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Mosttradition seit Generationen

03.09.2022 • 16:38 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Egon Lässer mit seinen Enkeln Lorenz, Marleen, Aurel und Pia (v.l.) und Sohn Magnus Lässer. <span class="copyright">hartinger</span>
Egon Lässer mit seinen Enkeln Lorenz, Marleen, Aurel und Pia (v.l.) und Sohn Magnus Lässer. hartinger

Die Lohnmosterei Lässer in Lingenau ist ein Familienbetrieb seit eh und je. Groß und Klein packten fleißig mit an und pressen Most für die Kunden.

Mitten im Zentrum der Bregenzerwälder-Gemeinde Lingenau befindet sich direkt an der Hauptstraße eine Lohnmosterei. Je näher man dieser kommt, desto mehr Autos kann man auf dem schmalen Vorplatz erkennen. Die Pkws sind voll beladen mit Äpfeln oder dem bereits fertigen Süßmost. Es herrscht reges Treiben und man trifft auf Groß und Klein.
Seit etwa 120 Jahren wird am besagten Standort in Lingenau gemostet, mittlerweile bereits in dritter Generation. Egon Lässer (68) hat die Mosterei vor knapp 20 Jahren von seinem Vater übernommen. Genauso wird auch Junior-Chef Magnus Lässer (36) den Betrieb früher oder später weiterführen. „Die Mosterei war immer im Besitz der Familie Lässer“, erzählt der 68-Jährige stolz. Dass es sich um einen reinen Familienbetrieb handelt, merkt man schnell. Neben Sohn Magnus, der hauptberuflich Lehrer ist, packen auch die Enkel Lorenz, Aurel, Pia und Marleen fleißig mit an und sind Feuer und Flamme für das Handwerk.

Anlieferung der Äpfel. Apfelbesitzer können sich aus ihren Äpfeln eigenen Most pressen lassen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Anlieferung der Äpfel. Apfelbesitzer können sich aus ihren Äpfeln eigenen Most pressen lassen. Hartinger

Früher und heute

Der Standort der Mosterei ist zwar derselbe als im Jahr 1900, so aber nicht das Gebäude. Dort, wo jetzt ein Haus steht, war früher nur ein Holzstadel, informiert der Pensionist. Weder Strom noch warmes Wasser hätte es zu der Zeit in dem Stadel gegeben. Nach und nach habe sich dann aber alles zu dem entwickelt, was es heute ist.

In der Mosterei liegt der Fokus heutzutage hauptsächlich auf Süßmost, sprich naturtrübem Apfelsaft, wie Magnus Lässer aufklärt. Von Most spreche man erst, wenn dieser gegärt sei und Alkohol enthalte. Letzteres werde von den Kunden allerdings nicht mehr so stark nachgefragt.

Die gelieferten Äpfel landen zuerst in einem Wasserbad. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die gelieferten Äpfel landen zuerst in einem Wasserbad. Hartinger

Apfel-Besitzer können ihre Äpfel in der Mosterei in Lingenau abgeben und zu Most pressen lassen. Wichtig zu betonen ist dem Junior-Chef dabei: „Jede Kundschaft erhält ausschließliche den Saft ihres eigenen Obstes. Wir mosten auch Kleinmengen.“ Täglich besuchen viele Kunden, vorwiegend aus dem Bregenzerwald, den Familienbetrieb. Auch während die NEUE am Sonntag vor Ort ist, laden viele Bregenzerwälder ihre Kisten voller Äpfel bei den Lässers ab.
Das Obst wird im Anschluss durch eine Öffnung direkt von den Kisten in den Innenraum der Mosterei gekippt. Automatisch landen die Äpfel so im Wasserbad, in welchem sie gewaschen werden. Von dort aus befördert eine sogenannte „Schnecke“ das Obst weiter zum Mahlwerk/der Reibe. Die samt Stiel und Kerngehäuse zerkleinerten Äpfel werden Maische genannt. Diese wird im nächsten Schritt mittels einer Presse ausgepresst, wodurch Saft, der Süßmost, entsteht. Die Dauer des gesamten Vorgangs richtet sich nach der Apfelmenge, ist allerdings meist innerhalb einer halben Stunde abgewickelt. Die zurückgebliebene Pressrückstände (Trester) werden später vom Jäger abgeholt und an die Wildtiere verfüttert.

