Politik

Die ersten Präsidenten im Ländle

08.10.2022 • 18:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wilhelm Miklas besichtigt 1937 die Baustelle für die Flexenpassstraße.<span class="copyright">Anno</span>
Wilhelm Miklas besichtigt 1937 die Baustelle für die Flexenpassstraße.Anno

Bereits in der Ersten und zu Beginn der Zweiten Republik war Vorarlberg das Ziel von Bundespräsidentenbesuchen.

m 29. Juni 1921 kam erstmals ein österreichischer Bundespräsident nach Vorarlberg. Michael Hainisch war erst im Dezember des vorangegangenen Jahres ins Amt gewählt worden. Der Bundespräsident hatte nach der Verfassung von 1920 fast ausschließlich repräsentative Aufgaben, die Aufregung im Ländle war ob des hohen Besuches dennoch groß.

Die Ankunft des Bundespräsidenten sei „ein bedeutungswürdiges Ereignis“, verkündete das Vorarlberger Volksblatt. Dennoch sei der Besuch „einfach und schlicht“ abgelaufen, „wie es der demokratischen Zeit und dem Ernste unserer Tage entspricht“. Österreich kämpfte damals mit den wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkrieges. Hainisch, der sich auf einer Bundesländertour befand, inspizierte daher auch ein Projekt, das in die Zukunft weisen sollte, die Bauarbeiten zur Elektrifizierung der Arlbergbahn.

Er überbrachte „die herzlichen Grüße der ganzen Republik“, besuchte das Montafon und den Bregenzerwald, fuhr eine Runde auf dem Bodensee und dann zurück nach Wien. Dass man den Bundespräsidenten damals politisch überschätzte, zeigte sich einige Monate später, als der Alpenverein bei einer Tagung beklagte, die nötigen Mittel für die Reparatur heimischer Hütten stünden noch immer nicht bereit, obwohl man dem Staats­oberhaupt das Problem vorgetragen habe.

Vor und nach dem Krieg

Heinischs Nachfolger, Wilhelm Miklas, verabsäumte es, die Demokratie gegen den Putsch seines Kanzlers Engelbert Dollfuß zu verteidigen. 1935 besuchte er die naturwissenschaftliche Sammlung in Dornbirn, die Vorläuferin der Inatura. In Feldkirch wurden 300 Kinder zusammengetrommelt, um den Bundespräsidenten zu bewundern. Der Landeshauptmann führte die Jugendorganisation der Diktatur vor, 1937 kam er nach Vorarlberg, um die Bauarbeiten an der Flexenstraße zu beäugen, er drehte eine Runde durchs Arlberggebiet und fuhr dann wieder zurück nach Wien.

Von dort kam erst 1947 wieder ein Bundespräsident nach Vorarlberg. Der Empfang für Karl Renner war herzlicher, als man es aufgrund des späteren Eklats um die Taufe eines Bodenseeschiffes auf seinen Namen vermutet hätte. Renner nahm an der ersten Jungbürgerfeier nach dem Krieg teil und setzte ein versöhnliches Zeichen in Richtung ÖVP. Der Sozialdemokrat fuhr nach Andelsbuch, um dort am Grab von Jodok Fink einen Kranz niederzulegen. In einer Ansprache lobte er „den gesunden alemannischen Sinn, den Wirtschaftsgeist und die Sauberkeit des Vorarlberger Volkes.“ Der im Ländle verankerte Föderalismus sei „eine der Voraussetzungen für den demokratischen Wiederaufbau Österreichs“.“

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