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Warum Amateurfußballer vor Gericht musste

06.10.2022 • 20:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Prozess am Landesgericht Feldkirch. <span class="copyright">Hartinger</span>
Prozess am Landesgericht Feldkirch. Hartinger

Tormann eines Fußballvereines brach im Training Mitspieler laut Urteil mit Absicht die Nase:

Dem angeklagten Fußballtormann sei es darauf angekommen, seinen Mannschaftskollegen schwer zu verletzen. Das sagte Richterin Magdalena Rafolt als Vorsitzende des Schöffensenats in ihrer Urteilsbegründung. Nach Ansicht der Richter hat der damalige Tormann der zweiten Mannschaft eines Amateurvereins aus dem Bezirk Feldkirch am 27. Dezember 2021 während des Trainings in einer Halle einem Mitspieler mit einem Tritt mit dem Schienbein ins Gesicht absichtlich einen verschobenen Nasenbeinbruch zugefügt.

8400 Euro Geldstrafe

Dafür wurde der unbescholtene 26-Jährige mit dem Netto-Einkommen von 2000 Euro in einem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von sechs Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 8400 Euro (420 Tagessätze zu je 20 Euro) verurteilt. Als Teilschmerzengeld hat der Österreicher türkischer Abstammung dem anwaltlich von Hans-Christian Obernberger vertretenen Geschädigten 2000 Euro zukommen zu lassen.

Nicht rechtsktäftig

Verteidiger Winfried Mutz meldete sofort Nichtigkeitsbeschwerde, Strafberufung und Beschwerde gegen den Schmerzengeldzuspruch an, Staatsanwalt Markus Fußenegger Strafberufung. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. Nun wird zunächst der Oberste Gerichtshof über die Nichtigkeitsbeschwerde entscheiden. Der Strafrahmen betrug ein bis zehn Jahre Gefängnis. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht 13 Monaten Haft.
Der Schöffensenat nahm nach unterschiedlichen Aussagen von Zeugen diesen Sachverhalt an: Die erste Tätlichkeit ging vom späteren Opfer aus. Der 23-Jährige Feldspieler versetzte im Training der 1b-Mannschaft dem Tormann einen Faustschlag und beleidigte ihn. Daraufhin wurden die beiden Kontrahenten voneinander getrennt. Erst danach trat der Angeklagte, der früher Kickboxer war, zu. Deshalb liegt nach Überzeugung der Richter keine Notwehr vor, auf die sich der Angeklagte beruft.

Mannschaft aufgelöst

Auch wegen der tätlichen Auseinandersetzung sei dann die 1b-Mannschaft des Fußballvereins aufgelöst worden, hieß es während der Gerichtsverhandlung. Auslöser für den folgenschweren Vorfall war, dass der Tormann vergeblich versuchte, einen Ball mit dem Hintern abzufangen, und so ein Gegentor kassierte. Dafür wurde er vom 23-jährigen Mitspieler heftig kritisiert. Er beließ es allerdings nicht dabei, dem Tormann zu sagen, er solle Bälle mit den Händen abwehren.

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