Lokal

Verhaltene Freude mit Energiekostenzuschuss

30.09.2022 • 22:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Von der Baubranche wird der Zuschuss prinzipiell begrüßt, er sei aber kein Grund zum Jubel. <span class="copyright">Hartinger</span>
Von der Baubranche wird der Zuschuss prinzipiell begrüßt, er sei aber kein Grund zum Jubel. Hartinger

Zuschuss für Betriebe von Branchen-Vertretern positiv bewertet, er sei aber nur Tropfen auf heißen Stein.

Als die Regierung am Mittwoch den Energiekostenzuschuss beschlossen hat, sagte Bundeskanzler Karl Nehammer: Mit den 1,3 Milliarden Euro sollen Unternehmen, die von den hohen Energiekosten besonders betroffen sind, unterstützt werden, „vom Großbetrieb bis zur klassischen Bäckerei“. Die NEUE hat deshalb beim Innungsmeister der Bäcker im Land, Wolfgang Fitz (kleines Bild unten), nachgefragt, wie sehr der Energiekostenzuschuss den Bäckereien hilft. „Wir sind froh, dass wir den Zuschuss bekommen, da das Bäckereigewerbe eine energieintensive Branche ist. Die Öfen werden zu 80 bis 90 Prozent mit Gas betrieben und das kostet, gemeinsam mit dem Stromverbrauch, nun zwei Drittel mehr. Dieser Zuschuss kann deshalb entscheidend sein, ob das Geschäft gewinnbringend geführt werden kann“, verdeutlicht Fitz.

Wolfgang Fitz, Innungsmeister der Bäcker.<span class="copyright"> Frederik Sams</span>
Wolfgang Fitz, Innungsmeister der Bäcker. Frederik Sams

Man probiere zwar auch, zu sparen, indem die Öfen ein wenig früher abgeschaltet würden, aber viel Spielraum gebe es nicht. Fitz gibt zu bedenken, dass die Bäckereibranche zudem mit Preissteigerungen zu kämpfen hat, sei es beim Mehlpreis, sei es bei den Kosten für die Verpackungen. Damit das nicht alles an die Kunden weitergegeben werden müsse, „sind wir auf einen Zuschuss angewiesen“, so der Innungsmeister.

Auf EU-Ebene lösen

Die von Nehammer eingangs erwähnten Großbetriebe sind in Vorarlberg vor allem in der Industrie zu finden. Markus Comploj, Obmann der Sparte Industrie (kleines Bild rechts), beurteilt den Energiekostenzuschuss als „lobenswert“, aber auch als einen „einen Tropfen auf den heißen Stein“. Er müsse erstens deutlich ausgeweitet werden und zweitens könne die Lösung der Energiekrise nur auf EU-Ebene stattfinden. Auf dieser Ebene sei die „Explosion der Energiepreise“ schließlich entstanden: durch Putins Einzug in die Ukraine und durch die Sanktionen, so Comploj. „Die Leidtragende davon ist die Wirtschaft“, sagt der Geschäftsführer der Getzner Holding und führt aus, weshalb die Industrie in besonderem Maß von den hohen Energiepreisen betroffen ist: Die Industriebetriebe würden international im Wettbewerb stehen, sprich mit Asien, Amerika und Afrika, wo die Energiepreise nicht gestiegen seien. Deshalb hätten die Betriebe des alten Kontinents nicht mehr dieselben Wettbewerbsvoraussetzungen. Und deshalb brauche es eine europäische Lösung, indem der Öl- und Gaspreis vom Strom entkoppelt werde.

Markus Comploj ist Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer. <span class="copyright">Sams</span>
Markus Comploj ist Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer. Sams

Auflagen erfüllen

Um den Energiekostenzuschuss in Anspruch nehmen zu können, müssen von den Betrieben gewisse Auflagen erfüllt werden, beispielsweise haben größere Unternehmen ein Energiespar-Konzept vorzulegen. Angesprochen darauf, ob diese Auflagen ein Problem für die Industrie sein könnten, sagt Comploj: „Die genaue Richtlinie ist noch nicht kommuniziert. Ich gehe aber davon aus, dass es machbar sein wird, die Auflagen zu erfüllen.“

Apropos fehlende Richtlinien, dieses Mal in Bezug auf den Energiekostenzuschuss selbst: Die Gastronomie-Branche kann den Zuschuss wegen der fehlenden Richtlinien noch nicht beurteilen. Kerstin Biedermann-Smith, die Geschäftsführerin der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer, sagt: „Leider hat die Erfahrung gezeigt, dass solche Maßnahmen manchmal nicht so viel helfen wie erhofft.“ Genaueres kann sie deshalb erst sagen, wenn alle Details bekannt sind.

