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Überraschend schnell alles abgearbeitet

02.09.2022 • 19:11 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Lang anhaltender Stark­regen sorgte für viele Feuerwehreinsätze. <span class="copyright">APA/STIPLOVSEK</span>
Lang anhaltender Stark­regen sorgte für viele Feuerwehreinsätze. APA/STIPLOVSEK

Landesfeuerwehrinspektor Herbert Österle zieht im Rückblick eine positive Bilanz. Er sieht die Feuerwehren für den Kampf gegen Hochwasser gut gerüstet.

Vor genau zwei Wochen waren im ganzen Land Feuerwehrleute immer noch damit beschäftigt, die Folgen eines monsunartigen Starkregens zu beseitigen. Insgesamt 2200 Einsätze hatten die freiwilligen Helfer am Freitag, den 19. August, und dem darauffolgenden Samstag zu bewältigen, berichtet Landesfeuerwehrinspektor Herbert Österle. 1600 davon waren bereits am Freitag eingegangen. Am Samstag kamen dann weitere 600 dazu. Schon am späten Samstagnachmittag sei ein Großteil der Feuerwehren mit dem Abarbeiten der verschiedenen Einsatzstellen fertig gewesen. Vereinzelt hätten die Aufräumarbeiten nach den Niederschlägen noch länger gedauert. „Es war durchaus überraschend, dass das so schnell gegangen ist“, gibt Österle zu. Ein Vorteil sei sicher das Wochenende gewesen. Dadurch seien viele Einsatzkräfte zur Verfügung gestanden. Dennoch sei ein großes Arbeitspensum zu bewältigen gewesen. Dass dies so gut gelungen sei, mache ihn schon stolz, sagt der Landesfeuerwehrinspektor. Vor allem aber müsse man den Einsatzkräften ein großes Dankeschön sagen, denn immerhin engagierten sie sich alle freiwillig.

Landesfeuerwehrinspektor Herbert Österle. <span class="copyright">Hartinger</span>
Landesfeuerwehrinspektor Herbert Österle. Hartinger

Hochleistungspumpen

In Sachen Hochwasser ist man nach Angaben des Landesfeuerwehrinspektors gut aufgestellt. Nach den Ereignissen im Jahr 2005, als es fast im ganzen Land zu Überflutungen und Murenabgängen gekommen war, sei seitens des Landes viel in Bauwerke zum Hochwasserschutz investiert worden. Auch für die Feuerwehren wurde Geld in die Hand genommen. Insgesamt sieben Hochleistungspumpen stehen mittlerweile im ganzen Land an verschiedenen Stützpunkten wie etwa Lustenau, Thüringen, Göfis oder Mellau zur Verfügung. Auch spezielle Sandsackabfüllanlagen wurden angeschafft. So seien vor zwei Wochen am Freitagabend schon zusätzliche Sandsäcke in Feldkirch und Hohenems abgefüllt worden.

Im Notfall hätte man natürlich immer gerne mehr Gerätschaften zur Verfügung, meint Österle, aber insgesamt sei man gut aufgestellt. Am Montag steht eine Evaluation der Einsätze von vor zwei Wochen an. Dabei soll unter anderem analysiert werden, ob es noch Bedarf für die Anschaffung weiterer spezieller Gerätschaften für den Hochwassereinsatz gibt.

Gut funktioniert hat nach Angaben des Experten auch die überörtliche Zusammenarbeit der Feuerwehren. Um in den besonders vom Starkregen betroffenen Gebiet genug Kräfte zu haben, wurden diese auch aus anderen Orten zu Hilfe gerufen. So war beispielsweise die Feuerwehr Bings-Stallehr in Koblach im Einsatz. Zugleich werde bei der Koordination der verschiedenen Wehren darauf geachtet, in jeder Gemeinde eine Reserve zu haben, um auf andere Notfälle wie etwa Verkehrsunfälle oder Brände reagieren zu können.
Vor zwei Wochen seien zur Unterstützung vor allem Feuerwehren aus dem Bezirk Bludenz herangezogen worden, der nicht so stark von den Niederschlägen betroffen war. Nachdem die Prognosen auch Starkregen für den Bregenzerwald vorhergesagt hätten, habe man die Einsatzkräfte dort eher nicht zur überregionalen Hilfe alarmiert.

