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Nach Totschlag in Mäder: „Schwager hat auch mich umgebracht“

01.10.2022 • 12:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zivilprozess am landesgericht feldkirch. <span class="copyright">Symbolfoto Hartinger</span>
Zivilprozess am landesgericht feldkirch. Symbolfoto Hartinger

Bruder von erstochener Frau verlangt vom Täter in Zivilprozess 20.000 Euro als Trauerschmerzengeld.

Im Jänner 2017 hat der türkischstämmige Österreicher in Mäder in seinem Schlafzimmer seine 40-jährige Gattin erstochen. Dafür wurde der Angeklagte im zweiten Rechtsgang rechtskräftig wegen Totschlags zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.
Der Bruder der erstochenen Frau fordert nun vom 52-jährigen Täter 20.000 Euro als Trauerschmerzengeld. Im Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch erging noch kein Urteil. In der zweiten Verhandlung sagte der 48-jährige Kläger am Freitag, „mein Schwager hat auch mich umgebracht“. Er und seine Schwester seien „wie zwei Hälften eines Apfels“ gewesen. „Jetzt fehlt mir meine andere Hälfte.“ Seit dem gewaltsamen Tod seiner Schwester sei er „psychisch kaputt“, sagte der in Oberösterreich lebende gebürtige Türke. Er sei aggressiv geworden, sodass seine Familie daran zu zerbrechen drohe.

„Ein kalter Mensch“

Der Beklagte gab am Freitag zu Protokoll, sein Schwager sei „ein kalter Mensch“. Der Kläger habe keine innige Beziehung zur eigenen Schwester gehabt. Der 52-jährige Beklagte wurde vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen.

Zu hoch angesetzt. Zivilrichterin Teresa Zanon-Celigoj merkte in der ersten Verhandlung im Juni an, die eingeklagten 20.000 Euro seien hoch gegriffen. Bei der Bemessung des Trauerschmerzengeldes komme es vor allem auf die Intensität der gefühlsmäßigen Verbindung der Geschwis­ter an und weniger auf die Dauer des seelischen Schmerzes über den Verlust.

Im Strafverfahren wurde der Angeklagte im ersten Feldkircher Prozess im Oktober 2017 wegen Mordes zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Oberste Gerichtshof hob im April 2018 das Urteil wegen eines Verfahrensfehlers auf und ordnete eine neue Verhandlung mit anderen Richtern am Landesgericht Feldkirch an.

Acht Jahre Haft

Beim neuen Geschworenenprozess wurde der Angeklagte im Juli 2018 nur noch wegen Totschlags schuldig gesprochen. Weil er sich nach Ansicht der Geschworenen in einem emotionalen Ausnahmezustand und damit in einer allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung zu der Tat hinreißen lassen hatte. Der Mann fühlte sich von seiner Frau betrogen und über Jahre hinweg gekränkt. Die Strafe wurde in erster Instanz mit neun Jahren Gefängnis bemessen. Danach setzte das Oberlandesgericht Innsbruck im Oktober 2018 die Haftstrafe rechtskräftig mit acht Jahren fest. Für Totschlag beträgt der Strafrahmen 5 bis 10 Jahre Gefängnis, für Mord 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft.

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