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Was tun, wenn Interpol anruft?

27.08.2022 • 18:38 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
In der letzten Zeit häufen sich Anrufe angeblicher Europol- oder Interpol-Mitarbeiter.<br> <span class="copyright">Shutterstock</span>
In der letzten Zeit häufen sich Anrufe angeblicher Europol- oder Interpol-Mitarbeiter.
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Experten des LKA geben einen Überblick zu aktuellen Tricks der Telefon- und Internetbetrüger.

Das Telefon klingelt, man hebt ab. Eine Stimme – offenbar eine Bandansage – macht klar, dass dieser Anruf von Interpol veranlasst wurde. Persönliche Daten seien gestohlen worden und damit würden die Täter nun Straftaten begehen. „Für weitere Informationen bitte Taste XY drücken“, heißt es sinngemäß weiter.
Alleine das Wort „Interpol“ verunsichert viele Betroffene und sie folgen den Anweisungen. Besser nicht, denn es handelt sich um Trickbetrug. Wer auflegt und nicht weiterverbinden lässt, dem kann nichts passieren, raten Experten. Ein Team von Beamten der Abteilungen Betrug und IT-Beweissicherung beim Landeskriminalamts haben die wichtigsten Fragen zu aktuell kursierenden Betrugsmaschen beantwortet.


1. Was hat es mit den Interpol- oder Europolanrufen auf sich?
Wer eine Taste drückt wird mit einem Callcenter verbunden. Ein „Mitarbeiter“ informiert, dass die Identität gestohlen wurde und damit strafrechtliche Handlungen wie Drogenschmuggel oder Geldwäsche getätigt wurden und man Geld bezahlen muss, um von der Fahndungsliste gestrichen zu werden. Zur Zahlung werden verschiedene Möglichkeiten angeboten. Teilweise wird man sogar aktiv bei der Einrichtung von Konten bei Kryptowährungsanbietern unterstützt. Das erfolgt die Installation einer Software für Fernzugriffe, wodurch das Mobiltelefon oder der Computer des Opfers ferngesteuert werden kann. Die Vorgehensweise der Täterschaft kann sich aber jederzeit ändern oder individuell dem Opfer angepasst werden.


2. Können solche Anrufe zurückverfolgt werden?
Die eigentliche Rufnummer wird von der Täterschaft mittels „Caller-ID-Spoofing“ verschleiert. Eine Rückverfolgung der tatsächlichen Telefonnummer ist daher erschwert oder gar nicht möglich.


3. Derzeit sind auch vermehrt Fake-SMS im Umlauf, die bevorstehende Lieferung eines Paketes vortäuschen? Was passiert, wenn der darin enthaltene Link geöffnet wird?
Hier ist es vor allem davon abhängig mit welchem Gerät der Link geöffnet wird. Beim Anklicken wird man jedenfalls auf verschiedenen Seiten geleitet. Das umfasst beispielsweise Phishingseiten, auf denen versucht wird die Zugangsdaten von Social-Media-Accounts, Webshops oder Onlinebanking zu erlangen. Oder Abofallen, bei denen Geschädigte unbewusst Abonnements abschließen oder auch die Aufforderung zur Installation einer App, bei der es sich um Schadsoftware handelt.


4. Wie kommt meine Handynummer in die Hände der Betrüger?
Entweder probiert die Täterschaft automatisiert unterschiedliche Kombinationen aus oder die Handynummern stammen aus öffentlichen Telefonbüchern, Datenleaks oder wurden in der Vergangenheit von den Geschädigten, auch unbewusst, bekanntgegeben. Gleich ist es bei Email-Adressen.


5. Per Mail sind aktuell falsche Nachrichten in Sachen Sicherheitsupdates oder Technischer Support unterwegs. Man läuft wohl auch hier Gefahr auf einen Link zu klicken, der nichts Gutes bringt. Welche Masche steckt dahinter?
Hierbei handelt es sich, wie auch bei Phishing-Mails, um massenhaft versendete E-Mails. Die Täterschaft erhofft sich, dass ein Opfer auf die Warnung reagiert und auf die angebotenen Links klickt. Die Opfer laufen hier Gefahr, dass sie eine tatsächliche Schadsoftware installieren oder sie werden von der Täterschaft zur Bezahlung von angeblichen Serviceleistungen aufgefordert. Diese Vorgehensweise gleicht den sogenannten Microsoft-Anrufen (Microsoft-Support-Scam).


