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Damit der Zug nicht an uns vorbeifährt

15.09.2022 • 21:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Exporte auf der Schiene nehmen stark zu, während Transporte per Bahn in andere Bundesländer abnehmen.<span class="copyright">Hartinger</span>
Exporte auf der Schiene nehmen stark zu, während Transporte per Bahn in andere Bundesländer abnehmen.Hartinger

Nur zwölf Prozent des Vorarlberger Güterverkehrs auf der Schiene – Bahnanteil soll ausgebaut werden.

Wie wichtig ein gut funktionierender Güterverkehr ist, zeigen allein schon die Exportzahlen des Landes. Seit dem EU-Beitritt stieg Vorarlbergs Export-Volumen von 2,5 auf über 12 Milliarden Euro an. Allein im Vor-Coronajahr 2019 hatten rund 24 Millionen Tonnen an Gütern ihre Quelle und/oder ihr Ziel in Vorarlberg. Der weiterhin zu erwartende starke Anstieg des Güterverkehrs in den kommenden Jahren erfordert kreative Antworten. Neben einer guten Verkehrsinfrastruktur spielen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Vernetzung dabei die entscheidende Rolle.

Um die Herausforderungen der Zukunft möglichst gut meistern zu können, hat die Landesregierung ein umfassendes Güterverkehrskonzept in Auftrag gegeben, das in den letzten eineinhalb Jahren in enger Zusammenarbeit mit Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Wisto sowie Vertretern der Wirtschaft und externen Fachleuten erstellt wurde. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse von den Landesräten Marco Tittler (ÖVP) und Daniel Zadra (Grüne) vorgestellt.

Landesrat Daniel Zadra. <span class="copyright">hartinger</span>
Landesrat Daniel Zadra. hartinger

Schienengüterverkehr stagniert

Während der Straßengüterverkehr im Allgemeinen und der Transport von Steinen und Erden im Besonderen in den letzten Jahren kontinuierlich zugnommen hat, stagniert der Schienengüterverkehr insgesamt. Im Jahr 2019 dominierte der Güterverkehr auf der Straße gegenüber jenem der Bahn mit einem Anteil von knapp 88 Prozent der transportierten Tonnen. Im Transitverkehr wurden rund acht Millionen Tonnen an Gütern bewegt, davon eine Million Tonnen auf der Schiene. Damit lag der Modal-Split im Transitverkehr bei rund zwölf Prozent. Nach Angaben des externen Projektleiters Martin Ruesch aus der Schweiz befindet sich das Bundesland Vorarlberg damit im österreichischen Durchschnitt.

Landesrat Marco Tittler. <span class="copyright">hartinger</span>
Landesrat Marco Tittler. hartinger

Ausbau der Schiene

Sowohl Tittler als auch Zadra bekannten sich dazu, den Schienenanteil ausbauen zu wollen. Aktuell gebe es noch Kapazitäten im Vorarlberger Schienennetz, sagte Zadra. „Auch mit der heutigen Infrastruktur ist Potenzial da“, stellte er fest. Er verwies darauf, dass ein Güterzug bis zu 50 Lkw ersetzen könne, bemängelte aber auch fehlende Kostenwahrheit beim Transport per Lkw bzw. über die Schiene. Das erschwere den Umstieg. Um auch nach 2040 leistungsfähig sein zu können, brauche es große Investitionen. Das betreffe alle Verbindungen – in die Schweiz, nach Deutschland und über den Arlberg. „Wenn wir nicht heute investieren, wird der Zug an Vorarlberg vorbeifahren“, so Zadra. Tittler unterstrich, dass es für beide Ebenen – die Straße und die Schiene – Lösungen brauche. Die vom Bund initiierte Evaluierung der Bodensee-Schnellstraße (S 18), die das österreichische mit dem Schweizer Autobahnnetz verbinden soll, soll bis Jahresende abgeschlossen sein, erinnerte Tittler. Anschließend gelte es Entscheidungen zu treffen.