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Trotz Rekordregens trockener als üblich

01.09.2022 • 18:43 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Rekordwerte in Sachen Niederschlag wurden im August im Land erreicht. <span class="copyright">APA/STIPLOVSEK</span>
Rekordwerte in Sachen Niederschlag wurden im August im Land erreicht. APA/STIPLOVSEK

Sommer 2022 bestätigt laut Experten den Trend zur Klimaerwärmung. In Vorarlberg war es deutlich zu warm, auf Trockenheit folgte Rekordregen.

Rekordwerte in Sachen Niederschläge wurden vor zwei Wochen in Teilen Vorarlbergs verzeichnet. So fielen in Bregenz 212 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden – der doppelte Wert eines durchschnittlichen August-Monats und ein neuer 24-Stunden-Regenrekord für Vorarlberg. Dennoch war der heurige Sommer im Ländle deutlich zu trocken und auch zu warm. Das zeigen die aktuellen Analysen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) sowie der Österreichischen Unwetterzentrale (www.uwz.at) anlässlich des Endes des meteorologischen Sommers, der die Monate Juni, Juli und August umfasst.

Platz Vier

Den Experten beider Institutionen zufolge war der heurige Sommer in Österreich der viertwärmste in der Messgeschichte seit 1767. Wie Zamg-Klimatologe Alexander Orlik berichtet, könnte der heurige Sommer nach Auswertung aller Messstationen mit jenem des Jahres 2015 gleichziehen und damit auf Platz drei landen. An der Spitze liegen weiterhin die Sommer von 2003 und 2019. Im Tiefland lag die Temperatur um 1,6 Grad über dem Durchschnitt des Klimamittels von 1991 bis 2020. In den Bergen war es sogar um 1,7 Grad wärmer. Verglichen mit der Klimaperiode von 1961 bis 1990, die noch nicht so stark von der globalen Erwärmung betroffen war, lag die Temperatur um 3,4 Grad über dem Mittel.
In Vorarlberg war es im Sommer 2022 nach Angaben von Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale, landesweit sogar bis zu 2,0 Grad zu warm. In Bregenz wurden 16 Hitzetage mit Temperaturen von über 30 Grad registriert. Dies waren doppelt so viele wie üblich. Zahlen der Zamg zeigen, dass die Durchschnitts­temperatur im Sommer an manchen Orten auch mehr als 2,0 Grad wärmer waren als im langjährigen Mittel. So kletterte das Thermometer in Feldkirch durchschnittlich auf 20,9 Grad. Dies waren um 2,2 Grad mehr als im Mittel. In Schröcken lag die Durchschnittstemperatur diesen Sommer mit 16,4 Grad um 2,3 Grad höher als im Mittel.

Lang anhaltende Trockenheit machte auf so manchen Feldern Bewässerung notwendig. <span class="copyright">Hartinger</span>
Lang anhaltende Trockenheit machte auf so manchen Feldern Bewässerung notwendig. Hartinger

Auch die Sonne schien deutlich länger als üblich. Landesweit wurde eine um 18 Prozent höhere Sonnenscheindauer festgestellt als im Mittel von 1991 bis 2020. In Feldkirch schien die Sonne bis inklusive 28. August 798 Stunden lang, um 17 Prozent länger als üblich. Mit 793 Stunden (16 Prozent über dem Mittel) lag Alberschwende nur knapp dahinter. Die höchste Sonnenscheindauer wurde mit 865 Stunden wie üblich am Rohrspitz festgestellt.

In Sachen Niederschlag war der Sommer österreichweit zu trocken. Wie die Zamg berichtet, fielen um 15 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Jahre von 1991 bis 2020. Angefangen hatte der Sommer noch relativ normal, wie es seitens der Zamg heißt. So sei im Juni noch ausreichend Regen gefallen. Allerdings habe es auch einige Regionen wie etwa Unterkärnten oder das Burgenland gegeben, in denen der Sommer niederschlagsarm begonnen habe. Ende Juni habe dann eine allgemeine Trockenheit eingesetzt, welche bis zum letzten Augustdrittel angehalten habe. Erst danach sei die Wetterlage wieder unbeständiger geworden und es habe mehr Regen gegeben.

In Vorarlberg lagen die Niederschlagswerte diesen Sommer mit minus fünf Prozent nur leicht unter dem üblichen Mittelwert und damit innerhalb der normalen Schwankungsbreite. Doch auch im Ländle waren die österreichweiten Trends spürbar. Nachdem es im Juni in etwa die üblichen Niederschlagsmengen gab, setzte auch hierzulande eine längere Trockenperiode ein. Unter anderem mussten Landwirte ihre Felder bewässern und in der Gemeinde Langen bei Bregenz drohte eine Wasserknappheit. Mit dem Starkregen vor zwei Wochen fand die Trockenperiode dann ihr Ende.

Laut Zamg-Klimatologe Orlik bestätigt der heurige Sommer den Trend zu einem immer wärmeren Klima. In der Messreihe seit 1767 seien 256 Sommer enthalten. Unter den wärmsten 15 seien dabei fast nur Sommer aus der jüngeren Vergangenheit. Nur die Sommer aus den Jahren 1807, 1811 und 1834 sind sonst noch im Spitzenfeld vertreten. Daneben passe auch das vermehrte Auftreten von längeren trockenen Phasen und danach großen Regenmengen innerhalb kurzer Zeit zu den aktuellen Erkenntnissen der Klimaforschung.

Langfristige Trockenheit

Das Problem in Sachen Trockenheit ist nach Angaben von Orlik ein längerfristiges. Denn von September 2021 bis August 2022 habe es um 19 Prozent weniger Niederschlag gegeben als im Mittel. Dies sei der geringste Wert in einem September-August-Zeitraum seit 1975/76.

Auch in Feldkirch hatte der Starkregen für Probleme gesorgt. <span class="copyright">Stadt Feldkirch</span>
Auch in Feldkirch hatte der Starkregen für Probleme gesorgt. Stadt Feldkirch

August-Bilanz: Zu warm und zu viel Regen

Am gestrigen 1. September haben die Wetterexperten auch Bilanz über den heurigen August gezogen. Dieser war im Ländle zu warm und auch feuchter als im langjährigen Durchschnitt. Die Temperatur lag laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) 1,5 Grad über dem Durchschnitt. Der Höchstwert wurde am 4. August mit 35,3 Grad in Dornbirn verzeichnet. Der höchste Mittelwert in Sachen Temperatur trat am Rohrspitz auf. Hier hatte es durchschnittlich 20,8 Grad. Bei der Wetterstation Feldkirch-Nofels des Wetterring Vorarlberg lag die Durchschnittstemperatur im August bei 19,9 Grad und damit um ein Grad höher als üblich.

In Sachen Niederschläge lag der August – wohl vor allem auch wegen des Stark­regenereignisses vor zwei Wochen – um 22 Prozent über dem langjährigen Mittel. So war Bregenz mit 355 Litern pro Quadratmetern der nasseste Ort Österreichs im Monat August. Die Regenmenge lag um 90 Prozent über dem sonst üblichen Wert. In Feldkirch, wo seit 1895 gemessen wird, wurde am 18. und 19. August ein neuer 24-Stunden-Regenrekord aufgestellt. 167 Liter pro Quadratmeter gingen nieder. Der bisherige Rekord von 122 Litern stammte aus dem Jahr 1910.