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Zunahme von Wölfen in Vorarlberg

26.08.2022 • 12:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Vorarlberg könnten sich wieder vermehrt Wölfe aufhalten. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
In Vorarlberg könnten sich wieder vermehrt Wölfe aufhalten. Stiplovsek 

Nach zwei Jahren Pause ist im Juli in Vorarlberg wieder ein Wolfsriss verzeichnet worden. Sowohl die zuständigen Stellen im Land als auch die Landwirtschaft befinden sich in “Bereitschaft”.

Der Wolf habe seine Berechtigung, aber nicht in unkontrollierbarer Zahl und vor allem nicht als tödliche Gefahr für das Vieh, sagte Hubert Schatz, Wildbiologe des Landes, kürzlich im Interview mit den “Vorarlberger Nachrichten”. Eine Zunahme der Wolfpräsenz im Land sei sehr wahrscheinlich.

Der Wolfsriss im Juli geschah im Gauertal, das Hochgebirgstal gehört zur Montafoner Gemeinde Tschagguns. Die bis dahin letzten Meldungen über Wolfsrisse in Vorarlberg stammten aus dem August 2020. Damals tötete ein Wolf im Bregenzerwald gleich mehrere Schafe. Das Tier hielt sich bevorzugt im Grenzgebiet des Bregenzerwalds zum Allgäu auf. Überhaupt ist Vorarlberg vom Wolf “umzingelt”. Im Ostschweizer Kanton Graubünden ist ein Wolfspärchen dokumentiert, das möglicherweise für den Riss im Gauertal verantwortlich sein könnte – gesichert ist das aber nicht. Auch ist die Problematik in Tirol und Südtirol bekannt. In Vorarlberg wurden 2020 laut WWF-Monitoring zwei Wölfe nachgewiesen, im ersten Halbjahr 2021 waren es drei.

Das Schweizer Wolfspaar dürfte Junge haben, das hätte auch Auswirkungen auf Vorarlberg, glaubt Schatz. “Ihr Jagdgebiet würde natürlich auch in unsere Region reichen. Nach einem Jahr wären die jetzigen Welpen als Jungwölfe aktiv, und sie könnten sich bald auch bei uns ein Revier suchen”, so die Einschätzung des Wildbiologen. Wenn sich Wölfe täglich in der Vorarlberger Region aufhielten, werde es zu Konflikten kommen, prophezeite Schatz. In der Schweiz habe man versucht, ein Miteinander zwischen Wolf, Mensch und Nutztier zu erreichen, doch stoße man dort jetzt an Grenzen. “Der Wolf muss frühzeitig in seinen Quell­Populationen in Italien, Deutschland und der Schweiz reguliert werden”, sagte Schatz.

Der Wildbiologe hält den Schutz des Wolfes zwar für berechtigt, “aber nicht in der extremen Form auf Basis der europäischen FFH-Richtlinie. Wir müssen flexibler werden und europaweit praktikable Regelungen schaffen”, stellte der 57-Jährige fest. In Vorarlberg habe man die Hausaufgaben für Herdenschutz gemacht, der Herdenschutz aber habe Grenzen. “Je weiter es ins hochalpine Gelände geht, desto schwieriger wird es. Man kann nicht einfach großräumige Umzäunungen machen und dadurch andere Wildtiere gefährden”, so Schatz.

Vorarlbergs Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger – er ist auch Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich – hatte 2020 den Abschuss des Wolfes gefordert, der für die Risse im Bregenzerwald verantwortlich zeichnete. Moosbrugger sieht die Weidetierhaltung mit dem Auftreten des Wolfes massiv gefährdet. Ein Nebeneinander von Wölfen und Schafen sei illusorisch und Herdenschutz bei Almvieh unpraktikabel. Mit europaweit 20.000 Individuen sei der Wolf in Europa keine bedrohte Art mehr.

jh/agr/hai/APA

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