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Warum es den Schmetterlingen heuer gut geht

22.08.2022 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Klaus Zimmermann von der inatura kennt sich mit Schmetterlingen aus.<span class="copyright">Stiplovsek</span>
Klaus Zimmermann von der inatura kennt sich mit Schmetterlingen aus.Stiplovsek

Heuer gibt es recht viele Schmetterlinge. Die Population hat sich aber nicht erholt.

Diesen Sommer sind öfters Tiere zu sehen, die in Vorarlberg selten geworden sind: Schmetterlinge.

Sowohl in der Höhe als auch in nieder gelegenen Orten flattern sie umher oder laben sich an Blüten. „Das warme Wetter tut diesen Insekten gut“, erklärt Klaus Zimmermann, biologischer Fachberater der Inatura in Dornbirn. „Alle wechselwarmen Tiere – ob Schmetterlinge, Libellen oder Eidechsen – profitieren von Wärme. Sie heizen sich bereits in der Früh auf und können dadurch tagsüber aktiver sein.“ Umgekehrt sind sie umso unbeweglicher, je kälter es ist. Weitere Vorteile für Schmetterlinge bei warmem Wetter sind: Die Blüten der Blumen sind geöffnet, was den Tieren ihre nächste Mahlzeit sichert und sie können fliegen – bei Regen warten sie nämlich ab und sind nicht in der Luft. Vom heurigen Sommer profitieren die meisten Schmetterlingsarten, die es in Vorarlberg gibt.

Der kleine Fuchs. <span class="copyright">Shutterstock </span>
Der kleine Fuchs. Shutterstock

Pflanzen vertrocknen

Generell jedoch profitieren Schmetterlinge nicht von der Klimaerwärmung: „Prinzipiell ist alles von der Dosis abhängig. Wenn es zu heiß ist, funktioniert vieles nicht mehr. Pflanzen vertrocknen zum Beispiel und Schmetterlinge verlieren ihre Nahrungsgrundlage“, sagt Klaus Zimmermann. Bisher sei Vorarlberg diesbezüglich noch glimpflich davongekommen, aber wenn die Sommer noch wärmer werden, könnten solche Szenarien eintreten.
Dass es den Schmetterlingen diesen Sommer gut geht, bedeutet auch nicht, dass die Population sich erholt hat. „Die Bedrohung ist nicht geringer geworden. Die Faktoren, die diesen Tieren schaden, sind nach wie vor gegeben“, sagt der Experte der Inatura.

Die Bedrohung für Schmetterlinge ist nicht geringer geworden, auch wenn es heuer viele gibt. Die Faktoren, die diesen Tieren langfristig schaden, sind nach wie vor gegeben.

Klaus Zimmermann, Inatura

Bedroht werden sie durch den Verlust von Futterpflanzen und von ihrem Lebensraum, beispielsweise wenn ein Moor trockengelegt wird. Bodenversiegelung, intensiv betriebene Landwirtschaft, Monokulturen, Insektizide und Pestizide sind weitere Faktoren, die für das Schmetterlingssterben verantwortlich sind. Auch Rasen, die stets auf fünf Zentimeter getrimmt sind, sind lebensfeindlich für diese Tiere.

Das Tagpfauenauge. <span class="copyright">blühendes österreich </span>
Das Tagpfauenauge. blühendes österreich

Alles anders im nächsten Jahr?

Weil es heuer viele Schmetterlinge gibt, wird die Fortpflanzung vermutlich gut laufen. Es sei denn, der Winter wird streng und die Tiere überleben ihn nicht. Wie es ihnen dann im nächsten Frühjahr und Sommer gehen wird, kann niemand vorhersagen. Neben den oben genannten Faktoren, die stets gegeben sind und sie belasten, kommt es auch im nächsten Jahr wieder darauf an, wie das Wetter sein wird.

Hilfe für Schmetterlinge

Ein Rasen, der immer auf fünf Zentimeter gemäht wird, ist für Insekten gleich lebensfeindlich wie ein Stück Beton. „Grünen Beton“, nennt Klaus Zimmermann das. Denn auf solch einem Rasen blüht nichts. „Gerade für die Schmetterlinge ist das völlig uninteressant, sie brauchen Blühpflanzen“, so der Experte der Inatura. Wer also etwas für die Schmetterlinge tun will, lässt eine Vielfalt an heimischen Pflanzen im Garten zu. Auch Brennnesseln sollten nicht abestutzt werden, denn mehrere Schmetterlingsarten legen ihre Eier darauf ab. Zupft ein Mensch die Pflanzen aus, nachdem die Eier dort abgelegt wurden, kann kein Schmetterlingsnachwuchs daraus hervorgehen.

Brennnesseln sind wichtig für Schmetterlinge. <span class="copyright">Neue</span>
Brennnesseln sind wichtig für Schmetterlinge. Neue

Schmetterlingsarten

In Vorarlberg werden aktuell 2501 Arten von Schmetterlingen gezählt. Dazu zählen auch viele bekannte Arten wie der Schwalbenschwanz, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, der C-Falter, der Schiller- und der Distelfalter. Seit die Sommer wärmer werden, kommen verstärkt auch wärmeliebende Arten vom Mittelmeerraum und Afrika nach Vorarlberg. „Sie überleben den Winter jedoch meist nicht, weil er zu kalt für sie ist“, erklärt Klaus Zimmermann von der Inatura. „Wenn wir aber zunehmend wärmere Winter erleben werden, kann es sein, dass diese Schmetterlinge auch bei uns überwintern können.“ In Bayern wurde seit ein paar Jahren nachgewiesen, dass sich der Totenkopfschwärmer – eine Schmetterlingsart, die es sonst nur in Afrika und am Mittelmeer gibt – erfolgreich reproduzieren und den Winter überleben kann. „Wenn er das in Bayern schafft, schafft er es in Vorarlberg auch“, sagt Klaus Zimmermann.

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