6. Wie erkenne ich eine Fake-E-Mail?
Das Erkennen von Fake-E-Mails ist auch abhängig von der Qualität. Massenhaft versendete Mails sind leichter zu entlarven als gezielt versendete. Mögliche Hinweise sind Gratisanbieter wie Gmail, Outlook.com oder Hotmail.com, unübliche Adressen mit Zahlen- und Buchstabenkombinationen sowie unübliche Domainnamen und Domainendungen. Verdächtig ist auch, wenn angeblicher Absender und tatsächliche E-Mail-Adresse nicht übereinstimmen, Rechtschreibfehler, merkwürdige Formulierungen sowie eingebettete Links, die zu einer anderen Domain führen.


7. Wie kann ich es vermeiden zum Opfer zu werden?
Generell schadet es nicht, skeptisch zu sein und die erhaltenen Informationen zu überprüfen. Die Polizei bietet zum Beispiel niemals an, Geld oder Wertgegenstände zu verwahren. Die Zahlung von Geldbeträgen zur Abwehr von Gerichtsverfahren ist nicht möglich. Banken fordern nicht zur Bekanntgabe von Zugangsdaten oder Kreditkartedaten auf. Außergewöhnliche Schnäppchen oder extreme Gewinne sind ebenfalls ein Alarmsignal.


8. Wer sind die Opfer? Wer ist die Zielgruppe bei dieser Art Betrugsmaschen?
Eine Zielgruppe gibt es nicht. Mit dem richtigen Köder in der richtigen Situation kann jeder zum Opfer eines Betruges werden.


9. Wer sind die Täter und gibt es überhaupt Erfolge in der Täterermittlung oder -überführung?
Im Zuge der internationalen Zusammenarbeit kommt es immer wieder zu Erfolgen gegen ganze Tätergruppierungen. In Bezug auf Ermittlungen, die in Vorarlberg geführt wurden, konnten bislang keine Täter festgestellt werden – die Ermittlungen dauern an. Auch hier ist von einer weiteren international agierenden, bislang unbekannten Täterschaft auszugehen.


10. Wie werden zuständige Ermittler in solchen Fällen aktiv?
Nach einer Anzeigeerstattung bei der ortszuständigen Polizeiinspektion wird der Sachverhalt durch das Landeskriminalamt auf mögliche Tatzusammenhange und Ermittlungsansätze geprüft. Die weitere Bearbeitung erfolgt fallbezogen.


11. Wie schnell entwickelt sich die Methoden der Betrüger weiter und inwiefern ist genau das eine Herausforderung für die Ermittler?
Die Vorgehensweise wird durch die Täter stetig adaptiert. Daher ist es gerade in der Anfangsphase von neuen Betrugsarten schwierig, diese zu erkennen. Aufgrund der Internationalität und verschiedener Anonymisierungsmöglichkeiten ist die Verfolgung der Täterschaft ebenfalls erschwert.


12. Welche weiteren Betrugsmaschen kommen derzeit gehäuft vor?
Es gibt mehrere Betrugsformen, die dauerhaft vorkommen. Dazu zählen gefälschte Inserate auf eBay, Facebook und anderen Verkaufsplattformen. Außerdem reagieren Täterschaften auch auf Inserate und verleiten die Opfer vorab zur Überweisung von angeblichen Liefer- und Versicherungskosten. Eine neue Betrugsform ist der Tochter/Sohn-Betrug. Dabei werden die Opfer von ihren angeblichen Kindern informiert, dass deren Mobiltelefon beschädigt wurde. Außerdem würden sie dringend Geld benötigen, um offene Rechnungen zu begleichen. Diese Betrugsform ähnelt dem Enkel/Neffen-Trick oder auch dem Stranded-Friend-Betrug, bei dem eine (finanzielle) Notlage während einer Reise vorgetäuscht wird.
Ebenfalls immer wieder erfolgreich sind Vorschussbetrüge (angebliche Lotteriegewinne oder Erbschaften für die Gebühren fällig sind), Love-Scams („moderne Heiratsschwindler“ )die der Internetbekanntschaft Notlagen vortäuschen und Geld fordern, um sich zu treffen und der Investment- oder Anlagebetrug. Dabei werden die Geschädigten zu einer angeblich gewinnbringenden Investition in Kryptowährungen verleitet. Die angeblichen Gewinne werden dann jedoch nicht ausbezahlt oder ein Verlust vorgetäuscht.


13. Werden oben genannte Betrugsmaschen angezeigt? Wie hoch sind die Schäden?
In Vorarlberg werden regelmäßig versuchte und auch erfolgreiche Betrügereien zur Anzeige gebracht, wobei sich bereits Einzelschäden teilweise auch in einem hohen fünfstelligen Bereich bewegen können.

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