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Gelungenes Gartenjahr, trotz Schwierigkeiten

27.08.2022 • 17:02 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Frisches Gemüse vom Mahlerhof.<span class="copyright">Matthias Weissengruber</span>
Frisches Gemüse vom Mahlerhof.Matthias Weissengruber

Wie ist die heurige Ernte bislang ausgefallen, welche Folgen hatten die Extrem-Wetterereignisse auf den Gemüseanbau und wie zufrieden ist man im Land? Eine Bilanz.

Das heurige Gartenjahr brachte bisher sowohl für Obst- und Gemüsebauern, Gärtnereien als auch Hobbygärtner einige Herausforderungen mit sich. Trotz hoher Temperaturen, vieler Trockenphasen und diverser Extrem-Wetterereignisse wie Starkregen und Hagel sei man aber dennoch zufrieden, erklärt Harald Rammel, Gartenreferent der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Welche Auswirkungen der Starkregen vom Freitag der Vorwoche tatsächlich hat und wie hoch der Ernteausfall dadurch ist, könne man noch nicht konkret sagen. Teils haben die Niederschläge jedoch ganze Felder geflutet. So auch jene von Jürgen Meusburger aus Koblach. Er ist einer der größten Gemüsebauer des Landes. Betroffen waren unter anderem seine Kartoffel-, Zwiebel- und Krautfelder. „An gewissen Stellen stand das Wasser bis zu 35 Zentimeter hoch“, erzählt Meusburger.

Der Starkregen flutete die Felder von Gemüsebauer Jürgen Meusburger. <br><span class="copyright">Jürgen Meusburger</span>
Der Starkregen flutete die Felder von Gemüsebauer Jürgen Meusburger.
Jürgen Meusburger

Zuerst hätte er mit einem 100-prozentigen Ernteausfall gerechnet, mittlerweile sei er aber etwas optimistischer gestimmt. „Vielleicht hatten wir teilweise Glück, da wir das Wasser bereits bis Samstagmittag abpumpen konnten.“ Genaueres wisse er aber erst Mitte nächster Woche. Insgesamt gibt er sich mit seiner bisherigen Ernte trotzdem zufrieden, auch wenn er aktuell davon ausgeht, dass diese durch den wetterbedingten Ausfall unter dem langjährigen Durchschnitt liegen wird. Ohne die kürzlichen Starkregen-Ereignisse hätte man vermutlich von einem überdurchschnittlichen Jahr sprechen können, meint er.

Gemüsebauer Jürgen Meusburger aus Koblach. <span class="copyright">Hartinger</span>
Gemüsebauer Jürgen Meusburger aus Koblach. Hartinger

Trotz Hagel zufrieden

Auch wenn die Gärtnerei-Mahlerhof von Jenny und Dominik Lumaßegger in Höchst vom Starkregen verschont geblieben ist, hatte man auch dort mit den heurigen Wetterereignissen zu kämpfen. Insgesamt wurde ihr Betrieb nämlich dreimal vom Hagel heimgesucht. Während sich die Schäden dabei zweimal in Grenzen hielten, traf es die Gärtner einmal besonders hart: „Die Setzlinge und das Fertiggemüse auf den Feldern sind vom Hagel zerstört worden,“ schildert Lumaßegger. Da am Mahlerhof neben Gemüsesetzlingen und frischem Gemüse, unter anderem aber auch Kräuter, Beet- und Balkonblumen, sowie Obst- und Beerenpflanzen verkauft werden, könne man im Großen und Ganzen trotzdem von einem sehr guten Jahr sprechen.

 Jenny und Dominik Lumaßegger vom Mahlerhof. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Jenny und Dominik Lumaßegger vom Mahlerhof. Stiplovsek 

Auf die Frage, was von alledem heuer am gefragtesten war, antwortet Dominik Lumaßegger mit „alles“. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie könne man nicht mehr konkret sagen, was gut gekauft wird und was nicht. Beim Gemüse seien Klassiker wie Snackgurken und Tomaten nach wie vor im Trend, aber auch andere Pflanzenkulturen würden gut funktionieren. Dass seit Beginn der Pandemie ein großer Aufschwung rund ums Thema Garten beobachtet werden kann, weiß auch Experte Harald Rammel. „Viele junge Familien setzen sich nun wieder intensiv mit dem gärtnern auseinander und wollen sich selbst versorgen, was höchst erfreulich ist.“

Ernteerfolge trotz Hitze

Ebenso erfreulich seien auch die aktuellen Ernteerfolge. „Derzeit schöpfen wir aus dem Vollen. Wir können Salate, Kraut, Brokkoli, Zucchini, Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Kartoffel und vieles mehr ernten.“ Die Liste an heimischen Produkten ist lang und man sei gut aufgestellt. Im Moment habe man eine Selbstversorgungsquote von 30 bis 35 Prozent im Land.“ Und dass trotz der hohen Temperaturen im Frühling und Sommer. „Die Hitze konnte mit ausreichend Bewässerung kompensiert werden“, teilt Rammel der NEUE mit. Für viele Landwirte und Gärtner habe dies jedoch für deutlichen Mehraufwand gesorgt, denn nicht jeder habe eine fixe Bewässerungsanlage verbaut.

