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Eintauchen in die Welt eines Skaters

02.09.2022 • 18:28 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Fridolin übt fleißig neue Tricks mit seinem Skateboard. <span class="copyright">Privat</span>
Fridolin übt fleißig neue Tricks mit seinem Skateboard. Privat

Fridolin Loacker ist Skater. In anderthalb Jahren hat er viele Tricks gelernt und YouTube-Videos davon gemacht, Boards abgenutzt und mit Freunden viel Zeit in Skateparks verbracht. Ein Einblick.

Der „Ollie“ ist wohl der bekannteste Skatertrick. Mitten aus dem Fahren heraus springt der Skater mit beiden Beinen in die Luft, wobei sein Board an den Füßen klebt, also mit in die Luft geht. Je höher der Skater springen und sein Brett dabei mitnehmen kann, desto besser. „Für den Ollie hab ich zwei Wochen geübt“, sagt Fridolin Loacker. Quasi ununterbrochen, versteht sich. Der 14-Jährige fährt seit anderthalb Jahren Skateboard. „Mich interessiert fast jede Sportart, zum Beispiel auch Fußball oder Basketball und Schwimmen und Trampolin springen. Außerdem spiele ich Gitarre und gehe zum Jugendzirkus“, zählt er auf. Da bleibt nicht jeden Tag Zeit zum Skaten. Aber doch sehr oft, da man gleichzeitig draußen sein kann und Freunde treffen. „Skater sind in aller Regel extrem nett. Manche denken vielleicht, sie wären was Besseres, weil sie besser skaten können. Normalerweise supporten die Erfahreneren die Neulinge aber, geben Tipps und loben“, erzählt der Jugendliche. An seine Skateboard-Anfänge kann er sich noch gut erinnern: „Der Anfang war am schwierigsten. Da kann man nur fahren und sieht keinen Fortschritt. Aber wenn man dranbleibt und seinen ersten Ollie geschafft hat – dieses Gefühl ist unbeschreiblich.“

Es sind intensive Stunden mit seinem Skateboard und seinen Freunden. Einer seiner Freunde skatet seit drei Jahren. „Mit seinen Hilfestellungen habe ich fast jeden Trick bisher gelernt.“ Kickflip oder Heelflip, Front Side Shove It, Back Side Shove It, ohne Englisch geht nichts. Wer mit dem linken Fuß vorne auf dem Brett steht und mit Rechts pusht, sich also abstößt, um vorwärts zu kommen, nennt das „regular“, rechter Fuß vorne ist „goofy“. Beim Brett gibt es auch vorne und hinten, die Vorderseite ist stärker nach oben gebogen. Auf seiner Unterseite kleben bei Fridolin ein paar Aufkleber, denn „das ist cool“. Außerdem sind tiefgehende Kratzer zu sehen, von Tricks auf den Handläufen von Geländern. Ein Board hält bei Fridolin Loacker ungefähr drei bis vier Monate. „Das Deck ist schon ramponiert, die Rollen sind abgenutzt. In Dornbirn gibt es einen Skatershop, da kann man auch einzelne Teile kaufen. Da bin ich oft“, sagt der Dornbirner Jugendliche.

Fridolin Loacker (r.) und sein Kumpel Leander Stadler. <span class="copyright">privat</span>
Fridolin Loacker (r.) und sein Kumpel Leander Stadler. privat

Skater-Alltag

Dann erzählt er aus seinem Skater-Alltag. „Ich bin recht ehrgeizig, auch beim Skaten. Wenn ich einen Trick lernen will, gebe ich nicht auf. Manchmal legt es mich hin, aber ich skate ohne Knieschützer und so weiter, die sind unbequem, uncool und darunter ist es heiß, besonders im Sommer. Dafür kenne ich meine Grenzen, in den allermeisten Fällen zumindest. Wenn ich müde bin, lege ich eine kurze Pause ein, trinke was, dann geht es weiter.“