In der Zeit nach dem Starkregen gab es noch viel zu tun.<span class="copyright">Stiplovsek </span>
In der Zeit nach dem Starkregen gab es noch viel zu tun.Stiplovsek 

Prioritäten

Bei über 2000 Einsätzen in kurzer Zeit und Dutzenden parallelen Einsatzstellen in einzelnen Ortschaften ist auch eine gute Koordination bei der Abarbeitung der Notfälle gefragt. Eine erste Reihung werde dabei schon von der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle vorgenommen. Notrufe, bei denen Menschen oder Tiere gefährdet seien, hätten immer Vorrang gegenüber anderen. Die weitere Einschätzung wird dann von den Feuerwehren vor Ort vorgenommen, sodass die Einsatzstellen dann in sinnvoller Weise hintereinander abgearbeitet werden können. Hier gehe es dann beispielsweise darum, ob durch den Einsatz weitere Schäden verhindert werden können. Mancherorts hätten die Feuerwehren auch schon kleinere Pumpen angeschafft, die mit etwas Schlauchmaterial an Hausbesitzer verliehen werden, damit sich diese selbst helfen können. Im Notfall würde sich natürlich jeder so schnell wie möglich Hilfe wünschen, dennoch gebe es viel Verständnis dafür, dass die Feuerwehr bei derartigen Starkregenereignissen nicht sofort überall helfen kann und Einsatzstellen nach Priorität abgearbeitet werden.

Der Landesfeuerwehrinspektor ortet in der Bevölkerung auch eine steigende Eigenverantwortung, was den Hochwasserschutz betrifft. „Es könnte aber noch mehr sein“, fügt Österle hinzu. Hausbesitzer würden sich durchaus Gedanken darüber machen, wie sie ihren Besitz vor Überschwemmungen schützen können oder um sich im Notfall selbst – etwa mit einer kleinen Pumpe – zu helfen. Es gebe aber auch hier manche Unbelehrbare, die bei jedem Starkregenereignis Unterstützung brauchten und nichts daran ändern würden. In den kommenden Wochen soll es in den vom Starkregen getroffenen Gemeinden Informationsveranstaltungen für die Betroffenen geben, bei denen Möglichkeiten zur Prävention aufgezeigt werden sollen.

Mitglieder der Feuerwehr Bings-Stallehr beim Einsatz in Koblach. <span class="copyright">Feuerwehr Bings-Stallehr</span>
Mitglieder der Feuerwehr Bings-Stallehr beim Einsatz in Koblach. Feuerwehr Bings-Stallehr

Hintergrund: Stundenlanger Kampf gegen das Wasser

Zusammenarbeit auch über die Ortsgrenzen hinaus spielt bei den Vorarlberger Feuerwehren eine wichtige Rolle. Schließlich sind manche Notfalleinsätze nicht alleine zu bewältigen, sodass nachbarschaftliche Unterstützung notwendig wird. Meist beschränkt sich diese Hilfe jedoch auf die nähere Umgebung und die benachbarten Gemeinden. Ein etwas größere Einsatzgebiet können Stützpunktfeuerwehren haben, die über spezielles Gerät und Know How für bestimmte Einsatzlagen verfügen. Sie rücken beispielsweise zu Gefahrguteinsätzen aus oder wenn etwa bei Waldbränden die Zusammenarbeit mit Hubschraubern koordiniert werden muss. Die Regel sind weit von der Heimatgemeinde entfernte Unterstützungseinsätze für einen Großteil der Feuerwehren jedoch nicht.

Nicht alltäglich

Daher hatte die Feuerwehr Bings-Stallehr vor zwei Wochen einen nicht alltäglichen Einsatz zu bewältigen. Die Feuerwehrleute wurden zur Unterstützung der Feuerwehr Koblach in die Kummenbergregion gerufen. „Wir sind um circa 17 Uhr angefordert worden und in Zugstärke ausgerückt“, berichtet Rainer Batlogg, Kommandant der Feuerwehr Bings-Stallehr. Die Oberländer sollten ihre Kollegen aus Koblach bei der Abwicklung zahlreicher Einsätze im Ortsgebiet unterstützen. Mit einer Pumpleis­tung von etwa 7000 Litern pro Minute wurde im Ortsteil Dürne am Klausbach Oberflächenwasser wieder zurück in den Bach gepumpt. Auch zahlreiche Keller von Bewohnern wurden ausgepumpt.
Der Einsatz in einer fremden Gemeinde und an einer unbekannten Örtlichkeit ist durchaus mit Herausforderungen verbunden, räumt der Kommandant ein. Aus diesem Grund habe auch ein ortskundiges Mitglied der Koblacher Feuerwehr die Einsatzkräfte aus Bings-Stallehr begleitet und als Schnittstelle mit der Einsatzleitung in der Gemeinde fungiert. Es sei wichtig, dass alle wüssten, wovon die Rede ist, wenn es beispielsweise um bestimmte Örtlichkeiten geht. Die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der anderen Wehr sei dagegen kein Problem gewesen. „Das ist das Schöne am Feuerwehrwesen: ein Feuerwehrler ist ein Feuerwehrler. Es wird ein guter Umgang miteinander gepflegt, und es gibt keine Berührungsängste“, erklärt Batlogg. So war es auch kein Wunder, dass die Feuerwehrleute aus Bings-Stallehr die Einsätze in Koblach gut bewältigen konnten. Um 1.30 Uhr konnten sie schließlich wieder ins heimische Feuerwehrhaus einrücken.

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