Regina Haller von der Gärtnerei Blumen Haller. <span class="copyright">Hartinger</span>
Regina Haller von der Gärtnerei Blumen Haller. Hartinger

Zusätzliche Arbeit hatte auch Regina Haller von der Gärtnerei „Blumen Haller“ aus Langen bei Bregenz. „Wir haben die Pflanzen oft zweimal täglich gegossen. Ein Mitarbeiter war meist den ganzen Tag damit beschäftigt“, schildert sie. Vom kürzlichen Wassermangel in der Gemeinde blieb der Betrieb verschont. Regina Haller erklärt: „Neben unserer Gärtnerei befindet sich ein Graben. Dort gab es zwar weniger Wasser als sonst, dennoch hatten wir keine Probleme.“ Unterschiede zum Vorjahr hinsichtlich Verkaufszahlen merke sie keine. Es sei alles in allem ein gutes Jahr gewesen.

Gartenreferent der Landwirtschaftskammer und Geschäftsführer Vorarlberger Gärten, Harald Rammel. <span class="copyright">Rammel</span>
Gartenreferent der Landwirtschaftskammer und Geschäftsführer Vorarlberger Gärten, Harald Rammel. Rammel

Leicht über dem Durchschnitt

Auch der LK-Experte kann sich dem nur anschließen. Laut seinen Einschätzungen soll das heurige Gartenjahr etwas besser ausfallen als das Vergangene. Denn vor allem der Sommer sei im Vorjahr sehr feucht gewesen, weshalb es vermehrt zu Pflanzenkrankheiten gekommen sei. Während 2021 leicht unterdurchschnittlich war, soll 2022 nun etwas über dem Durchschnitt liegen. Natürlich hätten Hagel oder Starkregen bei manch einem Obst- oder Gemüsebauern gröbere Schäden angerichtet. „Die Rechnung wird daher erst am Schluss gemacht. Wenn es die nächsten Wochen nochmals zu Extrem-Wetterereignisse kommt, kann sich das Blatt nämlich schnell wieder wenden.“ Dass gewisse Pflanzen dieses Jahr besonders schlecht gewachsen sind, wäre Rammel nicht bekannt. Allerdings sei die Kirschernte heuer nicht wirklich gut ausgefallen.

Das bestätigt auch Jens Blum, Obmann der Vorarlberger Obstbauern und ergänzt zudem: „Betroffen waren jene Bauern, die keine Netze zum Schutz vor der Kirschessigfliege hatten.“ Ansonsten sei es auch hinsichtlich des Obstes und der Beerenfrüchte im Schnitt bisher ein gutes Jahr gewesen. Wie in allen Bereichen sei der Ertrag überall etwas unterschiedlich. Außerdem könne in den nächsten Wochen noch einiges an Obst geerntet werden.

Jens Blum, Obmann der Vorarlberger Obstbauern. <span class="copyright">Hartinger</span>
Jens Blum, Obmann der Vorarlberger Obstbauern. Hartinger

Lagertipps

Für all jene, die nach der Ernte nicht wissen, wohin mit dem Gemüse oder Obst hat Harald Rammel ein paar Tipps auf Lager. Tomaten oder Zucchini können beispielsweise zu Sugos eingekocht, Äpfel und andere Obstsorten hingegen zu Kompott, Apfelmus oder frischem Kuchen verarbeitet werden. Neben Einkochen und Einfrieren gibt es aber auch die Möglichkeit zu fermentieren. Andere Kulturen wie Kartoffeln oder Karotten können den Winter über auch gelagert werden. Für den Lagererfolg ist die Kombination aus entsprechender Temperatur und Luftfeuchtigkeit besonders entscheidend. Damit sich der Stoffwechsel des Gemüses nach der Ernte verlangsamt, sollte es im Lager kühl, dunkel und nicht zu trocken sein. Zudem dürfe Obst und Gemüse niemals im selben Raum aufbewahrt werden, da gewisse Kulturen wie Äpfel ein Reifegas abgeben und dadurch den Stoffwechsel von anderem Obst oder Gemüse beschleunigen.

Die kommenden Wochen

Aktuell und in den kommenden Wochen werden mit unter noch Äpfel und Birnen, sowie Kürbisse und verschiedenen Kraut- und Kohlarten geerntet. Zeitgleich werden auf den Feldern Herbstkulturen wie Spinat, Rucola oder Nüsslisalat gepflanzt. Rund um Allerheiligen im November werden diese dann meist geerntet. Denn die Gartensaison im Freien, die meist im März beginnt, nimmt dann ihr Ende. Gewisse Winterkulturen können in Gewächshäusern oder Folientunnel allerdings auch den Winter überleben. So schließt sich der Kreislauf des Gartenjahres dann wieder.

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