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Wanderung hoch über dem Rheintal

26.08.2022 • 19:03 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Blick über Ebnit mit Winterstaude im Hintergrund. <span class="copyright">GERHARD VYLET</span>
Blick über Ebnit mit Winterstaude im Hintergrund. GERHARD VYLET

Wanderführerin Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern rund um den Bocksberg nach Ebnit und über Fluhereck weiter nach Millrütte. Genussvolle Öffis-Wanderung.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Spannende Höhenwanderung mit ungeahnt weitem Blick übers Rheintal.

Markierungen: Gelb-weiß, weiß-rot-weiß.

Anforderung und Gehzeit: In circa drei Stunden sind im Auf und Ab des Wegverlaufs etwa 380 Höhenmeter zu bewältigen, Trittsicherheit erforderlich.

Charakter der Wege: Straße, Forst- und Waldwege, abschüssige Felsenkanten.

Kultur und Natur: Walserdorf Ebnit, Naturschutzgebiet Hohe Kugel – Hoher Freschen – Mellental.

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle, Kleidung je nach Wetter, Jause, Getränke

Einkehrmöglichkeiten: In Ebnit, bei Fluhereck, in Millrütte.

Start: Hohenems Bahnhof mit dem Bus Linie 55 nach Schuttannen.

Ende: Millrütte oberhalb Götzis, mit Bus Line 6 nach Götzis Bahnhof.

Am Bahnhof Hohenems beginnt die Wanderung mit einer abenteuerlichen Busfahrt über die schmale und steile Straße nach Schuttannen. Eine erste Straße wurde 1857 gebaut, 1932 jene mit dem heutigen Verlauf, welche über die Jahre immer wieder verbessert und ausgebaut wurde.
Der Name Schuttannen soll von einer Wettertanne stammen, die weithin sichtbar war. Im Jahr 1324 ist eine Nutzung als Maiensäß durch Ulrich den I. von Ems erwähnt. Die Alpe ist von den sie umgebenden Bergen Bocksberg, Schwarzenberg, Staufen und dem Schönen Mann fast umringt.

Spätenbachalpe

Bei der Endhaltestelle zeigt der Wegweiser verschiedenste Wanderziele an, so auch den Weg zur Spätenbachalpe. Der Forstweg führt am Ende des Parkplatzes zuerst flach, ab der Weggabelung leicht abwärts in den Wald.
Kurz darauf wird der Spätenbach gequert und die Felswände des Bocksbergs treten imposant in Erscheinung. Rasch ist die Abzweigung erreicht, bei der es rechts über den Hackwald nach Ebnit geht. Das Gelände wird steiler, der Wald wilder und der Weg schmaler. Immer näher führt der Weg im Auf und Ab an die Felswände des Bocksbergs, um schließlich direkt über den Felsen zu einem Aussichtspunkt aufzusteigen.

Felsmassive

Staufen, Kehlegg und die Hügelkette des Hohen Knopfs sind an diesem Punkt im Blickfeld. Ab hier wird der Weg etwas breiter und führt zur Abzweigung Hoher Gang. Gemütlich geht’s auf dem Waldweg an weiteren Felsmassiven vorbei zu einer Wiese, von der aus die Gebirgskette des Dornbirner Firsts gut zu sehen ist. Es nicht mehr weit nach Hackwald, wo die Straße übernimmt und nach Ebnit führt.

Der Wurzelweg rund um den Bocksberg. <span class="copyright">GERHARD VYLET</span>
Der Wurzelweg rund um den Bocksberg. GERHARD VYLET

Das beschauliche Ebnit ist 1351 als Walsersiedlung „Ebenot“ erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1932 gehört es jedoch zu Dornbirn. Durchs Dorf kommt man am Gasthof, der Kirche und der Jausenstation vorbei, folgt danach links der Straße bis zur Abzweigung Roßwoad, wo der Waldweg nach Fluhereck beginnt.

