Besser leben

Geschichtsträchtige Walsersiedlung

02.09.2022 • 19:11 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Weg nach Stralrüfi (links Gauschla, ganz hinten Falknis, rechts Tschugga). <span class="copyright">Vylet</span>
Weg nach Stralrüfi (links Gauschla, ganz hinten Falknis, rechts Tschugga). Vylet

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern von Palfries durchs Naturschutzgebiet Sennis-Malun. Über Stralrüfi zurück zum Althaus bei Hinterpalfries.

kurzbeschreibung

Besonderes: Bei einer einfachen Wanderung auf einer geschichtsträchtigen Hochebene kann man weite Blicke genießen.

Anforderung und Gehzeit: In circa viereinhalb Stunden sind im Auf und Ab des Wegverlaufs etwa 520 Höhenmeter zu bewältigen.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Forst-, Wiesen- und Waldwege

Kultur und Natur: Walserhaus Palfris, Naturschutzgebiet Sennis-Malun

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle, Kleidung je nach Wetter, Jause, Getränke

Einkehrmöglichkeiten: Berghaus Palfries, Kurhaus Sennis Alp, Bergrestaurant Stralrüfi

Start und Ende: Wanderparkplatz Palfries, Gemeinde Wartau im Kanton St. Gallen

Hoch über dem Seeztal, welches sich von Mels bis Walenstadt erstreckt, liegt das Alpgebiet Palfris. Die hügelige Landschaft ist nordwestlich von den schroffen Felsen der Alvierkette eingefasst, die circa 500 Meter senkrecht aufragen. Südöstlich bietet sich ein weiter Blick auf die Schweizer Bergwelt. Mit dieser Vorfreude kann beim Wander-Parkplatz nach dem Gasthaus in Vorderpalfris die Tour starten. Vorab führt der Weg über das Alpgelände leicht ansteigend in Richtung Sennis Kurhaus.

 <span class="copyright">Vylet</span>
Vylet

Silberdisteln, Wacholdersträucher und Besenheiden säumen den Weg und an Tümpeln vorbei sind die Abzweigung „In de Stei“ und der höchstgelegene Punkt der Tour auf 1800 Meter rasch erreicht. Die Landschaft hier oben ist mit Felsbrocken, Sträuchern und einzelnen Bäumen durchsetzt und weiter breiten sich üppige Alpweiden aus. Das Alpenpanorama reicht vom Haldensteiner Calanda 2805 Meter über Pizol 2844 Meter, Ringelspitz 3247 Meter, Piz Sardona 3056 Meter über Spitzmeilen 2501 Meter zum Mürtschenstock 2441 Meter, um nur einige zu nennen.

Nun geht es durch diese schöne Bergkulisse an großen Felsenbrocken vorbei zur Abzweigung bei der Lesesteinmauer, ein ökologisch wertvolles Biotop. Nicht nur das, sie schützt nicht nur vor der dahinter liegenden Absturzkante der Schwarzrüfi, sondern markiert auch die Gemeindegrenze zu Walenstadt und den Beginn des Naturschutzgebietes „Sennis-Malun“. Neben bedrohten Pflanzen und Tieren werden hier seit 1995 im speziellen Rauhfußhühner geschützt.
Übrigens, wer kürzer wandern möchte, gelangt entlang der Mauer über Stralrüfi in etwa einer Stunde zum Ausgangspunkt zurück. Ab hier rückt auch der Walensee mit den Churfirsten und am Fuße von Sichelchamm 2268 Meter und Gamsberg 2385 Meter das Alpgebiet Sennis ins Blickfeld.

Das Sennis Kurhaus. <span class="copyright">Vylet</span>
Das Sennis Kurhaus. Vylet

Der Wiesenweg über die Alpweiden führt an einem Bächlein mit Brunnen vorbei zur Alpstraße und der Alpe Malun, welche im Alpbrief der Gemeinde Berschis 1372 erwähnt wurde. Der Käse wurde in früheren Zeiten mühselig mit Hornschlitten ins Tal gebracht. Kurz nach der Alpe zweigt links der Abkürzungsweg ab. Dieser im unteren Teil steile, auch für den Viehtrieb genutzte Waldwurzelweg mündet bei der Alpe Schwamm in die Straße. Rechts führt die Alpstraße zum Kurhaus Sennis-Alp.

Das 1911 errichtete Kurhaus erlebte seinen ersten touristischen Höhepunkt in den 1920er Jahren. Molkekuren, Wandern und Bergsteigen begeisterten damals die Gäste. 19 Sommer lang bis 1956 versorgte der damalige Besitzer und Säumer „Stei Sepp“ das Kurhaus auf dem Säumerpfad mit seinem Muli „Fanny“.