Mehr Betriebe profitieren davon

Kleine Modegeschäfte könnten leer ausgehen.<span class="copyright"> Apa</span>
Kleine Modegeschäfte könnten leer ausgehen. Apa

Positive Worte findet hingegen Michael Tagwerker (kleines Bild unten), Geschäftsführer der Sparte Handel: „So, wie der Energiekostenzuschuss jetzt ausgearbeitet ist, hilft er sicher mehr, als man es im Juli gedacht hat.“ Die Regierung habe die Voraussetzungen anders gestaltet, als sie es ursprünglich geplant hat, und deshalb „kommen sicher mehr Handelsbetriebe in den Genuss des Zuschusses“, so Tagwerker. Allerdings, fährt er fort und stößt in dasselbe Horn wie seine Kollegin der Gastronomie, müsse man abwarten, bis alle Details bekannt sind.

Sonderfälle?

Tagwerker befürchtet, dass es Sonderfälle geben wird, etwa die kleinen Geschäfte im Modehandel: Um den Zuschuss zu bekommen, müssen die Energiekos­ten drei Prozent des Umsatzes ausmachen; ein kleines Modegeschäft, das nur für die Beleuchtung Energie benötigt, wird diese Voraussetzung vielleicht nicht erfüllen, so Tagwerker. Dennoch hätten auch diese Geschäfte höhere Ausgaben und seien von der allgemeinen Teuerung betroffen. „Deshalb brauchen sie ebenfalls Unterstützung. Bei den Privatpersonen wird jede und jeder unterstützt, das sollte bei Unternehmen auch sein. Sonst wird es Härtefälle geben“, sagt Tagwerker. Deshalb hofft er, dass der Energiekostenzuschuss, wenn nötig, nachgebessert wird.

Michael Tagwerker, Geschäftsführer der Sparte Handel. <span class="copyright">Mauche</span>
Michael Tagwerker, Geschäftsführer der Sparte Handel. Mauche

Eine der Auflagen, um den Zuschuss zu bekommen, zielt direkt auf Handelsgeschäfte ab: Schaufenster dürfen in der Nacht nicht beleuchtet werden. Tagwerker dazu: „Natürlich sind beleuchtete Auslagen ein Marketinginstrument, aber das ist ein Beitrag, den der Handel leisten kann, ohne dadurch dramatische Einbußen zu verzeichnen.“

„Leicht positiv“

Die Sparte Bau, Handwerk und Gewerbe, vertreten durch den Geschäftsführer Armin Immler, beurteilt den Energiekostenzuschuss „leicht positiv“, aber er sei „kein Grund zum Jubeln“. Auch hier wird darauf verwiesen, dass die Details noch nicht bekannt sind. Beispielsweise wisse man nicht, ob auch kleine Betriebe für die Antragstellung eine Bestätigung des Steuerberaters benötigen. „Wir sorgen uns, dass es einen bürokratischen Aufwand geben könnte, den die kleinsten Betriebe nicht leisten können beziehungsweise dass sich der Zuschuss wegen des Aufwandes nicht mehr rentiert“, sagt Immler.

Es könnte einen bürokratischen Aufwand geben, den die kleinsten Betriebe nicht leisten können.

Armin Immler, Sparte Bau, Handwerk und Gewerbe

Außerdem wisse man nicht, wann genau die Gelder ausbezahlt werden. Der Spartenobmann hofft, dass dies bald sein wird, und verweist auf die besondere geographische Lage Vorarlbergs: „Bei den Deutschen wurde die Förderung bereits ausbezahlt und die Schweizer haben nur den halben Strompreis. Das schwächt die Vorarl­berger Wettbewerbsfähigkeit“.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.