Flora

Holunder gilt als Alleskönner

20.08.2022 • 18:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Holunderbeeren erntereif. Sie gelten als besonders gesund. Vorsicht: Nicht roh verzehren! <span class="copyright">NEUE Archiv</span>
Holunderbeeren erntereif. Sie gelten als besonders gesund. Vorsicht: Nicht roh verzehren! NEUE Archiv

Schwarzer Holunder ist ein unkomplizierter Gartenbewohner. Gleichzeitig gilt er als ökologisch wertvoll und Hausapotheke der Natur.

Wenn Du an einem Holunderbaum vorbeigehst, verneige Dich und zieh Deinen Hut“, sagten noch unsere Großeltern. Der auffallend weiß blühende Holunder gehört wohl zu den populärsten Heilpflanzen Mitteleuropas und stand einst neben jedem Haus gepflanzt. Seine duftenden Blüten zeigt der „Holler“ zwischen Mai und Juli. Holunderbeeren hingegen sind je nach Witterung im August oder September erntereif. Bei den schwarzviolett glänzenden, vitaminreichen Beeren handelt es sich jedoch genau genommen nicht um Beeren sondern um kleine Steinfrüchte, die sich vielseitig zu süßen kulinarischen Köstlichkeiten verarbeiten lassen.

Der schwarze Holunder gilt als "Hausapotheke der Natur". <span class="copyright">Shutterstock</span><span class="copyright"></span>
Der schwarze Holunder gilt als "Hausapotheke der Natur". Shutterstock

Hausapotheke

Den kleinen „Holler“beeren wird in vielerlei Hinsicht positive Wirkung zugeschrieben. Sie sind reich an Mineralstoffen, insbesondere an Kalium und Eisen, und enthalten die Vitamine A und C sowie gesunde Anthocyane, die den Früchten die charakteristische tiefrote oder blauschwarze Farbe verleihen.
Im Volksmund gilt der Schwarze Holunder daher als Hausapotheke der Natur. Aber Vorsicht, roh sind die Holunderbeeren ungenießbar, denn sie enthalten einen giftigen Pflanzeninhaltsstoff: Glykosid Sambunigrin. Dieser verursacht Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Krämpfe. Besonders Kinder sind gefährdet. Die gepflückten Beeren sollten also stets auf 70 Grad Celsius erhitzt werden, dann sind sie verträglich.

Beim Sammeln ist ebenfalls Vorsicht geboten. Denn der schwarze Holunder (Sambucus nigra) sollte nicht mit dem Zwerg-Holunder (Attich) verwechselt werden, weil dieser giftig ist. Die beiden Pflanzen unterscheiden sich in erster Linie in der Größe des Strauchs. Während der Zwergholunder nur bis zu 1,50 Meter groß wird, kann ein Holunderstrauch bis zu drei Meter erreichen. Darüber hinaus riecht der Zwergholunder unangenehm, die Blätter sind schmäler, die Beeren nach oben gerichtet und haben leichte Dellen.

Der Holunder kann die Haut beim ernten färben. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Der Holunder kann die Haut beim ernten färben. Shutterstock

Ernte-Tipp

Tipp für die Ernte: Handschuhe tragen, da die Früchte stark färben. Im besten Fall die komplette Dolde vom Strauch abschneiden. Geerntet werden bestenfalls nur Dolden, an denen alle Früchte komplett durchgefärbt sind. Für die Weiterverarbeitung rasch die Stiele und unreife grüne sowie rote oder braune Beeren entfernen. Tut man das nicht, könnte das einen ungünstigen Einfluss auf den Geschmack haben. Dann ist alles für die Verarbeitung bereit.
Holunder ist aber nicht nur aufgrund seines Angebots an nützlichen Blüten und Früchten ein beliebter Gartenbewohner. Das Gewächs hat einen hohen ökologischen Wert als Nähr- und Nistgehölz. Auf Holunder leben zahlreiche Insekten, die für Vögel zusätzlich zu den Beeren Futter bieten.

Nach dem ernten sollte man schnell den Stiehl und unreife Beeren entfernen.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Nach dem ernten sollte man schnell den Stiehl und unreife Beeren entfernen.Shutterstock

Platzeinnehmend

„Holler“ ist außerdem eine vergleichsweise anspruchslose Pflanze und wächst als Halbstrauch, Strauch oder kleiner Baum. Die besten Zeitpunkte zum Pflanzen sind Frühling und Herbst. Allzu große Ansprüche an den Standort hat der Strauch nicht. Benötigt wird jedenfalls genügend Platz. Mit einem stattlichen Wuchs passt die Pflanze kaum in kleine Gärten. Der Schwarze Holunder kann bis zu sieben Meter hoch werden und ausladend in die Breite wachsen.
Damit Holunder gut anwächst, sollte das Pflanzloch mit organischen Dünger wie Hornspäne oder Kompost bestückt werden.

Holunderblüte im Frühjahr. <span class="copyright">NEUE Archiv</span>
Holunderblüte im Frühjahr. NEUE Archiv

Rückschnitt

Wem das Gewächs zu groß geworden ist, kann es problemlos zurückschneiden. Das sollte im Herbst oder bis zum Frühjahr passieren. Holunder verträgt radikale Rückschnitte bis ins alte Holz.
Auch wer regelmäßig Früchte ernten möchte, sollte im Herbst die Zweige an denen Beeren gewachsen sind, stark zurückzuschneiden. Etwa zehn bis zwölf neue Triebe sollten stehenbleiben, sie tragen im Folgejahr wieder Früchte. Nur so fällt die Ernte stets reichlich aus. Überlässt man das Wildobst sich selbst, entwickelt es nur mäßige Erträge. Notfalls kann auch im Frühjahr vor dem Austrieb noch geschnitten werden.

Wächst der Holunder als Zierpflanze, ist nur alle paar Jahre ein Rückschnitt empfehlenswert.

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