Kirche

Mit tiefsinnigen Texten zum Gebhardsberg

27.09.2022 • 20:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Marbod Fritsch mit einer von ihm gestalteten Stele. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Marbod Fritsch mit einer von ihm gestalteten Stele. Wolfgang Ölz

Zusammen mit dem Künstler Marbod Fritsch wurde im Projekt „Vom Gallus zum Gebhard“ ein universaler Meditationsweg errichtet.

Der Bregenzer Künstler Marbod Fritsch gestaltete die sieben Stelen von der Pfarrkirche St. Gallus bis zum Gebhardsberg. Der universale Charakter des neuen Meditationsweges lädt Menschen jeder Religion und aller Weltanschauungen ein, diesen Weg zu gehen. Der ehemalige Pfarrer Toni Bereuter trägt seit beinahe 30 Jahren die Idee eines Meditationsweges von „seiner“ Galluskirche auf den Gebhardsberg. Dieses Kunstprojekt im Freien funktioniert spirituell und ästhetisch auf höchstem Niveau.

Wandern mit QR-Codes

Gehen auch Sie diesen Weg! Der Waldboden ist noch beeinträchtigt durch die schwere Jahrhundertflut in Bregenz, leicht setzt der Schreiber dieser Zeilen Schritt um Schritt Richtung Gebhardsberg. Zwischen den Bäumen die Sonne und ab und zu ein Blick auf den Bodensee, wie er für Bregenz typisch ist. Bei den Stelen stehen an diesem Donnerstagnachmittag Wanderer, die mithilfe des QR-Codes Wissenswertes über Gallus und Gebhard, Bibelstellen und Fragen an sich aus dem Handy vorlesen. Es ist erstaunlich, dass die Bibel hier einen ganz eigenen Klang bekommt. Dieser Weg ist insgesamt wirklich praktikabel.

Bereuter kam 1965 als Kaplan in die Pfarrkirche St. Gallus, wo er mit einer siebenjährigen Unterbrechung in Schwarzach bis zu seiner Pensionierung 2013 gewirkt hat. Als Pfarrer, so gibt er im Gespräch zu bedenken, ist er seit 1000 Jahren der allerletzte Pfarrer, der hier im kirchenrechtlichen Sinn als Pfarrer wirkte. Die Idee für einen Meditationsweg hatte er bereits 1995 beim 1000-jährigen Jubiläum des Todestages des Heiligen Gebhard. Die Texte, die Bereuter für den Meditationsweg verfasst hat, liegen beim Schriftenstand in der Pfarrkirche St. Gallus auf oder können mittels QR-Codes an jeder Stele abgerufen werden. Sie sind gleichzeitig schlicht und tiefsinnig, wie nur Texte sind, die über lange Zeit betrachtet und meditiert wurden. Der zeitgenössischen Kunstproduktion in Vorarlberg ist etwas von dieser Muse zu wünschen. Schnell bedeutet leider auch häufig oberflächlich und belanglos.

Impulse für den Lebensweg

Jedem Wanderer des Meditationsweges gibt Bereuter Folgendes mit: „Der Meditationsweg ist ein kleiner Abschnitt unseres Lebensweges, ein kleines Stück, das wir besonders meditativ gehen sollen: stehen bleiben, Schauen-Lesen-Hören und Impulse für den weiteren Weg empfangen.“
Marbod Fritsch hat die sieben Stelen gestaltet, die erste vor der Pfarrkirche St. Gallus, die siebte auf dem Gebhardsberg. Dabei wird eine gelb-goldene Metallfläche in 25-Zentimeter-Schritten immer größer, bis am Gebhardsberg dann die ganze Säule in göttlichem Gelb leuchtet. Als gebürtiger Alberschwender freut sich Bereuter, dass für die Stelen Sandstein aus dem Schwarzachtobel verwendet wurde.

Marbod Fritsch genießt bei kirchlichen Aufträgen mittlerweile im Land einen hervorragenden Ruf. Exemplarisch sei die österreichweit wahrgenommene Klara-Edition genannt, bei der der Bregenzer Künstler über fünf Jahre renommierte Vorarlberger Kunstschaffende angeregt hat, ein Kunst-Blatt zu schaffen, das dann zugunsten der Künstler und der Schwes­tern verkauft wurde. Fritsch sagt zum neuen Meditationsweg: „Je weiter nach oben, desto mehr Transzendenz eröffnet sich dem Gehenden.“ Wichtig ist Fritsch, dass die Fragen auf dem Weg universal sind und von einem Muslim genauso erwogen werden können wie von einer Agnostikerin oder einem Christen. Ein universaler Ansatz, der verbindet, aber nicht einebnet.

Verankert in Bregenz

Es ist ein Zeichen dafür, wie verankert das Projekt in der Pfarre und in der Bregenzer Bevölkerung ist, wenn man bedenkt, wer alles sein Scherflein beigetragen hat. Da ist der Tausendsassa Kurt Mathis, der mit der Planung und Realisation insgesamt wie immer viel Engagement gezeigt hat. Da sind neben Pfarrer Anton Bereuter Diakon Gerold Hinteregger, Christoph Breuer und Christine Bertl-Anker, die bei der Erarbeitung der genial einfachen Texte mitgewirkt haben. Da sind Steinmetz Bertram Lenz, Salzmann Formblechtechnik GmbH für die Metallarbeit und für die Stadt Bregenz Bernhard Fink und Gerhard Österle.
Start des Weges: Pfarrkirche St. Gall

Von Wolfgang Ölz

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