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Warum Denkmalschutz Ressourcen schont

24.09.2022 • 20:50 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Barbara Keiler leitet die Vorarlberg-Abteilung des Bundesdenkmalamts.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Barbara Keiler leitet die Vorarlberg-Abteilung des Bundesdenkmalamts.
Hartinger

Denkmalschützerin Barbara Keiler erzählt, wie sich Denkmalschutz und Klimaschutz in Einklang bringen lassen, was am heutigen „Tag des Denkmals“ geboten wird, und wie es im Unterschutzstellungsverfahren „Café Feurstein“ steht.

Der heutige „Tag des Denkmals“ steht unter dem Motto „Denkmalschutz = Klimaschutz“. Frau Keiler, was ist denn so klimafreundlich am Denkmalschutz?
Barbara Keiler: Die Gebäude bestehen seit Jahrzehnten, oft auch seit Jahrhunderten. Sie binden viel Energie, die man gebraucht hat, um sie zu bauen. Reißt man die Häuser ab, braucht es wieder viel Energie, um das Material zu entsorgen und ein neues zu bauen. Insofern ist der Denkmalschutz per se ressourcenschonend. Zudem wurde früher viel unmittelbarer und regionaler gebaut. Es wurden etwa Holzschindeln oder Natursteine aus der Gegend verwendet und man hat auch selbst Kalk gebrannt, um daraus Putze und Farben herzustellen.

Aber irgendwie ist es auch ein gewagtes Motto, nicht?
Barbara Keiler: Das hat auch Vizekanzler Kogler bei einer Fachtagung im Mai gemeint. Klar, man denkt da als erstes an alte Häuser, in denen man sprichwörtlich zum Fenster hinausheizt. Für ein Gebäude, bei dem man lange nichts mehr gemacht hat, mag das stimmen, aber wir bemühen uns, diese Gebäude bei Instandsetzungen auch technisch zu verbessern. Da gibt es viele Möglichkeiten. Das Energieinstitut bestätigt uns, dass wir da gute Werte erreichen.

Aber Fotovoltaikanlagen auf historischen Dachlandschaften aufzustellen, dürfte eher schwierig werden.
Barbara Keiler: Ja, aber nicht unmöglich. Es gibt einige Beispiele, wo wir das gut hinbekommen haben. Auf der Südseite des Feldkircher Doms wird eine PV-Anlage klarerweise nicht möglich sein. Aber es gibt mittlerweile viele Produkte, die sich intelligent integrieren lassen. Ich hatte im Übrigen noch nie so viele Schulungen zu PV-Anlagen wie in diesem Jahr.

Individuelle Lösungen sind meist sehr kostspielig. Braucht es künftig mehr Förderungen für Eigentümer, die ein denkmalgeschütztes Haus energietechnisch auf den neuesten Stand bringen.
Barbara Keiler: Die Denkmalschutzförderung gibt es primär für die Erhaltung des Gebäudes, nicht für eine neue Heizung oder PV-Anlage. Aber wir setzen uns mit diesem Thema auseinander. Das wird diskutiert.

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Barbara Keiler. hartinger

Zur person

Barbara Keiler leitet seit 2013 die Abteilung Vorarl­berg des Bundesdenkmalamts (BDA). Sie studierte Architektur an der TU Innsbruck und Kunstgeschichte an der Uni Innsbruck. Seit 1998 Referentin für Baudenkmalpflege beim BDA Vorarlberg mit Schwerpunkt Bregenzerwald und Altstadt Feldkirch.

Sie haben gesagt, dass es einige gelungene Beispiele in punkto PV-Anlagen gibt. Können Sie ein konkretes Projekt nennen?
Barbara Keiler: Am Dach der Fabrik Klarenbrunn in Bludenz wurden über 5000 Module installiert. Die sieht man gar nicht, weil sie etwas zurückgerückt wurden. Das haben wir uns vorher in einem Modell angeschaut. Was meiner Meinung nach sehr viel Sinn macht, sind Gemeinschaftsanlagen. Gerade in Zonen, wo es ästhetisch schwierig ist, auf jedes Dach eine PV-Anlage zu geben.