Aussichtspunkt

Auf dem schönen Waldwurzelweg gewinnt man schnell an Höhe und erreicht bald einen Aussichtspunkt, von dem aus Ebnit gut zu sehen ist. Auf der folgenden Weide sind vielleicht Pferde anzutreffen. Kurz darauf überquert man den Bruderbach, steigt zur Straße und erreicht das Fluhereck. Hier erstreckt sich das Naturschutzgebiet „Hohe Kugel – Hoher Freschen – Mellental“, welches sich auf Seite über Millrütte bis hinunter nach Götzis reicht. Es bieten sich verschiedene Möglichkeiten in der wunderbaren Natur Rast zu machen oder einzukehren.
Bei der Emser Hütte beginnt die vorletzte Etappe der Wanderung. Der Wegabschnitt nach Millrütte verläuft auf der Forststraße. Dies erleichtert es den Blick übers Rheintal schweifen zu lassen. Über den Rüttkopf bei Millrütte schaut man übers Rheintal zum Alpstein und den Churfirsten. Auf der anderen öffnet sich das Rheintal, weitläufige Appenzell und der Bodenseeraum. Am Wegesrand sind auch verschiedene schöne Blumen und vielleicht sogar Schmetterlinge zu betrachten.

Abenteuerlich

Kugelbach, Finsternaubach und zuletzt der Gsohlbach beim Klederertobel werden überschritten, ehe am Flachmoor beim Naturfreundehaus vorbei Millrütte erreicht wird. Mit dem Bus geht’s hinunter zum Bahnhof Götzis. Wiederum eine kurvenreiche, abenteuerliche Fahrt zum Abschluss der Rundwanderung.

Der Kaisermantel ist in Europa stark verbreitet.<span class="copyright">GERHARD VYLET</span>
Der Kaisermantel ist in Europa stark verbreitet.GERHARD VYLET

Die Eisenringe am Emser Schrofen

Das Volk glaubt – und meine Mutter hat es oft von der Urahne gehört – das ganze Rheintal sei einstmals ein weiter, großer See gewesen und das Wasser sei über alle jetzt bewohnten Hänge und Halden hingeflutet. Am Spallen bei Götzis und hoch oben am Emser Schrofen habe man früher mächtige Eisenringe sehen können, an denen die Leute in jener grauen Vorzeit die Schiffe angebunden haben. Vor hundert Jahren haben noch alte Männer gelebt, die die Ringe mit eigenen Augen gesehen haben.

Das Naturschutzgebiet Hohe Kugel–Hoher Freschen–Mellental erstreckt sich über zehn Gemeinden von Götzis bis nach Damüls und ist damit eines der größten Schutzgebiete in Vorarl­berg. Die wenig erschlossene Landschaft bildet ein wichtiges Rückzugsgebiet für zahlreiche Wildtiere, die auf weitläufige und naturnahe Lebensräume angewiesen sind.

Der Kaisermantel ist ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter und hat eine Spannweite von bis zu 65 Millimeter. Der in Europa stark verbreitete Schmetterling kommt an sonnigen, blütenreichen Waldrändern und Lichtungen bis auf Höhen von 2000 Metern vor. In der Flugzeit von Juni bis August saugen die Falter an verschiedenen Blüten wie unter anderem am Gewöhnlichen Wasserdost, der Brombeere oder an Distelköpfen. Nach einem Balzflug wird vom Weibchen ein geeigneter Baum (Kiefer oder Fichte) zur Eiablage gesucht. Die Raupen schlüpfen im Spätsommer, sind dunkelbraun und haben zwei dünne, eng nebeneinander liegende gelbe Rückenlinien. Sie überwintern in der Rinde und kriechen im Frühling vom Baum, um sich nachts von Veilchen zu ernähren.

Die Vogelbeere gehört zu den Rosengewächsen.<span class="copyright">GERHARD VYLET</span>
Die Vogelbeere gehört zu den Rosengewächsen.GERHARD VYLET

Blumenkunde

Vogelbeere (Sorbus aucuparia) oder Eberesche gehört zur Gattung der Mehlbeeren in der Familie der Rosengewächse. Zu den Rosengewächsen zählen auch die Kernobstgewächse wie etwa Äpfel und Birnen. Die Früchte der Vogelbeere sehen wie kleine Äpfel aus. Für Vögel und Säugetiere ist es eine wichtige Futterpflanze. Der Baum kann 80 bis 120 Jahre alt und bis zu 15 Meter hoch werden. Die Vogelbeere ist als edles Destillat bei Schnapsliebhaberinnen und -liebhabern beliebt.

Quellen: Flora Helvetica- Haupt Verlag, Was blüht denn da? Kosmos Verlag, Wikipedia, alpenrose-ebnit.com, emserhuette.naturfreunde.at, goetznerhaus.naturfreunde.at, Vorarlberg Atlas, sagen.at, Welches Insekt ist das? Kosmos Verlag, vmobil.at

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