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„Gespräche können Leben retten“

31.08.2022 • 19:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Menschen, die an Suizid denken, sind meist nicht in der Lage, sich Hilfe zu holen. Unterstützung des Umfelds ist deshalb sehr wichtig. <span class="copyright">GBALLGIGGSPHOTO/Shutterstock</span>
Menschen, die an Suizid denken, sind meist nicht in der Lage, sich Hilfe zu holen. Unterstützung des Umfelds ist deshalb sehr wichtig. GBALLGIGGSPHOTO/Shutterstock

Neue Kampagne soll für Thema Suizid sensibilisieren und dem Umfeld von Betroffenen helfen, Signale zu deuten.

Die „Supro – Gesundheitsförderung und Prävention“ präsentierte gestern bei einer Pressekonferenz ihre neue Kampagne zur Suizidprävention. Ziel ist, vor allem Bezugspersonen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für das Tabuthema Suizid zu sensibilisieren. Die vorarlbergweite Kampagne, die mit September startet, basiert auf einem in der Praxis erprobten Konzept aus der Schweiz.

Wie wichtige eine solche Kampagne ist, verdeutlichte Primar und Chefarzt der Stiftung Maria Ebene, Philipp Kloimstein, anhand von Zahlen: Durch Suizid sterben in Österreich jährlich mehr Menschen als an Verkehrsunfällen, so der Primar. Mit der neuen Kampagne sollen mögliche langfristige Folgen der Pandemie, aber genauso momentane Belastungen durch Inflation oder Ukrainekrieg abgefedert werden. Vor allem für Jugendliche seien die Belas­tungen sehr groß, so Kloimstein. „Im besten Fall können wir den Abwärtstrend bei den Suizidzahlen, den es seit den 80er-Jahren gibt, fortsetzen. Aber egal wie die Zahlen sich entwickeln, unsere Position ist klar: Jede und jeder Tote ist eine bzw. einer zu viel.“

Das Motto der Kampagne lautet: „Ich höre zu, ich frage nach, ich hole Hilfe, wenn jemand Suizidgedanken hat! Mach du das auch!“ Damit sollen Menschen ermutigt werden, die meist vorhandenen Signale bei Mitmenschen mit psychischen Belastungen zu erkennen, diese ernst zu nehmen, das Gespräch zu suchen und bei Bedarf professionelle Unterstützungsangebote zu nutzen (mehr Infos zur Kampagne siehe unten).

Die wichtigsten Hilfsangebote

Telefonseelsorge Vorarlberg: Telefonnummer 142

Rat auf Draht, Notrufnummer für Kinder und Jugendliche: Telefonnummer 147

Die beiden Angebote sind anonym und kostenlos.

Website „bittelebe“: www.bittelebe.at

In akuten Notfällen hilft zudem die Kinder- und Jugendpsychiatrie unter Telefonnummer 05522/403.

Alle Kontakt- und Anlaufstellen sind auch in der Vorarlberger Gesundheitsapp „Xsund“ aufgelistet.

Nichts tun ist einziger Fehler

„Betroffene sind nämlich häufig selbst nicht in der Lage, sich in ihrer Krise entsprechende Hilfe zu holen. Es ist also wie bei der Ersten Hilfe: Der einzige Fehler, den man machen kann, ist nichts zu tun“, erklärte Andreas Prenn, Leiter der Supro und ergänzte: „Gespräche können Leben retten.“
Wie wichtig diese Initiative der Supro ist, bestätigte Sepp Gröfler, Leiter der Telefonseelsorge: „Suizidgefährdete selbst wissen oft nicht, an wen sie sich wenden können und fühlen sich allein gelassen. Mit dieser Kampagne werden nicht nur Menschen dazu aufgefordert zu helfen, es werden gleichzeitig die wichtigsten Unterstützungsangebote für suizidale Menschen und ihre Angehörigen vorgestellt. Das ist ganz entscheidend – denn wer weiß, wo, kann sich auch leichter Hilfe holen.“

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher sagte bei der Pressekonferenz: „Es ist wichtig, dass neben der körperlichen, auch die seelische Gesundheit in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird. Hier wird ein schwieriges, aber wichtiges Thema wie Suizid, über das sonst nicht offen gesprochen wird, in den Fokus gerückt. Deshalb sind wir froh über Initiativen wie diese. Wir leisten dafür auch gerne finanzielle Unterstützung und weitere Hilfe.“

Primar Philipp Kloimstein (Maria Ebene), Martina Rüscher, Andreas Prenn (Supro), Sepp Gröfler (Telefonseelsorge) bei der Präsentation der neuen Kampagne. <span class="copyright">Stiftung Maria Ebene/Lisa Mathis</span>
Primar Philipp Kloimstein (Maria Ebene), Martina Rüscher, Andreas Prenn (Supro), Sepp Gröfler (Telefonseelsorge) bei der Präsentation der neuen Kampagne. Stiftung Maria Ebene/Lisa Mathis

Thema in Öffentlichkeit bringen

Die Suizidpräventionsstelle des Kantons Zürich setzte in den vergangenen zwei Jahren eine ähnliche Kampagne, wie sie nun in Vorarlberg startet, um. Die Ergebnisse seien deutlich gewesen, so Andreas Prenn von der Supro. Bei den beworbenen Hilfsangeboten konnte ein Anstieg von 30 bis 40 Prozent an Anrufen verzeichnet werden.

Bei der Vorarlberger Kampagne ist die aktualisierte Website www.bittelebe.at der zentrale Angelpunkt mit allen wichtigen Informationen und Unterstützungsangeboten. Darüber hinaus umfasst die Kampagne Plakate, Citylights, Infoflyer und Maßnahmen in den Sozialen Medien. „Wir arbeiten außerdem mit Ärzten, Schulen, der Jugendarbeit, Vereinen und Beratungsstellen zusammen, um das Thema und die Kampagneninhalte zu verbreiten. Auch Firmen werden eingebunden. Außerdem werden wir auf der Dornbirner Messe mit einem Informationsstand vertreten sein“, informierte Prenn. Des Weiteren wird ein Vortragsabend mit anschließender Podiumsdiskussion am Freitag, 23. September, 19 Uhr, im Alten Kino in Rankweil Einblick in das Thema Suizid geben. Die Veranstaltung soll aufzeigen, wie und wo Menschen in psychischen Krisen Unterstützung finden und wie nahestehende Personen reagieren können.

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