2018).

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Kleine Zeitung

Erneute Regenwarnung für Freitag

Für den Westen Österreichs erwarten Meteorologen am Freitag erneut heftige Schauer. In Vorarlberg war die Lage laut Angaben der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) Freitagfrüh “nicht allzu dramatisch”. In der Nacht mussten die Feuerwehren in Dornbirn viermal ausrücken, weil Wasser in Gebäude eingedrungen war. Seit 7.00 Uhr verzeichnete die Leitstelle bisher sieben Einsätze, vor allem wegen überfluteter Keller im Raum Unterland. Man rechne mit Anhalten der teils intensiven Regenfälle aber mit weiteren Einsätzen im Laufe des Tages. Nach der langen Trockenheit blieben die Pegel der meisten Vorarlberger Bäche und Flüsse nach wie vor im Niedrigwasser-Bereich, nur kleinere Bäche in den Bezirken Dornbirn und Bregenz in der von den Niederschlägen am meisten betroffenen Nordstaulage führten am Donnerstag Hochwasser.

In Tirol waren bis Freitagvormittag noch keine nennenswerten Unwetter-Einsätze zu verzeichnen. Im Westen des Landes regnete es zunächst nur leicht, im Innsbrucker Zentralraum und im Unterland war es vorerst nur teils stark bewölkt. Für den Tagesverlauf wurde aber anhaltender, stärkerer Regen prognostiziert. Die größten Regenmengen sollen wahrscheinlich nördlich des Inn, an der Grenze zu Bayern, fallen. Regen gibt es auch in Salzburg, die Gewittergefahr fällt aber im Vergleich zu den westlichen Bundesländern eher gering aus.