Rückweg

Zurück geht es bis Schwamm auf demselben Weg, dann werden in Richtung Stralegg/Palfris auf der flachen Alpstraße werden verschiedene Bäche gequert, die sich zum Berschnerbach vereinigen. Nach der nächsten Alphütte geht’s links über die Wiese hinauf wiederum zu einer Lesesteinmauer. Beim weiteren Aufstieg ist das beeindruckende Gebiet der Schwarzrüfe oder Malunriet gut zu sehen, auch rücken die Gipfel Alvier 2342 Meter und Gauschla 2310 Meter in den Fokus. Die Alpstraße führt im Auf und Ab an Stralrüfi vorbei zurück zum Ausgangspunkt.
Auf dem Weg dorthin werden einige Bäche gequert, die über tosende Kaskaden ins Tal stürzen. Auch lohnt sich ein Besuch des Walser „Rothuis“ in Hinterpalfris. Dieses steht rechts hinter der Alphütte, jener unter der Straße liegenden Alp, die auch eine seltene „Steinkluppe“ hat. Eine sogenannte Steinmauer, die bei Unwetter das Vieh schützen soll. Ab da ist man in gut fünfzehn Minuten wieder beim Startpunkt.

Das „Rothuis in Palfris“. <span class="copyright">Vylet</span>
Das „Rothuis in Palfris“. Vylet

Bärenstarke Walser in Wartau

Die Erstellung des „Rothuis in Palfris“ wird auf 1409/1410 datiert. Der Strickbau auf dem Steinfundament besteht aus 200-jährigen Bergfichten. Alle Elemente eines Wohnhauses mit gemauertem Keller sind vorhanden. Wahrscheinlich wurde das Haus nur circa 100 Jahre als Wohnhaus genutzt, da bereits um 1541 Hinterpalfris zu einer Alpgenossenschaft zusammengefasst wurde. Danach diente es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Sennhütte. Es wurde unter Denkmalschutz gestellt, 1970 renoviert und 2003 saniert. Seit 1978 ist es im Besitz der Politischen Gemeinde Wartau.

Für das Jahr 1503 sind 11 „Walser“ Haushaltungen in Palfris dokumentiert. 2 lebten in Hinter-, 2 in Vorderpalfris, 6 am Walserberg und eine in Matug. 3 Davon waren ethnische Walser, die anderen waren Wartauer und Sarganser Bürger, die ebenfalls dauerhaft am Berg wohnten und daher zur relativ selbständigen und freien Walsergemeinschaft gehörten. Aufgrund großer Armut zogen 30 Walser und Wartauer Haushalte in den Jahren 1712/13 und 1715 an die Massurischen Seen in Ostpreussen. Daher sind 1639 noch 5, 1778 nur noch 3 Haushalte am Berg dokumentiert. 1803 erhielten die letzten Walser das kantonale Bürgerrecht. Das Bürgerrecht der Gemeinde erhielten sie 1827.

Sage rund um die Tour

Das im 19. /20. Jahrhundert stark überzeichnete Bild der freien Walser und ihr idealisiertes Leben hat sich auch in den Überlieferungen niedergeschlagen. Es heißt, dass einst ein Mädchen aus der Sippe der Palfriser Schumacher im Schlossbongert in Sargans bei der Heuernte geholfen habe. Als der Landvogt vorbei geritten kam, meinte er beim Anblick der stämmigen Jungfer, sie wäre doch noch eine um einen Hosenlupf zu machen. „Herr Landvogt, ich bin dazu bereit“, entgegnete die Walserin, fasste den feinen Herrn, zog ihn mit einem Ruck kurz und schwang ihn in hohem Bogen in die Heumahd.

 Die Besenheide ist ein Zwergstrauch. <span class="copyright">Vylet</span>
Die Besenheide ist ein Zwergstrauch. Vylet

Blumenkunde

Das Heidekraut oder Besenheide (Callúna vulgáris) ist ein weit verbreiteter, immergrüner Zwergstrauch, der tiefe Wurzeln bildet und zwischen 30 und 50 Zentimeter hoch werden kann, bevorzugt magere Bergwiesen und wird bis zu 40 Jahre alt. Die Blühreife beginnt mit 4 Jahren, die Blüten produzieren von Juli bis September Nektar und sind daher eine wichtige Bienen- und Schmetterlingsweide. In früherer Zeit wurden aus den Ästen und Zweigen Kehrbesen gefertigt.

Quellen: Flora Helvetica Haupt Verlag, Alpenpflanzen in ihren Lebensräumen Haupt Verlag, seilbahn-palfries.ch, palfries.ch, sennis-alp.ch, bergrestaurant-stralruefi.ch

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.