Auch aufs Aufwärmen legt der 14-Jährige Wert, ein bisschen umherrollen, locker ein, zwei einfache Tricks, ein bisschen dehnen. Der Satz, der zwischen ihm und seinen Freunden am häufigsten fällt, ist: „Gehen wir Mösle?“ Dorthin, zum Skaterpark beim Möslestation in Götzis, kommen nette Leute, für jeden ist genug Platz, es ist der angesagteste Hotspot unter Jugendlichen derzeit, sagt Fridolin. Um skaten zu gehen, fahren er und seine Freunde durchs ganze Ländle, manchmal sogar nach Lindau. Kann einer von ihnen einen neuen Trick, filmen die anderen ihn. Und wenn es eine Stunde dauert, das Video soll so gut sein, dass es, einmal in den sozialen Medien hochgeladen, viele „Daumen hoch“ bekommt.
In Zukunft wollen Fridolin Loacker und die anderen Skater gerne auch in Dornbirn skaten. Dort steht seit Langem die Absicht im Raum, Skatern einen Platz einzuräumen. Endlich schien ein geeignetes Areal gefunden – neben der Ausweichschule am Fischbach, die wieder aufgebaut wird. Allerdings haben nun die Anwohner rechtlich Einspruch erhoben, eine geplante Lärmschutzwand reicht ihnen offensichtlich nicht aus. Das Verfahren zieht sich wie ein Kaugummi. Skater Fridolin Loacker hofft, dass auch die Jugend ihr Recht bekommen wird.

Pläne für Skateplatz in Dornbirn

Der geplante Platz in Dornbirn sollte laut Fridolin Loacker, dem 14-jährigen Skater, großzügig angelegt sein. Vielleicht wäre es gut, den Platz in Feldkirch zu besuchen, der sei eigentlich recht gut gelungen. Darüber hinaus mit einem Basketballkorb, einem Fußballtor oder einem Volleyballfeld, zusammen mit einer Wiese. „Es soll ein Ort überhaupt für Jugendliche sein. Wichtig ist ein Wasserhahn, damit die Sportler sich erfrischen können. Bei den eingebauten Hindernissen für die Skater könnte ein sogenanntes Rooftop dabei sein, mit einer spitz nach oben zulaufenden Neigung, ähnlich einem Hausdach. Hier sind coole Sprünge möglich, das Rooftop funktioniert wie eine Rampe“, erklärt der Jugendliche.

Bürgermeisterin Andrea Kaufmann bemerkt: „Welches Ausmaß die Verzögerungen haben werden, kann derzeit leider nicht abgeschätzt werden. Wir beschäftigen uns deshalb mit weiteren Alternativstandorten. Aktuell wird auch geprüft, ob wir eine einfache Lösung im ehemaligen Schlachthof realisieren können. Die Stadt beabsichtigt, dieses für die Skateszene wichtige Angebot so rasch als möglich umzusetzen.“
Fridolin Loacker ist zuversichtlich: „Jetzt haben sie in Dornbirn so lange Zeit gehabt zum Planen, da kann eigentlich nur was Gutes rauskommen.“

Unten angeführt bewertet der 14-Jährige nun einige Skaterparks in der Nähe und stellt sie vor.

Bregenz: Baden und skaten gleichzeitig

Positiv: Der Skatepark in Bregenz gefällt mir gut, weil man zusätzlich baden kann. Das ist schön, wenn es heiß ist und man genügend Zeit mitbringt.
Negativ: Der Platz ist nicht so groß, wenn viel los ist, kann es schon mal richtig eng werden. Außerdem ist alles mit Hindernissen voll, es gibt keinen Platz, um frei zu cruisen. Die Locals vor Ort verhalten sich manchmal, als ob ihnen der Platz gehört.

Wolfurt: Gute Hindernisse

Positiv: Alles in allem eigentlich ein guter Skatepark mit guten Hindernissen und darüber hinaus Platz zum Basketball und Fußball spielen.
Negativ: Die meisten Leute kommen allerdings erst gegen Nachmittag in den Park – vor allem jetzt im Sommer.
Zudem ist der Park leider etwas weiter vom Bahnhof entfernt als dies bei anderen Skaterpärken im Land der Fall ist.

Altach: Angesagter Platz

Positiv: Es ist ein riesiger Platz mit wenigen Hindernissen. Jeder findet da seine Ecke. Es kommen immer viele Leute hin, die Atmosphäre ist super. Nicht zuletzt deshalb derzeit der angesagteste Platz.
Negativ: Der Boden ist ein ganz normaler Straßenboden, allerdings macht das nicht viel. Manchmal fahren Kinder auf ihren Scootern unvorhersehbar herum, aber aufmerksam sein sollte man eigentlich sowieso immer.

Lindau: Skaten mit Altstadtflair

Positiv: Man bekommt die schöne Stimmung der Altstadt mit. Schön auf dem Gartenschaugelände gelegen, mit zusätzlichem Fitnessbereich und dem Supermarkt in der Nähe. Zudem auch nah am Bahnhof.
Negativ: Lindau ist zwar gut mit dem Zug zu erreichen. Trotzdem muss man einen ganzen Tag opfern. Der Trost: Man kann zusätzlich im See baden gehen.

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