Kultur

Kunstschaffen auf über 2000 Metern Seehöhe

25.08.2022 • 18:31 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Künstlerin Maria Hanl beim SilvrettAtelier. <span class="copyright">Roland HAAs</span>
Die Künstlerin Maria Hanl beim SilvrettAtelier. Roland HAAs

Neun Künstlerinnen und Künstler sind seit knapp einer Woche beim mittlerweile 13. SilvrettAtelier auf der Versettla in Gaschurn am Arbeiten.

Bei der Ankunft am vergangenen Samstag lag die Landschaft noch im Nebel. Am Sonntagmorgen strahlte dann die Sonne vom Himmel, ein „Traumwetter“, das die ganze Woche anhalten sollte. Zum 13. Mal findet derzeit das vom Montafoner Künstler Roland Haas initiierte und geleitete SilvrettAtelier statt, zum vierten Mal auf der Versettla in Gaschurn. Stützpunkt ist das im Sommer geschlossene Bergres­taurant Nova Stoba neben der Bergstation der Versettla-Bahn auf gut 2000 Metern Seehöhe.

Neben Haas nehmen noch acht nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler am Kunst-Symposium teil. Es sind dies Marc-Alexandre Dumoulin (CAN/AT), Hannes Egger (IT), Janine Eggert und Philipp Ricklefs (D), Maria Hanl (AT) Eva-Maria Lopez (D, F), Lukas Troberg (AT) sowie Katharina Anna Wieser (CH). Zwei Wochen lang, bis zum 3. September, werden sie nun im Hochgebirge leben und arbeiten – die Ergebnisse werden dann im nächsten Jahr in Ausstellungen in Bregenz und Schruns gezeigt.

Projektleiter Roland Haas. <span class="copyright">Roland HAAS</span>
Projektleiter Roland Haas. Roland HAAS

Ateliers im Restaurant

Haas ist beim Anruf der NEUE gerade im „Atelier“, dem unteren Stockwerk des Restaurants. „Ich habe das Gefühl, dass sich dieses Mal mehrere Ateliers eingerichtet haben“, erzählt er. Noch sei es ein wenig zu früh, um zu sagen, woran die Künstlerinnen und Künstler genau arbeiten. Einiges zeichne sich aber schon ab. Lopez habe angefangen, mit Cyanotypie zu arbeiten, so Haas. Dabei handelt es sich um ein fotografisches Druckverfahren. Als Motive sei sie auf der Suche nach Pflanzen.

Die Steilheit und Schroffheit der Umgebung und die vorhandenen technischen Eingriffe seien für das Duo Eggert und Ricklefs, die aus dem Flachland stammen, besonders spannend, erzählt der künstlerische Leiter. Sie werden vermutlich damit arbeiten. Rar geworden sind heuer die Schneestangen, die bei den vergangenen SilvrettAteliers immer wieder für Arbeiten verwendet wurden. „Das ist auch ausgereizt“, stellt Haas fest. Laut seinen Beobachtungen werde in diesem Jahr vermehrt mit Stoff, mit Textilien gearbeitet. „Jetzt ist aber noch die Phase des Suchens und Sammelns“, erklärt er.

Projektleiter Roland Haas nimmt die „Steinmännchen“ ins Visier.<span class="copyright"> Roland Haas </span>
Projektleiter Roland Haas nimmt die „Steinmännchen“ ins Visier. Roland Haas

„Seuche Steinmännchen“

Haas selber will heuer ein Video machen. Dafür hat er eine laut ihm „Seuche“ ins Visier genommen – und zwar jene der „Steinmännchen“. Die übereinander gestapelten Steine dienten ursprünglich als Wegmarkierungen, mittlerweile sind sie allerdings an vielen Orten recht inflationär vorhanden. In Haas’ geplantem Superzeitlupenvideo soll es einigen von ihnen an den Kragen gehen. „Ich bin gespannt, ob es funktioniert“, sagt er.

Als besonders positiv am SilvrettAtelier hebt der künstlerische Leiter hervor, dass die Kunstschaffenden keinem Stress ausgesetzt sind. Sie müssen nicht am Ende der zwei Wochen eine fertige Arbeit präsentieren, sondern können ein Projekt noch weiterentwickeln. Gezeigt werden sollen die Werke Ende März des nächsten Jahres im Bildraum Bodensee in Bregenz und im darauffolgenden Herbst in einer kleineren Ausstellung im Kunstforum in Schruns.

Fast ein Vierteljahrhundert

Das erste SilvrettAtelier fand 1998 statt, damals noch auf der Bielerhöhe. „Nächstes Jahr haben wir das 25-Jahr-Jubiläum“, stellt der künstlerische Leiter fest, für den das alle zwei Jahre stattfindende Symposium auch nach all den Jahren seinen Reiz nicht verloren hat: „Mittlerweile ist schon die nächste Generation da und es ist spannend zu sehen, wie sie arbeiten.“ Beim ersten Atelier habe es noch kaum Computer gegeben, die technischen Möglichkeiten hätten sich grundlegend gewandelt, beschreibt Haas eine der Veränderungen.
Die teilnehmenden Kunstschaffenden sucht Haas aus. Dabei handelt es sich zumeist um Empfehlungen früherer Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder – seltener – Eigenbewerbungen. „Die Auswahl ist immer ein längerer und recht schwieriger Prozess“, so Haas. Die Veranstaltung „klingt zwar nach Postkartenidylle, kann aber auch heftig werden“ – etwa bei längeren Schlechtwetterphasen. Wenn es dann klappt, ist er immer wieder glücklich. „Da entstehen wirklich wahnsinnig spannende Gespräche und Vernetzungen und ich bin dann schon stolz darauf, was für tolle Leute hier arbeiten.“

Lukas Troberg arbeitet im „Atelier“ mit Ski. <span class="copyright">Roland HAAs</span>
Lukas Troberg arbeitet im „Atelier“ mit Ski. Roland HAAs

Öffentliche Termine

In den nächs­ten Tagen gibt es im Rahmen des SilvrettAteliers auch zwei öffentliche Termine fürs Publikum: So haben Interessierte beim offenen Atelier am kommenden Samstag, 27. August, von 12 bis 15 Uhr die Möglichkeit, mit Projketleiter und Künstler Roland Haas vor Ort über die wohl außergewöhnlichste Kunstbiennale des Alpenraums zu diskutieren.

Darüber hinaus gibt es am kommenden Mittwoch, 31. August, von 9 bis 11 Uhr die Möglichkeit, gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern in der Nova Stoba zu frühstücken – Voranmeldung bis am Vortag 12 Uhr unter Tel. 05557-6300-510 (Preis Erwachsene: 19,50 Euro, gültiges Liftticket erforderlich). Auf Wunsch ist auch eine Besichtigung der einzelnen Ateliers möglich.

www.silvrettatelier.at

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