Gibt es Gebäude, die Sie gerne unter Denkmalschutz gestellt hätten, aber nicht mehr retten konnten?
Barbara Keiler: Natürlich kommen wir manchmal zu spät. Und dann gibt es natürlich auch öffentliche Interessen, die zu berücksichtigen sind. Denken Sie nur einmal an die alten Bahnhaltestellen. Da gibt es nur noch sehr wenige. Dafür haben wir einen gut ausgebauten, barrierefreien öffentlichen Verkehr. Was mir ein wenig Sorgen bereitet, ist die Kulturlandschaft im Montafon und Bregenzerwald. Ich kann nicht eine ganze Region unter Denkmalschutz stellen. Und so ist auf einmal das eine Haus weg und dann das nächste. Irgendwann kippt das. Da muss man aufpassen. Wir haben das im Rheintal einmal genauer untersucht. Da waren von jenen Gebäuden, die vielleicht einmal Denkmäler geworden wären, nach 20 Jahren 20 Prozent weg.

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Barbara Keiler. hartinger

Durch den Klimawandel wird baukulturelles Erbe in Mitleidenschaft gezogen. Lange Hitzeperioden, Trockenheit, Starkregen, Hochwasser machen archäologischen Stätten und denkmalgeschützten Bauten zu schaffen. Was kann man dagegen tun?
Barbara Keiler: Die Stadt Feldkirch soll jetzt vor einem Jahrhundert­hochwasser geschützt werden, wie ich gelesen habe. Das ist auch aus Denkmalschutzsicht begrüßenswert. Würde hier was passieren, wären immense Schäden zu erwarten.

Zurück zum „Tag des Denkmals“. Warum liegt der Schwerpunkt dieses Mal in Schruns? Was hat die Montafon-Gemeinde in Sachen Denkmalschutz zu bieten?
Barbara Keiler: Im Süden Vorarlbergs gibt es seit Jahren eine interessante kulturelle Szene, und wir arbeiten schon sehr lang mit dem Stand Montafon zusammen. Man kann in Schruns in kurzer Zeit viel anschauen. Auf dem Programm stehen Kirchen, Kapellen, umgebaute Häuser und eine Baustelle. Zudem bieten wir Ortsrundgänge und zwei Bustouren an. Die anderen Standorte sind verteilt über ganz Vorarl­berg.

Das Café Feurstein könnte dauerhaft unter Denkmalschutz gestellt werden. <span class="copyright">i</span><span class="copyright">n</span><span class="copyright"> </span><span class="copyright">F</span><span class="copyright">e</span><span class="copyright">l</span><span class="copyright">d</span><span class="copyright">k</span><span class="copyright">i</span><span class="copyright">r</span><span class="copyright">c</span><span class="copyright">h</span><span class="copyright"> </span><span class="copyright"></span>
Das Café Feurstein könnte dauerhaft unter Denkmalschutz gestellt werden. in Feldkirch

In Feldkirch wollen Sie das Café Feuerstein unter Schutz stellen, was im Rathaus auf wenig Gegenliebe stößt. Das Verfahren läuft noch. Was ist der aktuelle Stand?
Barbara Keiler: Nach dem Einspruch der Stadt muss das Bundesverwaltungsgericht jetzt entscheiden, ob das Inventar dauerhaft unter Schutz gestellt wird. Die Verhandlung ist im Oktober, dann werden wir weitersehen.

Die zuständige Richterin soll extra angereist sein, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Ist das üblich in solchen Verfahren?
Barbara Keiler: Die Richterin ist frei in ihrer Entscheidung. Sie kann sich auf Gutachten stützen, sich ein Bild vor Ort machen, Zeugen laden und weitere Gutachter beiziehen. Wenn es ins Berufungsverfahren geht, ist es schon üblich, dass man sich die Sachen vor Ort anschaut.

Was hat die Stadt gegen die Unterschutzstellung?
Barbara Keiler: Man sieht Einschränkungen in der Nutzung. Das wurde im Verfahren sehr ausführlich dargelegt. Wir werden sehen, wie die Argumente schlussendlich gewürdigt werden.

Kommt es hierzulande denn oft zu Berufungsverfahren?
Barbara Keiler: Gott sei dank nicht. Solche Verfahren gibt es ganz selten.

Insofern ist der Fall Feurstein schon ein spezieller.
Barbara Keiler: Ja, aber wenn man sich benachteiligt fühlt oder glaubt, der Staat greift da zu sehr ein, ist es das gute Recht eines jeden Eigentümers, einen Bescheid anzufechten.

Abgesehen vom Denkmalschutz: Die Renovierung des Cafés scheint sich gelohnt zu haben. Die Ecke ist wieder sehr belebt.
Barbara Keiler: Das ist überhaupt das Wichtigste. Wir haben so viele Projekte, die leer stehen und schon ein bisschen traurig aussehen. Da ist es schon sehr schön, wenn so eine Geschichte dann doch ein gutes Ende findet.

Alle Veranstaltungsorte und -termine unter www. tagdesdenkmals.at/programm

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