Auf dem  Bild sieht man die Pressrückstände (Trester). <span class="copyright">Hartinger</span>
Auf dem Bild sieht man die Pressrückstände (Trester). Hartinger

Süß- und Gärmost

Betritt man nun die Mosterei, steigt einem der Geruch von frischem Apfelsaft in die Nase. Nach wie vor gibt die Mostpresse laute Geräusche von sich. Während die Kinder bei der Presse stehen, ist Egon Lässer mit dem Abfüllen beschäftigt und umgekehrt. Enkel, Opa und Sohn sind eben ein eingespieltes Team.
Da ein Großteil der Kundschaft den Süßmost konservieren und so die Gärung umgehen möchte, muss dieser vor dem Abfüllen noch einem weiteren Vorgang unterzogen werden. Der Apfelsaft wird dafür mithilfe eines Strumpfs gefiltert und anschließend ohne Zugabe irgendwelcher Stoffe in einem Wasserbad auf etwa 77 Grad erhitzt. Möglich ist dies durch einen Tank, der mit Wasser gefüllt und mit Leitungen für den Most ausgestattet ist. „Der konservierte Saft wird dann in „Bag-in-Boxen“ abgefüllt. Ungeöffnet ist er so circa zwei Jahre haltbar“, erzählt Egon Lässer.

Der Most wird in „Bag-in-Boxen“ abgefüllt und von den Kunden abgeholt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Most wird in „Bag-in-Boxen“ abgefüllt und von den Kunden abgeholt. Hartinger

Wer später gerne alkoholhaltigen Most, sprich Gärmost haben möchte, darf diesen also nicht abkochen. Die Gärung an sich beginne schnell, müsse zuerst allerdings verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen. Nach etwa drei Monaten sei der Most dann so weit fertig. Mit gewissen Gärhilfen könne man den Prozess auch beschleunigen. Der perfekte Gärmost besteht laut dem Seniorchef nicht rein aus Äpfeln, sondern auch aus zwei Drittel Birnen. Auch Lässer stellt mit den Birnen und Äpfel seiner rund 50 Bäume Most für den Eigenbedarf, sowie Verkauf her. Wobei nur wenige Kundschaften was vom hauseigenen Gärmost abbekommen. Unter die eigenen Sorten mische er zudem oft etwas Bodenseeobst. Dies würde den Geschmack des Süßmostes nämlich verbessern.
Aktuell und in den nächsten Wochen startet die Mostsaison, die meist bis Anfang November anhält, so richtig durch. Geöffnet hat die Mosterei Lässer allerdings bereits seit Mitte August. Derzeit immer dienstags, donnerstags und freitags von 13 bis 17 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr.

Der fertige Most wird verladen.<span class="copyright">Hartinger</span>
Der fertige Most wird verladen.Hartinger

Naturprodukt

Der 36-Jährige würde sich sehr freuen, wenn gerade junge Menschen wieder erkennen, auf welch einfache Art und Weise eigentlich Apfelsaft hergestellt werden kann, der vor allem auch für lange Zeit haltbar gemacht werden kann. Er selbst findet es schade, dass viel Obst einfach nicht geerntet wird und dann verrottet (siehe Factbox). Auf die Frage, was ihn am Mosten fasziniert, antwortet der gelernte Lehrer gekonnt: „Das fertige Naturprodukt. Man weiß, woher das Obst kommt und was die Inhaltsstoffe sind.“ Er hofft, dass die Mosttradition im Hause Lässer noch lange aufrechterhalten bleibt.

Obstbörse

Wer zu viel Obst hat oder Obst sucht, kann sich bei den zuständigen Obst- und Gartenbauvereinen im Land melden. Hauptziel der Obstbörse: „Obst vermitteln statt wegwerfen.“

www.ogv.at/obstboerse

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